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Goethe Johann Wolfgang von

Römische Elegien XII.

Hörest du, Liebchen! das muntre Geschrey den Flamminischen Weg her
Schnitter sind es, sie ziehn wieder nach Hause zurück,
Weit von hier. Sie haben dem Römer die Erndte vollendet
Der für Ceres den Kranz selber zu flechten verschmäht.
Keine Feste sind mehr der grossen Göttinn gewiedmet
Die statt Eicheln zur Kost goldenen Waizen verlieh.
Lass uns beyde das Fest im Stillen freudig begehen!
Ein versammeltes Volk stellen zwey Liebende vor.
Hast du wohl jemals gehört von jener mystischen Feyer
Die von Eleusis hieher frühe dem Sieger gefolgt?
Griechen stifteten sie und immer riefen nur Griechen,
Selbst in den Mauern von Rom: »kommt zur geheiligten Nacht!«
Und es floh der Profane, da bebte der wartende Neuling
Den ein weisses Gewand Zeichen der Unschuld umgab.
Wunderlich irrte darauf der Eingeführte durch Kreise
Seltner Gestalten, im Traum schien er zu wallen, denn hier
Wanden sich Schlangen am Boden des Tempels, verschlossene Kästchen
Reich mit Aehren umkränzt trugen hier Mädchen vorbey,
Vielbedeutend gebärdeten sich die Priester und summten.
Ungedultig und bang harrte der Lehrling auf Licht.
Erst nach vielen Proben oft wiederkehrend erfuhr er
Was der geheiligte Kreis seltsam in Bildern verbarg.
Und was war das Geheimniss? als dass Demeter die Grosse
Sich gefällig einmal auch einem Helden bequemt,
Als sie dem edlen Jasion, dem rüsstigen König der Kreter,
Ihres unsterblichen Leibs holdes Verborgne gegönnt.
Da war Kreta beglückt, das Hochzeitbette der Göttinn
Schwoll von Aehren und reich drückte den Acker die Saat.
Aber die übrige Welt verschmachtete denn es versäumte
Über der Liebe Genuss Ceres den schönen Beruf.
Voll Erstaunen vernahm der Eingeweihte das Mährchen,
Winkte der Liebsten - Verstehst du nun Geliebte den Wink?
Jene buschige Myrte beschattet ein heiliges Plätzchen;
Unsre Zufriedenheit bringt keine Gefärde der Welt.