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Goethe Johann Wolfgang von

Römische Elegien V.

Froh empfind' ich mich nun auf klassischem Boden begeistert!
Lauter und reizender spricht Vorwelt und Mitwelt zu mir.
Ich befolge den Rath durchblättre die Werke der Alten
Mit geschäftiger Hand täglich mit neuem Genuss.
Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;
Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt vergnügt.
Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen Busens
Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab.
Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denck und vergleiche,
Sehe mit fühlendem Aug, fühle mit sehender Hand.
Raubet die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,
Giebt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.
Wird doch nicht immer geküsst es wird vernünftig gesprochen;
Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und dencke mir viel.
Oftmals hab ich auch schon in ihren Armen gedichtet
Und des Hexameters Maas, leise, mit fingernder Hand,
Ihr auf den Rücken gezählt, sie athmet in lieblichem Schlummer,
Und es durchglühet ihr Hauch mir biss ins tiefste die Brust.
Amor schüret indess die Lampe und denket der Zeiten,
Da er den nähmlichen Dienst seinen Triumvirn gethan.