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Goethe
Johann Wolfgang von
Römische Elegien XV.
Caesarn wär ich
wohl nie zu den Britannen gefolget,
Florus hätte mich leicht in die Popine geschleppt!
Denn mir bleiben weit mehr die Nebel des traurigen Nordens,
Als ein geschäfftiges Volck südlicher Flöhe verhasst.
Und noch schöner von heut an seyd mir gegrüsset ihr Schenken,
Osterien, wie euch schiklich der Römer benennt;
Denn ihr zeigtet mir heute die Liebste vom Oheim begleitet,
Den die Gute so oft mich zu besitzen betrügt.
Hier stand unser Tisch den Deutsche vertraulich umgaben,
Drüben suchte das Kind neben der Mutter den Plaz.
Rückte vielmals die Banck und wusst' es artig zu machen
Dass ich halb ihr Gesicht, völlig den Nacken gewann.
Lauter sprach sie als hier die Römerinn pfleget, credenzte
Blickte rükwärts nach mir goss und verfehlte das Glas,
Wein floss über den Tisch und sie, mit zierlichem Finger,
Zog auf dem hölzernen Blatt Kreise der Feuchtigkeit hin.
Meinen Nahmen verschlang sie mit Ihrem, ich merckte begierig
Immer aufs Fingerchen auf und sie bemerckte mich wohl.
Endlich zog sie behende das Zeichen der römischen Fünfe
Und ein Strichlein davor; schnell und sobald ichs gesehn
Schlang sie Kreise durch Kreise, die Lettern und Ziffern zu löschen,
Aber die köstliche Vier blieb mir ins Auge geprägt.
Stumm war ich sitzen geblieben und biss die glühende Lippe
Halb aus Schalckheit und Lust halb aus Begierde mir wund.
Noch so lange biss Nacht! dann noch vier Stunden zu warten!
Hohe Sonne du weilst und du beschauest dein Rom!
Grösseres sahest du nichts und wirst nichts grösseres sehen,
Wie es dein Priester Horaz in der Entzückung versprach.
Aber heute verweile nicht länger und wende die Blicke
Von dem Siebengebirg früher und williger ab.
Einem Dichter zuliebe verkürze die herrlichen Stunden,
Die mit begierigem Blick selig der Mahler geniesst.
Glühend blicke noch schnell zu diesen hohen Fassaden,
Kuppeln und Säulen zuletzt und Obelisken herauf.
Stürze dich eilig ins Meer, um Morgen früher zu sehen
Was du, mit göttlicher Lust, viele Jahrhunderte sahst.
Dieses feuchte mit Rohr so lange bewachsnen Gestade
Diese mit Bäumen und Busch düster beschatteten Höhn,
Wenig Hütten zeigten sie dir, dann sahst du auf einmal
Sie vom wimmlenden Volck, glücklicher Räuber belebt,
Alles schleppten sie dann an diese Stätte zusammen,
Kaum war das übrige Rund, deiner Betrachtung noch werth.
Sahst eine Welt hier entstehn, dann eine Welt hier in Trümmern,
Aus den Trümmern aufs neu' fast eine grössere Welt.
Dass ich diese noch lange von dir beleuchtet erblicke
Spinne die Parze mir klug langsam den Faden herab.
Aber sie eile herbey die schön bezeichnete Stunde! -
Glücklich! hör ich sie schon? Nein! doch ich höre schon Drey
So ihr lieben Musen betrogt ihr wieder die Länge
Dieser Weile die mich von der Geliebten getrennt.
Lebet wohl! nun eil ich und fürcht euch nicht zu beleidgen,
Denn ihr stolzen ihr gebt Amorn doch immer den Rang.
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