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Goethe Johann Wolfgang von

Ostergesang
(Faust 1. Teil ...........)

Chor der Engel.
Christ ist erstanden!
Freude dem Sterblichen,
Den die verderblichen,
Schleichenden, erblichen
Mängel umwanden.

Faust.
Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton
Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
Der einst um Grabes Nacht von Engelslippen klang
Gewissheit einem neuen Bunde?

Chor der Weiber.
Mit Spezereien
Hatten wir ihn gepflegt,
Wir seine Treuen
Hatten ihn hingelegt;
Tücher und Binden
Reinlich umwanden wir,
Ach! Und wir finden
Christ nicht mehr hier.

Chor der Engel.
Christ ist erstanden!
Selig der Liebende,
Der die betrübende,
Heilsam’ und übende
Prüfung bestanden.

Chor der Jünger.
Hat der Begrabene
Schon sich nach oben,
Lebend Erhabene,
Herrlich erhoben;
Ist er in Werdelust
Schaffender Freude nah;
Ach! An der Erde Brust
Sind wir zum Leide da.
Ließ er die Seinen
Schmachtend uns hier zurück;
Ach! Wir beweinen,
Meister, dein Glück!

Chor der Engel.
Christ ist erstanden
Aus der Verwesung Schoß.
Reißet von Banden
Freudig euch los!
Tätig ihn preisenden,
Liebe beweisenden,
Brüderlich speisenden,
Predigend reisenden,
Wonne verheißenden
Euch ist der Meister nah,
Euch ist er da!