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Goethe Johann Wolfgang von

Prometheus

I
Bedecke deinen Himmel Zevs
Mit Wolckendunst!
Und übe Knabengleich
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn.

II
Und meine Hütte
Die du nicht gebaut,
Und meinen Heerd
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

III
Ich kenn nichts ärmers
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern und Gebetshauch
Eure Majestät, und darbtet wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Tohren.

IV
Als ich ein Kind
Nicht wusste wo aus wo ein
Kehrt mein verirrtes Aug
Zur Sonne als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage
Ein Herz wie
Sich des bedrängten zu erbarmen.

V
Wer half mir wider
Der Titanen Übermuth
Wer rettete vom Todte mich
Von Sklaverey?
Hast du's nicht alles selbst vollendet
Heilig glühend Herz?
Und glühtest iung und gut,
Betrogen, Rettungsdanck
Dem Schlafenden dadroben.

VI
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen
Hast du die Tränen gestillt
Je des Geängsteten.
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksaal
Meine Herrn und deine.

VII
Wähntest etwa
Ich sollt das Leben hassen
In Wüsten fliehn
Weil nicht alle Knabenmorgen
Blütenträume reifften.

VIII
Hier sitz ich forme Menschen
Nach meinem Bilde
Ein Geschlecht das mir gleich sey
Zu leiden weinen
Geniessen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten
Wie ich.