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Gerok Karl

Die Uhr schlägt zehn

Die Uhr schlägt zehn;
wer müde darf zu Bette gehen.
Die Mutter nicht. Die Mutter wacht
beim kranken Kind die ganze Nacht.
Bekümmert sitzt sie an der Wiege
und hört auf seine Atemzüge.

Die Uhr schlägt elf;
daß Gott doch allen Kranken helf!
Ach wie mein Kind im Fieber liegt,
die Wangen glüh'n der Atem fliegt.

Horch Mitternacht!
Mein Kindlein ist im Schreck erwacht.
Die Glocke wimmert grell vom Turm,
im Holze pickt der Totenwurm.

Die Glock schlägt eins.
Das Nachtlicht brennt getrübten Schein's.
Die Augen fallen beinah' zu,
das müde Haupt verlangt nach Ruh.

Die Glock schlägt zwei:
Komm Kind, nimm die Arznei.
Du bist so matt und bist so krank.
Ist er auch bitter, nimm den Trank!
Bald ist das Morgenrot vorhanden,
die Nacht der Sorgen überstanden.

Die Glock schlägt vier.
Hell ruft der Wächter vor der Tür.
Der frühe Hahn hat schon gekräht,
ein kühler Hauch durchs Fenster geht.
Gebrochen ist des Fiebers böse Macht,
vorüber ist die lange Kummernacht.
Die heisse Stirn betaut ein linder Schweiss,
mein Kindlein aber schlummert sanft und leis.