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Gerhardt
Paul
Sommer-Gesang
1
Geh aus mein Hertz und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit
An deines Gottes Gaben:
Schau an der schönen Garten-Zier /
Und siehe wie sie mir und dir
Sich außgeschmücket haben.
2
Die Bäume stehen voller Laub /
Das Erdreich decket seinen Staub /
Mit einem grünen Kleide:
Narcissus und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seyde.
3
Die Lerche schwingt sich in die Lufft /
Das Täublein fleucht aus seiner kluft
Und macht sich in die Wälder:
Die hochbegabte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg / Hügel / Thal und Felder.
4
Die Glukke führt ihr Völcklein aus /
Der Storch baut und bewohnt sein Haus /
Das Schwälblein speißt ihr Jungen:
Der schnelle Hirsch / das leichte Reh'
Ist froh und kommt aus seiner Höh
Ins tieffe Graß gesprungen.
5
Die Bächlein rauschen in dem Sand
Und mahlen sich und ihren Rand
Mit schatten reichen Myrten:
Die Wiesen ligen hart dabey
Und klingen gantz von Lust-Geschrey
Der Schaff und ihrer Hirten.
6
Die unverdroßne Bienenschaar
Zeucht hin und her / sucht hier und dar
Ihr edle Honigspeise:
Des süssen Weinstocks starcker safft
Kriegt täglich neue stärck und krafft
In seinem schwachen Reise.
7
Der Weitzen wächset mit Gewalt
Darüber jauchtzet Jung und Alt /
Und rühmt die grosse Güte
Deß / der so überflüßig labt'
Und mit so manchem Gut begabt
Das Menschliche Gemüthe.
8
Ich selbsten kan und mag nicht ruhn:
Des grossen Gottes grosses Thun
Erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit / wenn alles singt /
Und lasse was dem höchsten klingt
Aus meinem Hertzen rinnen.
9
Ach denck ich / bist du hier so schön /
Und läßst dus uns so lieblich gehn
Auf dieser armen Erden:
Was wil doch wol nach dieser Welt
Dort in dem reichen Himmelszelt
Und güldnem Schlosse werden?
10
Welch hohe Lust / welch heller Schein
Wird wol in Christi Garten seyn?
Wie muß es da wol klingen /
Da so viel tausent Seraphim /
Mit eingestimmtem Mund und Stim
Ihr Alleluja singen.
11
O wär ich da! o stünd ich schon /
Ach süsser Gott / für deinem Thron
Und trüge meine Palmen;
So wolt' ich nach der Engel Weis
Erhöhen deines Namens Preis
Mit tausent schönen Psalmen.
12
Doch wil ich gleichwol / weil ich noch
Hier trage dieses Leibes-Joch /
Auch nicht gar stille schweigen:
Mein Hertze sol sich fort und fort /
An diesem und an allem Ort /
Zu deinem Lobe neigen.
13
Hilf nur / und segne meinen Geist
Mit Segen / der von Himmel fleußt /
Daß ich dir stetig blühe:
Gib / daß der Sommer deiner Gnad'
In meiner Seelen früh und spat
Viel Glaubensfrücht erziehe.
14
Mach in mir deinem Geiste Raum /
Daß ich dir werd' ein guter Baum /
Und laß mich wol bekleiben:
Verleihe / daß zu deinem Ruhm
Ich deines Gartens schöne Blum
Und Pflantze möge bleiben.
15
Erwehle mich zum Paradeis /
Und laß mich bis zur letzten Reis
An Leib und Seele grünen:
So wil ich dir und deiner Ehr
Allein / und sonsten keinem mehr /
Hier und dort Ewig dienen.
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