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Gerhardt Paul 1607 - 1676
Lebensdaten

Kirchenliederdichter

Geboren am 12.3. 1607 in Gräfenhainichen bei Wittenberg, gestorben am 27.5.1676 in Lübben (Niederlausitz).
1622: Fürstenschule in Grimma
1628: Studium der Theologie in Wittenberg.
Ende 1651: Propst in Mittenwalde bei Berlin und Inspektor der umliegenden Landpfarreien und verheiratete sich am 11.2. 1655 mit Anna Maria, der jüngsten Tochter des genannten Kammergerichtsadvokaten. Im Sommer 1657 kam er nach Berlin als Diakonus an St. Nikolai, in einer Zeit schwerer Lehrstreitigkeiten unter den lutherischen und reformierten Theologen und Predigern. Sie wurden dadurch verschärft, daß Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in seinem Bestreben, seinem Volk und Land den so notwendigen Kirchenfrieden zu verschaffen, die Verpflichtung der Pfarrer auf die »Konkordienformel« bei der Ordination aufhob, »das unnötige Eifern, Gezänk und Disputieren der Geistlichen auf den Kanzeln« verbot und seinen Landeskindern das Studium der Theologie und Philosophie in Wittenberg untersagte. G. arbeitete vorzügliche lutherische Gutachten aus für das von dem Großen Kurfürsten ausgeschriebene Religionsgespräch zwischen den lutherischen und reformierten Predigern Berlins. Es dauerte von Anfang September 1662 bis Ende Mai 1663, erweiterte aber nur noch den Riß, den es heilen sollte.

Gerhardt konnte sich auf Grund seiner einstigen Verpflichtungen auf die Konkordienformel nicht dazu entschließen, durch Unterschrift die kurfürstliche Verordnung vom 16.9. 1664 anzuerkennen, die unter Androhung der Amtsenthebung den Kirchenstreit verbot. G. wurde deswegen am 13.2. 1666 seines Amtes entsetzt, aber am 9.1. 1667 durch den Großen Kurfürsten wieder in sein Amt eingesetzt wegen der vielen Bittschriften und Bemühungen der Bürgerschaft und des Magistrats, der »Gewerke« und der märkischen Landstände. Er konnte seiner Wiedereinsetzung nicht recht froh werden, weil ihm die Unterschrift zwar erlassen war, der Kurfürst aber von ihm erwartete, daß er sich auch so den Verordnungen fügen werde. Darum nahm G. seine Amtsgeschäfte wohl wieder auf, aber noch nicht die Predigttätigkeit, so daß sich der Magistrat an den Kurfürsten wandte mit der Bitte, er möchte ihm den Gehorsam gegen die Verordnungen erlassen und ihm gestatten, bei allen lutherischen Bekenntnisschriften, namentlich der Konkordienformel, zu verbleiben und nach ihr seine Gemeinde zu unterweisen. Da der Große Kurfürst auf diese Bitte nicht einging, glaubte G. um seines Gewissens und Bekenntnisses willen im Februar 1667 freiwillig auf sein Amt verzichten zu müssen. Am 5.3. 1668 verlor er seine Gattin, die ihm fünf Kinder geschenkt hatte, von denen aber vier bereits gestorben waren. Vom Tag seiner Amtsenthebung an bis August 1668 bezog G. sein Gehalt unverkürzt weiter und behielt auch seine Amtswohnung bei. Im Oktober 1668 wählte ihn der Magistrat von Lübben einstimmig zum Archidiakonus, und am Trinitatisfest 1669 wurde er in sein neues Amt eingeführt. - Neben Martin Luther ist G. der bedeutendste Liederdichter der evangelischen Kirche. Seine dichterische Schaffenskraft erreichte während der Kandidatenjahre in Berlin ihren Höhepunkt; denn die meisten und wertvollsten seiner Lieder sind die Frucht eines einzigen Jahrzehnts: etwa der Zeit von 1643-53. Für die Verbreitung seiner Lieder hat der Dichter selbst nichts unternommen. Daß sie bekannt wurden, ist das Verdienst Crügers und dessen Nachfolger Johann Georg Ebeling.