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Gellert Christian Fürchtegott

Das Pferd und die Bremse

Ein Gaul, der Schmuck von weissen Pferden,
Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt,
Und, wie ein Mensch, stolz in Geberden,
Trug seinen Herrn durch einen Wald;
Als mitten in dem stolzen Gange
Ihm eine Brems entgegen zog,
Und durstig auf die nasse Stange
An seinem blanken Zaume flog.
Sie leckte von dem weissen Schaume,
Der heefigt am Gebiße floß;
Geschmeiße! sprach das wilde Roß,
Du scheust dich nicht vor meinem Zaume!
Wo bleibt die Ehrfurcht gegen mich?
Wie? darfst du wohl ein Pferd erbittern?
Ich schüttle nur: so mußt du zittern.
Es schüttelte; die Bremse wich.

Allein sie suchte sich zu rächen;
Sie flog ihm nach, um ihn zu stechen,
Und stach den Schimmel in das Maul;
Das Pferd erschrack, und blieb vor Schrecken
In Wurzeln mit dem Eisen stecken,
Und brach ein Bein; Hier lag der stolze Gaul.

Auf sich den Haß der niedern laden,
Dieß stürzet oft den größten Mann.
Wer dir, als Freund nicht nützen kann,
Kann allemal, als Feind, dir schaden.