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Geibel Emanuel
Der Uklei
Von Hügeln dicht umschlossen, geheimnisvoll
Verhüllt in Waldnacht dämmert der Ukleisee,
Ein dunkles Auge, das zur Sonne
Nur um die Stunde des Mittags aufblickt.
Weltfremdes Schweigen waltet umher; es regt
Kein Hauch des Abgrunds lauteren Spiegel auf
Nur in des Forsthangs Wipfeln droben
Wandelt wie ferner Gesang ein Brausen.
Wie oft im Zwielicht dieses Gestads befiel
Versunkner Vorzeit Schauer die Seele mir!
Denn wenn des Volks uralte Sage
Echtes verkündet, so war es hier einst,
Wo in den Vollmondnächten der Blumenzeit,
Von Priesterjungfraun unter Gebet enthüllt,
Der Göttin Bild vom erznen Wagen
In die verschwiegene Flut hinabstieg.
Auch heut noch wird hier Heiliges kund: es wagt
Der Jüngling, dem ehrfürchtige Scheu bisher
Die Lippe zuschloß, in den grünen
Dämmrungen kühner das Wort der Liebe.
Und selbst der Mann, der nimmer ein groß Gefühl,
Vergeudend, deinen Namen, o Vaterland,
Nur selten ausspricht, weil am Markt ihn
Täglich die Zunge der Schwätzer mißbraucht,
Hier strömt der sonst wortkarge dem Freunde wohl,
Als hätt' ein Gott ihm plötzlich das Herz gelöst,
Die tiefe Sehnsucht aus und redet
von den verschollenen Reichskleinoden.
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