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Fontane Theodor
Jung - Emmy
Jung - Emmy war die schönste Maid
Viel Meilen in der Runde;
Die Burschen kamen weit und breit
Herbei zum Herzensbunde;
Der hübschste ward auch angeblickt
Und mit zu Tanz genommen,
Doch ohne Gnade heimgeschickt,
Sooft ein hübschrer kommen.
In Emmys Dorf, da war der Hans,
Ein Bursch mit braunen Wangen,
Der wär' so gern zu Spiel und Tanz
An ihrer Seit' gegangen;
Es mochte wohl das gute Haus
Sie recht von Herzen lieben,
Doch sah er nicht zum Besten aus,
Drum war er fern geblieben.
Vor Jahren schon, als einst im Saal
Die Fiedel ward gestrichen
Und Emmy fort vom Tanz sich stahl,
War er ihr nachgeschlichen.
Er sah sie, die so fröhlich schien,
In Tränen draußen stehen,
Die brannten heiß wie Feuer ihn;
Er konnt' nicht weinen sehen.
Er hatte seine Liebe still
Seit jener Nacht getragen,
Heut endlich rief er: "Wie Gott will,
Ich muß es einmal wagen!"
Und zu der Liebsten trug er hin
Sein Dichten und sein Trachten;
Sie sprach: "Du weißt nicht, wer ich bin,
Sonst träf' mich dein Verachten!
Mein Vater war ein Edelmann,
Die Bäurin macht' er trunken,
Am andren Morgen schied er dann,
Mit neuem Sieg zu prunken;-
Ein strenger Gott hat ungebeugt
Auch mir den Fluch geschrieben:
Wen Lust statt Liebe nur gezeugt,
Der hat kein Herz zum Lieben!"
Da sprach der Hans: "Mach' dich nur schlecht,
Als stammtest du vom Bösen,
Es ist der Liebe altes Recht,
Die Seelen zu erlösen."
Ob's auch dem Teufel nie gebricht
An Macht, uns zu versuchen,
Ein Gott im Himmel schuf uns nicht,
Um gleich uns zu verfluchen."
Er sprach's und hielt die schöne Braut
In seinen starken Armen.
Schön Emmy weint' und schluchzte laut
Und rief: "Gott hat Erbarmen!
Ich hielt mein Sein, ich hielt mein Tun
Für alle Zeit verloren;
Ich fühle durch die Liebe nun
Zur Liebe mich geboren!"
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