Bormann Edwin
Der Erlgeenig
Mid Gommendare
Wer reidet so speede dorch Nacht un Wind?
(Gaum gammer'sch fer meeglich halden!)
Es is der Vader mit seinen Gind;
(So ä Uhnverstand von den Alden!)
Er hat den Knawen wohl in den Arm,
(Was will das alles besagen!)
Er hält en sicher, er hält en warm.
(Den Vader, den haww' ich in Magen!)
Mei Sohn, was bärgste so bang dei Gesicht? -
(Der Kleene glieht iewer un iewer.)
Siehst, Vader, du den Erlgeenig nicht?
(Da hammer'sch, jetzt redt er in Fiewer!)
Den Erlengeenig mit Kron' un Schweif? -
(Der Vader verdiente de Ruhde!)
Mei Sohn, es ist ä Newelstreif. -
(Hundertzwanzig Buls de Minude!)
"Du liewes Gind, gomm keh' mit mir!
(Das Märchengeschwafle, weeß Kneppchen!)
"Gar scheene Spiele spiel' ich mit dir;
(Is Gift für ä Gindergeppchen.)
"Manch bunde Blumen sin an den Strand,
(Da sollte sich von rechtswegen)
"Meine Mudder hat manch gilden Gewand." -
(De Bohlezei neinlegen!)
Mei Vader, mei Vader, un heerest du nicht,
(Uf de Stärne eisgalde Gompressen!)
Was Erlengeenig mer leise verspricht? -
(Un de Demberadur hibsch gemessen!)
Bis ruhig, bleiwe ruhig, mei Gind;
(Ä Leffel Chinin, der dheede)
In därren Bläddern seiselt der Wind. -
(Viel besser als alles Gerede!)
"Willst, feiner Knawe, du mit mer gehn?
(Das woll'mer schon ernstlich verhindern.)
"Meine Dechder sollen dich warden scheen;
(Was verstehn denn die Mädchen von Gindern?)
"Meine Dechder fiehren den nächtlichen Reihn,
(s weer' besser, se gingen zu Bedde!)
"Un wiegen un dansen un singen dich ein." -
(Änne fermliche Strauß-Oberedde!)
Mei Vader, mei Vader, un siehste nich dort
(Gewiß schon värzig Grad Hitze!)
Erlgeenigs Dechder an diestern Ort? -
(Un da machen noch so ä Ritt se!)
Mei Sohn, mei Sohn, ich seh' es genau:
(Na, gennt' ich den Vader gleich kriegen,)
Es scheinen de alden Weiden so grau. -
(Ich zermeerschelt' en mit Vergniegen!)
"Ich liewe dich, mich reizt deine scheene Gestalt!
(Ich sitze als wie uf Gohlen.)
"Un biste nich willig, so brauch' ich Gewalt. " -
(Nur fix den Doktor holen!)
Mei Vader, mei Vader, jetzt faßt er mich ahn!
(Was wärd wohl, so frag' ich mit Bewen,)
Erlgeenig hat mer ä Leids gedhan! -
(De Diagnose ergewen?)
Den Vader grauset 's, er reidet geschwind,
(Wenn er das nur längkst schon hädde!)
Er hält in den Armen das ächzende Gind;
(Na, steckt's nur gleich ins Bedde!)
Erreicht mit Mieh' un Not de Stadt,
(Gebadt wie änne Made -)
In seinen Armen das Gind, das hat
De Masern in heechsten Grade.
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