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Calderon de la Barca
Das große Welttheater
Zweiter Aufzug
Ungesäumt nun
folgt der zweite
Aufzug nach des ersten Schlusse:
Der vom Moses - und hier muß ich
Meinen Fleiß zu mehren suchen,
Denn, um dorthin zu gelangen,
Kommen eilig, trocknen Fußes,
Aus Ägypten angerückt
Durch das Rote Meer die Juden.
Dort, wenn so die Flut sich teilt,
Soll die Sonne sich verwundern,
Was ich ihr für Klüfte zeige,
Die sonst tief im Wasser ruhten.
Doch schon mit zwei Feuersäulen
Leuchtet sei voran dem Zuge,
Denn durch Wüsten geht der Weg,
Zum verheißenen Genusse,
Und um das Gesetz zu holen,
Hat den Moses, raschen Fluges,
Jetzt auf einen mächt'gen Berg
Ein Gewölk emporgeschwungen.
Aber dieser zweite Akt
Bricht in Schrecken aus zum Schlusse:
Wie im Todesschlummer dämmernd,
Wird die Sonne sich verdunkeln
Und in tiefen Fieberschauern
Wird man da die Himmelskugel
Irre wanken sehn und weichen
Alle Kreis' aus ihren Fugen,
Berge bersten und die Mauern
Taumeln, wie von Wahnsinn trunken,
Bis der ganze morsche Bau
Rings in Trümmern ist gesunken -
Drauf beginnt der dritte Akt,
Der von Ahnungen durchklungen,
Daß hier Höheres im Spiel:
Das Gesetz des neuen Bundes -
Eitel Streben, zu ergründen
Dieses Wunder aller Wunder! -
Also wird man in drei Akte,
Nach den dreierlei Statuten,
Einst die Weltenalter teilen
Von Jahrhundert zu Jahrhundert,
Bis zuletzt die ganze Bühne
Mit all ihrem reichen Prunke -
Daß auch Feuerwerk nicht fehle
Bei dem Fest - im Blitzeszucken
Unversehns von einem grimmen
Feuermeere wird verschlungen.
Hier versagt mir meine Stimme
Und mein bleicher Mund verstummt,
Denn, schon es zu ahnen, schaudr' ich,
Es zu denken, sprengt die Brust mir,
Und ich bebe, auszusprechen
All das unermeßne Unglück.
Oh, daß dieser Tag noch lange
Weilte in der Zeiten Grunde
Und ihn nie die Völker schauten,
Die noch ruhn im Schoß der Zukunft! -
Nun, in den drei Akten sehen
Wohl die Menschen manches Wunder,
Und nicht einem soll da fehlen,
Was fürs Schauspiel ihm von Nutzen.
Und da ich nun das Theater
Ausgerüstet ganz nach Wunsche,
Wirst du selbst wohl, was das Spiel
Anbetrifft, wie ich vermute,
Alles schon im Sinne haben,
Denn in deinem Sinn verbunden
Sind die Menschen, eh' sie sind,
Schon versichert ihres Ruhmes.
Doch daß jeglicher imstande,
Auf der Bühne, deinem Rufe
Folgend, auf- und abzutreten,
Habe ich zwei Türen hurtig
Eingerichtet: hier die Wiege,
Dort das Grab im Hintergrunde;
Und nicht minder auch gedacht' ich
Des Kostüms und nöt'gen Putzes,
Wie die Rollen ihn erheischen,
Denn bereit halt ich zur Stunde
Für den, der den König gibt,
Lorbeerkränze und den Purpur,
Für den tapfern Feldhauptmann
Waffen, Ansehn und Triumphe,
Dem, der den Minister spielt,
Geb ich Bildung, Bücher, Schulen,
Geistlich Regiment dem Mönche,
Dem Verbrecher manchen Unglimpf,
Ehr' und Pracht dem Edelmann,
Privilegien den Kommunen.
Auch den Landmann, der um eines
Toren Schuld in Angst und Kummer
Muß den Harten Boden bauen,
Rüst ich aus mit Hack' und Pfluge;
Doch vor allen dann des Schauspiels
Dame zier ich mit dem Schmucke
Höchster Schönheit, diesem süßen
Gifte für so viel Unschuld'ge
Nur den Bettler laß ich laufen,
Weil das seines Parts Natur so.
Keiner soll sich da beklagen,
Daß er nicht bereit gefunden,
Was er für sein Rollenfach
Irgend nur an Schmuck bedurfte.
Macht er dennoch seine Sache
Schlecht dann, so ist's meine Schuld nicht,
Sondern seine - und da nun.
Schon gerüstet all der Plunder,
So kommt, Sterbliche, herbei,
Um sich einzeln auszuputzen;
Auf dem großen Welttheater
Zeige jeder seine Kunst nun!
(Geht ab.)
Der Meister.
All ihr, noch im Nichts verloren,
Ruf euch dennoch auf zum Licht,
Denn vor meinem Angesicht
Seid ihr, eh' ihr noch geboren;
Heiß' zu jenen Blumenfloren,
Hört ihr mich auch nicht, euch eilen,
Wo der Zedern schlanke Säulen,
Palm und Lorbeer eurer warten -
Um an alle in dem Garten
Nun die Rollen zu verteilen.
(Es erscheinen: der Reiche, der König, der
Landmann,
der Bettler, die Schönheit, der Weise und ein Kind.)
Der König.
Meister, siehe hier die Deinen!
Nicht geboren erst zu werden
Braucht ja dein Geschöpf auf Erden,
Um vor dir, Herr, zu erscheinen.
Noch beschwingt die Seele keinen.
Ohne Leben, ohne Sinnen,
Trüb, gestaltlos wir zerrinnen
Wie der Rauch, des Windes Raub;
Hauch beseelend an den Staub,
Daß wir unser Spiel beginnen!
Die Schönheit. Deines Denkens Schattenrisse
Sind wir, die nicht schaun, nicht leben,
Falb im unentschiednen Schweben
Nichts von Gut und Bösem wissen;
Drum, wenn aus der Welt Kulissen
Wir hervor hier treten sollen,
So verteile nun die Rollen,
Denn es ziemt uns allzumal
Nimmer in dem Stück die Wahl,
Welchen Part wir spielen wollen.
Der Landmann.
Herrscher über dieses Land,
Den ich heut erst kennenlerne,
Deinem Winke folg ich gerne,
Als das Machwerk deiner Hand.
Und da dir gar wohl bekannt
(Denn nichts birgt sich Gottes Blicke),
Welcher Part sich für mich schicke:
Kann ich, sollt' ich steckenbleiben,
Nicht dem Part die Schuld zu schreiben,
Sondern meinem Ungeschicke.
Der Meister.
Wollte ich die unruhvollen
Menschen um die Wahl befragen,
Auch nicht einem wohl behagen
Möchten dann des Leidens Rollen,
Alle würden herrschen wollen
Über alle frank und frei,
Und es fiele keinem bei,
Daß auf dieser Bühnenwelt,
Was er für das Leben hält,
Eben nur ein Schauspiel sei.
Doch ich, Autor dieser Märe,
Weiß, was jeder leisten kann,
Und so nimm denn jedermann,
Welchen Part ich ihm beschere.
(Die Rollen verteilend.)
Spiel den König du.
Der König.
O Ehre!
Der Meister.
Du, die Dame, leucht als Sonne
Ird'scher Schönheit.
Die Schönheit.
Welche Wonne!
Der Meister.
Du den reichen Kavalier.
Der Reiche.
Oh, so ward das Glückslos mir,
Wolkenlos zu schaun die Sonne!
Der Meister.
Und des Landmanns Part sei dein.
Der Landmann.
Ist ein Dienst das oder Würde?
Der Meister.
Eine arbeitsel'ge Bürde
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