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Calderon de la Barca
Das große Welttheater
Erster Aufzug
Der Meister
(erscheint mit Sternenmantel und Strahlenkrone):
Anmutige Konturen
Der aus der Tiefe dämmernden Naturen,
Die zwischen Licht und Nächten
Des Himmels Abglanz sich erobern möchten
Und die Gestirne überfunkeln
Mit ihren schönen Blumen, die verdunkeln,
Eh' sie noch kaum erglühten,
Ein ird'scher Himmel schnell verwehter Blüten,
Kampfplatz der Elemente,
Ihr luft- und flutumspülten Berggelände,
Wo durch der Lüfte Wellen
Der Vögel Barken bunte Segel schwellen,
Der Fische stumm' Gewimmel
Glückselig schwebt in meeresblauem Himmel,
Wo zuckende Wetterstrahlen
Mit Zornesfeuer ernste Warnung malen
Und auf den waldumkränzten Bergeszinnen,
Als Herrn des Reiches, Tier und Menschen sinnen.
Du rastlos Ungeheuer
Aus Erde, Wasser, Luft und Feuer!
In ew'gen Wandlungen
Des Universums Werkstatt kühn entrungen,
Ein Wunder, wie kein zweites noch die Himmel kennen -
Und um mit einem Wort dich zu nennen:
Du, Welt! die, wie das Lied vom Phönix singet,
Stets aus der eignen Asche sich verjünget!
(Die Welt erscheint.)
Die Welt.
Wer heißt, zum Leben
Dem rauhen Kern des Balls, der mich umgeben,
Mit so gewalt'gem Rufe mich entsteigen?
Wer, mich mir selbst entreißend, bricht mein Schweigen?
Der Meister.
Dein hoher Herr und Meister;
Gestalt und Form mit sichrer Hand umkreist er,
Ein Hauch von seinem Munde
Enthebt dich hier des Urstoffs finsterm Grunde.
Die Welt.
Und wozu riefst du mich auf dies Gebilde?
Der Meister.
Es schafft der Bildner sinnend sein Gebilde,
Die eignen Gedanken
Lebendig dran ins Licht emporzuranken.
Aus eigner Macht bereiten
Will ich ein Fest mir, denn zu allen Zeiten,
Um meine Kraft und Herrlichkeit zu preisen,
Wird die Natur sich festlich mir erweisen;
Und da, vor allen Festen,
An würd'gem Schauspiel sich am allerbesten
Die Geister kräftigen und heben,
Und nur ein Spiel ja alles Menschenleben,
So mag auf deinen Auen
Der Himmel auch ein Schauspiel heute schauen,
Das, bin ich Herr hier eben,
Notwendig von den Meinen wird gegeben.
So hab ich denn aus diesen
Die Menschen, als die tüchtigsten, erkiesen,
Die in gemeßnen Weisen
Auf den vierfach geschiednen Erdenkreisen
Des Welttheaters wacker spielen sollen;
Ich selbst verteil die Rollen
Nach eines jeglichen Natur und Richtung.
Doch, daß des Festes Dichtung,
Wie sich's gebühret, auch mit allen Prachten
Der Szenerie und mit dem Schmuck der Trachten
Ergötzlich blende,
So rüste du verschwendrisch und behende
Die holden Scheine,
Daß jeder Wirkliches zu schauen meine.
Und nun ans Werk! Derweilen ich dirigiere,
Sei du die Bühne und der Mensch agiere.
Die Welt.
Mein erhabner Herr und Meister,
Dessen Winke, dessen Rufe
Alles ehrerbietig lauscht,
Meiner Bühne weite Runde
Öffn' ich denn, auf daß die Menschen
Sich im Schauspiel drauf versuchen
Und ein jeder, was die Rolle
Fordert, finde hier nach Wunsche.
Blindes Werkzeug deiner Rechte,
Führ ich aus nur, was du schufest,
Meine Tat ist dein Gedanke,
Mein das Werk zwar, dein das Wunder -
Erstlich nun - da's überall
Angemessen wird befunden,
Von der Bühne nichts zu sehn,
Bis der erste Laut erklungen -
Laß ich einen grauen Vorhang
Übers Ganze niederfluten,
Wo chaotisch alle Dinge
Noch verworren und verschlungen.
Doch das soll nicht lange dauern;
Wenn die Nebel sich geschwungen,
Werden rasch, um zu verscheuen
Des Theaters Dämmerungen
(Denn kein Festtag ohne Licht!),
Himmelskronen dann entzünden:
Hier des Tages heil'ge Fackel
Und des mitternächt'gen Dunkels
Hehre Leuchte dort, umflimmert
Von tausend lichten Funken,
Die vom Diadem der Nacht
Die Geschicke niederfunkeln.
Gleich im Anbeginn des Schauspiels,
Wo die schlichte und unschuld'ge
Weltintrige der Natur
Durch den ersten Akt geschlungen,
Soll empor ein Garten tauchen
Mit den zierlichsten Konturen,
Wunderbaren Perspektiven,
Daß man staune, wie's gelungen
Der Natur, so mächt'ges Bild
Zu entwerfen ohne Studien.
Kaum noch aus den ros'gen Knospen
Äugelnd, sollen zarte Blumen
Da zum erstenmal den Morgen
Schüchtern grüßen und verwundert,
Und aus dunklem Laub der Bäume
Lockend goldne Früchte lugen,
Wenn vielleicht nicht schon die Schlange
Neidisch sie mit Gift besudelt;
Tausend Bächlein da zerschlagen
Ihr Kristall in jähem Sturze,
Daß Aurora um sie weine
Und von Tränen perl'n die Fluren;
Und daß um so leuchtender
Dieser Menschenhimmel funkle,
Denke ich in wüsten Heiden
Rings zu fassen seine Runde.
Berge zieh ich, wo Gebirge,
Täler tief, wo Niederungen
Zu dem Bilde passend scheinen,
Und wo schon Aquädukte
Selber sich die Erde klüftet,
Laß ich schlau durch diese Furten
Abgefangne Meeresarme
Weit durchs Land als Ströme funkeln.
Zeigen auch die ersten Szenen
Nirgends eines Bauwerks Spuren,
Soll man doch bald Wunder sehn,
Wie ich in ein paar Minuten
Staaten gründe, Städte baue
Und die Höhen krön mit Burgen;
Und wenn endlich, überwüchsig,
Der Gebirge Felsenwuchten
Alles zu erdrücken drohen
Und die Lüfte fast verdunkeln,
So verwandl' ich rasch die Bühne,
Daß, vom Sturm aus tiefstem Grunde
Aufgewühlt, ein Ozean
Alle Gipfel überflute
Und im unermeßnen Leer,
Zwischen grauer Wolken Zuge,
Nur ein einsam Schiff erscheine,
Das durch alle Schrecken furchtlos,
Auf noch nie befahrner Bahn,
Sichre, stille Gleise furchet,
Und Geflügel, Tier' und Menschen
Rettend birgt in seinem Rumpfe.
Doch wenn drauf der Friedensbogen
Über Meer und Schiff geschwungen,
Mit den milden Himmelsfarben,
Blau und violett und purpurn,
Durch das Grauen niederstrahlt:
Bricht des Elementes Wut sich,
Und erschrocken beugt die Woge.
Dem Gesetz sich ihres Ursprungs
Vor der Felsenstirn der Erde,
Die nun aus dem Grab der Fluten
Wiederum ihr Antlitz hebt,
Wenn auch bleich, verweint und stumm noch.
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