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Auburtin Victor

Diner zu Florenz

Unter meinen Fenstern in Florenz befindet sich ein großer Müllhaufen. So ein Müllhaufen, wie die Florentiner ihn anzulegen pflegen; einfach auf die Straße hingeworfen, ohne Reglement und ohne die geringste Rücksicht auf die Hygiene.

Aber über alle Dächer hinweg leuchtet die Kuppel des Domes den Brunelleschi baute. Und wenn ich mich an dieser Kuppel satt gesehen habe, so blicke ich nach unten auf den Müllhaufen und beobachte, was mit ihm vorgeht.

Zuerst, des Morgens in der Frühe, kommen die Hunde aus allen Läden und Löchern heraus und tun so, als ob der Müllhaufen nur für sie angelegt sei und ihnen eigentlich gehöre. Sie suchen sich das beste und appetitlichste daraus zusammen, Knochen, alten Rindertalg, Kaninchenfelle, lauter Prachtsachen, und dabei streiten sie sich und knurren sich gegenseitig an.

Wenn die Hunde gegangen sind, so haben vier stille Katzen nur auf diesen Augenblick gewartet. Und kommen nun langsam hervor, um zu besehen, was noch übriggeblieben ist. Sie sitzen erst eine ganze Weile weit im Umkreis um den Haufen herum und sehen einander an. Ungefähr so, als ob die Diplomaten der europäischen Staaten um ein neues Balkanproblem herumsitzen und warten, wer zuerst herangehen möchte. Dann nach einer Weile gehen sie – die Katzen – vorsichtig auf den Müllhaufen zu und durchforschen ihn. Sie suchen sich ihre Lieblingsspeisen hervor und kauen lange, wobei sie sich besser vertragen als die Hunde und manierlich und sauber sind. Manches Stück bekauen sie erst fünf Minuten, dann lassen sie es liegen, weil doch nichts Rechtes dran war.

Gegen zwölf Uhr mittags sind sie damit fertig und gehen weg. Und dann kommt mein Mitbruder, ein Mensch, ein alter Mann, und sucht sich aus dem, was die Katzen und Hunde nicht wollten, sein Diner zusammen. Auch er findet noch immer sehr viel, denn, du lieber Gott, die Katzen und Hunde sind verwöhnte Leute und spucken manches aus, was einem braven Manne ganz gut schmecken wird.

Auch bekommt es dem alten Mann vortrefflich, und wenn ich ihre mir so betrachte, finde ich, daß er gesund und stolz aussieht. Er ist ein Florentiner und ein Landsmann Dantes. Und er wohnt im Schatten dieser Domkuppel und unter diesem Himmel, den der liebe Gott nur für die Florentiner so blau und so tief und so weit gemacht zu haben scheint.