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Anonymus

Die Vielgeliebte
Ende des 18. Jh.

Meiner Vielgeliebten gleich
Ist kein Mädchen in dem Reich;
Eine bess're Beute
Macht kein Fürst; drum trag' ich sie
Auf den Händen, lasse nie
Sie von meiner Seite.

Früh', eh' noch der Morgen graut,
Hängt die Liebliche vertraut
Schon an meinem Munde;
O wie brennt sie heiß für mich!
Wer ist froher denn als ich
Auf dem Erdenrunde?

Dieses süße Lippenspiel
Wird mir nimmermehr zuviel;
Und in langen Zügen
Schlürf ich gierig manche Stund'
Aus dem schön geformten Mund
Labung und Vergnügen.

Manches Silberkettchen wand
Meine pflegerische Hand,
Manches Band von Seiden
Um den schönen Hals; es muß,
Wer sie sieht, mir den Genuß
Dieser Holden neiden.

Schwirrt der Sorgen düst'rer Schwarm
Mir vor Augen, drückt der Harm
Meine Seele nieder:
O dann fühl' ich ihren Wert;
Denn aus ihrem Munde kehrt
Ruh' und Friede wieder.

Abends bei dem Mondenschein
Lieg' ich oft mit ihr allein
Hingestreckt im Grase;
Manches Mädchen, jung und schön,
Rümpft dann im Vorübergehn
Über sie die Nase.

Mancher reiche Muselmann
Schafft sich deren viele an,
Liebt sie alle treue;
Wird von einer heut' beseelt,
Und am ändern Morgen wählt
Er sich eine neue.

Laß, o Schicksal, sie mir nur!
Sie ist mir von der Natur
Eine süße Gabe.
Feste, Gunst der großen Herrn,
Tanz und Spiel verlaß' ich gern,
Wenn ich sie nur habe.

Wenn man schmählich von ihr spricht,
Tu ich, als bemerkt' ich's nicht,
Ob ich's gleich begreife;
Mag sie auch verschmähet sein,
Sie bleibt dennoch immer mein: -
Meine Tabakspfeife!