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Merseburger Zaubersprche
(10. Jahrhundert)

Eiris szun idisi, szun hera duoder.
suma hapt heptidun, suma heri lezidun,
suma clbdun umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandun, invar ugandum!

Phol ende Uodan vuorun zi holza.
d uuart demo Balderes volon sn vuoz birenkit.
th biguol en sinthgunt, sunna era suister;
th biguol en fria, uolla era suister;
th biguolen uuodan, s h uuola conda:
sse bnrenk, sse bluotrenk, sse lidirenki:
bn zi bna, bluot zi bluoda,
lid ze geliden, sse gelmida sn!


Neuhochdeutsch:
Einst sassen Frauen, setzten sich hierher [und] dorthin.
Einige banden Fesseln, einige hielten das Heer auf,
einige lösten ringsumher die (Todes)Fesseln:
Entspringe [dem] Fesselband, entflieh den Feinden!

Fol und Wodan ritten in den Wald.
Da ward Balders Fohlen sein Fuss verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt, [der] Sunna ihre Schwester;
Da besprach ihn Frija, [der] Folla ihre Schwester;
Da besprach ihn Wodan, so gut er konnte:
ob Knochenverrenkung, ob Blutverrenkung, ob Gliedverrenkung:
Knochen zum Knochen, Blut zum Blute
Glied zum Gliede, als ob [sie] geleimt wären!

Anmerkungen
Die Merseburger Zaubersprüche sind im 10. Jahrhundert niedergeschrieben worden. Es sind die einzigen Texte, die uns unverändert aus der altgläubigen germanischen Zeit überliefert wurden.

Die Domstiftsbibliothek zu Merseburg ist im Besitz der "Merseburger Zaubersprüche". Sie wurden erst im November 1841 in der Bibliothek des Merseburger Domkapitels entdeckt. Die althochdeutsche Handschrift aus der Mitte des 10. Jahrhunderts, deren Herkunft unbekannt ist, geriet in das Blickfeld der deutschen Literatur- und Sprachforschung.

In beiden Sprüchen werden Zauberformeln angewendet. Der eine Spruch beinhaltet die Befreiung von Gefangenen, der zweite hat die Heilung der Beinverletzung eines Pferdes durch germanische Götter zum Gegenstand.

Jakob Grimm würdigte die Bedeutung der Merseburger Zaubersprüche in althochdeutscher Sprache für die Literaturgeschichte in einem Vortrag an der Königlichen Akademie der Wissenschaften (1842) in Berlin.