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Johannis Angeli Silesij

Sechstes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (151 - 200)

151. GOttes Kaufmanschafft. Anmerkungen
  GOtt treibet Kauffmanschafft / er bitht den Himmel feil.
Wie theuer giebt er ihn? umb einen Liebes-Pfeil.
 
     
152. GOtt ist unser Ziehl.  
  Was macht nicht GOtt auß sich! Er ist meins Hertzens Ziel /
Jch schüsse stets nach ihm / ich treff' ihn wenn ich wil.
 
     
153. Das überunmöglichste ist möglich.  
  Du kanst mit deinem Pfeil die Sonne nicht erreichen /
Jch kan mit meinem wol die ewge Sonn bestreichen.
 
     
154. GOtt thut selbst alles.  
  GOtt legt den Pfeil selbst auf / GOtt spannet selbst den Bogen.
GOtt drücket selber ab: drumb ists so wol gezogen.
 
     
155. Je näher beym Ziel / je gewisser.  
  Je näher bey dem Ziehl / je näher beym Gewien;
Meinstu das Hertze GOtts / so thrit nur nahe hin.
 
     
156. Des Sünders Gebeth ist umbsonst.  
  Der Sünder ziehlt nach Gott / und wendt sich von ihm weg /
Wie sols denn möglich seyn / daß er berühr den Zweg?
 
     
157. Wie man sich zu GOtt kehrt.  
  Mit Heiliger Begihr / und nicht mit blossem bethen;
Mit Heilgem Lebenslauff komt man zu GOtt gethreten.
 
     
158. Der Geistliche Schütze-Zeug.  
  Das Hertz ist unser Rohr / die Liebe Kraut und Loth /
Der Zunder gutter Will: Zieh loß so triffstu GOtt.
 
     
159. Das Hertze muß scharff geladen seyn.  
  Ey lad doch recht und scharff / was paffstu in die Lufft?
Was blind geladen ist das heisset nur gepufft.
 
     
160. Es muß auß dem Hertzen gehn.  
  Das Mundloch giebt nicht Feur / im Fall du je wilt schüssen /
Mustu die Kammer ja zuvor geladen wissen.
 
     
161. Das Hertze muß geräumt und rein seyn.  
  Christ ist das Rohr nicht rein / die Kammer nicht geraumt /
Und du drückst gleichwol loß / so halt' ich daß dir traumt.
 
     
162. Ein vergifftes Hertze treibt nicht in die Höhe.  
  Halt / du verletzest dich / das Gifft muß auß dem Rohr /
Sonst springts fürwahr entzwey und treibet nicht embpor.
 
     
163. Haß macht sich verhast.  
  Mensch wer mit Haß und Neid für Gott den Herrn wil threten /
Der wird ihm anders nichts als Haß und Neid erbethen.
 
     
164. Erlaß wie wir erlassen.  
  Was du dem nächsten wilt / das bithst du dir von Gott.
Wiltu nicht seyn gedeyn / so bithst du dir den Tod.
 
     
165. Gieb wie du begehrst.  
  Mensch du begehrst von GOtt das gantze Himmelreich:
Bitht man von dir ein Brodt / so wirstu Blaß und Bleich.
 
     
166. Wer das Himmelreich hat kan nicht Arm werden.  
  Das Reich Gotts ist in unß. Hastu schon hier auf Erden
Ein gantzes Reich in dir / was fürchstu arm zuwerden?
 
     
167. Wer wahrhafftig Reich.  
  Viel haben macht nicht Reich. Der ist ein reicher Mann /
Der alles was er hat ohn Leid verliehren kan.
 
     
168. Der Weise hat nichts im Kasten.  
  Ein weiser Mann hat nichts im Kasten oder Schreyn:
Was er verliehren kan / schätzt er nicht seine seyn.
 
     

169. Man muß seyn / was man nicht verlihren wil.
 
  Der Weis' ist was er hat. Wiltu das Feinperlein
Des Himmels nicht verliehrn / so mustu's selber seyn.
 
     
170. Zweyerley seiner selbst verliehrung.  
  Jch kan mich selbst verliehen. Ja? böß ists wenn in tod /
Glückseelig Preiß ich dich / verliehrstu dich in GOtt.
 
     
171. Jm Meer werden alle tropffen Meer.  
  Das Tröpfflein wird das Meer / wenn es ins Meer gekommen:
Die Seele GOtt / wenn sie in GOtt ist aufgenommen.
 
     
172. Jm Meer kan man kein tröpfflein unterscheiden.  
  Wenn du das Tröpfflein wirst im grossen Meere nennen:
Denn wirstu meine Seel im grossen GOtt erkennen.
 
     
173. Jm Meer ist auch ein tröpfflein Meer.  
  Jm Meer ist alles Meer auchs kleinste Tröpffelein:
Sag welche Heilge Seel in GOtt nicht Gott wird sein.
 
     
174. Jm Meer seind viel eins.  
  Viel Körnlein seind ein Brodt / ein Meer viel tröpffelein;
So seind auch unser viel in GOtt ein einges ein.
 
     
175. Die Vereinigung mit Gott ist leicht.  
  Mensch du kanst dich mit Gott viel leichter eines sehn /
Als man ein aug' auffthut / wil nur / so ists geschehn.
 
     
176. Gott verlangen macht Ruh und Pein.  
  Die Seele die nichts sucht als eins mit GOtt zuseyn:
Die lebt in steter Ruh / und hat doch stäte Pein.
 
     
177. Des Narren und Weisen Gemeinschafft.  
  Ein Narr ist gern zerstreut / ein Weiser gern allein:
Er machet sich mit alln / der nur mit GOtt gemein.
 
     
178. Mehr seind Todt als Lebendig.  
  Alls lebt und reget sich; doch zweiffl' ich ob die Welt
Mehr der (GOtt) lebenden als Todten in sich hält.
 
     
179. Der Geitzigen und Weisen wirkung.  
  Der Geitzhalß muß darvon / läst anderen sein Geld;
Der Weise schickts für sich voran in jene Welt.
 
     
180. Eben von derselben.  
  Der Weise streuet auß für seine Freund in GOtt;
Der Geitzhalß sammlet ein fürn Teuffel und fürn Tod.
 
     
181. Der Narren und Weisen schätzung.  
  Der Narr hält sich vor Reich bey einem Sak voll Geld /
Der Weise schätzt sich arm auch bey der gantzen Welt.
 
     
182. Der Unglaube hägt den Geitz.  
  Wer giebt dem giebet GOtt mehr als der giebt und wil:
Was geitzt die Welt denn so? sie glaubet GOtt nit viel.
 
     
183. Der Weise sucht nichts.  
  Der weise suchet nichts / er hat den stillsten Orden:
Warumb? er ist in GOtt schon alles selber worden.
 
     
184. Alles verdirbt und was wir nit seind.  
  Christ werde was du suchst: wo du's nicht selber bist /
So komstu nie zur Ruh / unds wird dir alls zu Mist.
 
     
185. Das Reichthum muß inner uns seyn.  
  Jn dir muß's Reichthum seyn / was du nicht in dir hast /
Wärs auch die gantze Welt / ist dir nur eine Last.
 
     
186. GOtt ist das Reichthum.  
  GOtt ist das Reichthum gar / gnügt er dir in der Zeit /
So stehest du schon hier im Stand der Seeligkeit.
 
     
187. Der thumme Geitzhalß.  
  Hastu an GOtt nicht gnug / und suchst nicht ihn allein /
So mustu wol ein Thor und thummer Geitzhalß seyn.
 
     
188. Der thörichte suchende.  
  Suchstu was und vermeinst daß GOtt nicht alles sey /
So gehstu GOtt und alls in Ewigkeit fürbey.
 
     
189. Alles begehren ist nichts haben.  
  Mensch glaube diß gewiß / hastu nach allm Begihr /
So bistu bettel arm und hast noch nichts in dir.
 
     
190. Ausser GOtt ist alles nichts.  
  Mensch wem GOtt alles ist / dem ist sonst alles nichts:
Hastu nicht alls an GOtt / fürwahr im nichts gebrichts.
 
     
191. Welt verlassen wenig verlassen.  
  Die gantze Welt ist nichts: Du hast nicht viel veracht /
Wenn du gleich hast die Welt auß deinem Sinn gebracht.
 
     
192. Sich verlassen ist etwas verlassen.  
  Du selber must auß dir. Wenn du dich selbst wirst hassen /
Dann schätz ich dich / daß du erst etwas hast verlassen.
 
     
193. Man muß getödtet seyn.  
  Alls muß geschlachtet seyn. Schlachstu dich nicht für GOtt /
So schlachtet dich zu letzt fürn Feind der ewge Tod.
 
     
194. Wirkung der Abtödtung und Lebens der selbstheit.  
  Durch tödtung deiner selbst wirstu Gotts Lamb darstellen /
Mit Leben bleibestu ein todter Hund der Höllen.
 
     
195. Viel Ixiones.  
  Ixion ist allein beschrihn auf allen Gassen:
Und sieh viel tausend seind die eine Wolk umbfassen!
 
     
196. An den Stöhrfriede.  
  Wenn du an einem Pflug wilt mit Ixion pflügen /
So wirstu auch mit ihm auf einem Rade liegen.
 
     
197. Wie die Arbeit / so der Lohn.  
  Freund wie die Arbeit ist / so ist auch drauf der Lohn:
Auf böse folgen Streich' / auf gutte Preiß und Kron.
 
     
198. Eingezogenheit verhüttet viel.  
  Braut ists daß du nicht gern läst frembde Buhler für;
So halt die Fenster zue und steh nicht in der Thür.
 
     
199. Behuttsambkeit ist Noth.  
  Behuttsamkeit ist Noth. Viel wärn nicht umbgekommen /
Wenn sie der Sinnen Thür in bessre Hutt genommen.
 
     
200. Vermässenheit ist schädlich.  
  Vermiß dich Jungfrau nicht / wer in Gefahr sich giebt /
Der wird gemeiniglich gefähret und betrübt.
 
     
   

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