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Johannis Angeli Silesij

Sechstes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (101 - 150)

101. Begierde benommen alles benommen. Anmerkungen
  Mensch nihm dir nur die Lieb und die begiehr der dinge /
So seind die dinge selbst benommen und geringe.
 
     
102. Das Auge und Hertze leiden nichts.  
  Das Hertz ist wie das Aug' / ein eintzigs gränelein /
Wo du's im Hertzen hast / verursacht dir schon Pein.
 
     
103. Beschwehrt komt niemand fort.  
  Der Schiffer wirfft im sturm die schwersten Wahren auß:
Meinstu mit Gold beschwehrt zu kommn ins Himmels Hauß?
 
     
104. Alles Weltliche muß weg.  
  Mensch würffestu nicht weg dein liebstes auf der Erden /
So kan dir nimmermehr des Himmels hafen werden.
 
     
105. Alles umb alles.  
  Die Seeligkeit ist alls. Wer alles wil erheben /
Der muß auch zuvoran hier alls umb alles geben.
 
     
106. Nichts gewinnt nichts.  
  Umb nichts gewind man nichts. Wo du nichts auf wilt setzen:
So wirstu dich fürwahr auch ewig nichts ergötzen.
 
     
107. Der thörichte verlust.  
  Mit hundert wil GOtt eins bezahln im ewgen Leben:
Wie thöricht seind wir doch / daß wir nicht alls hin geben!
 
     
108. Mit der Begierde hat man.  
  Freund schmeichle dir nicht viel: hastu noch die Begiehr /
So hastu noch die Welt und alle ding' in dir.
 
     
109. Der sein selbst Sclave.  
  Du wilt nicht Sclave seyn; und doch ists wahr mein Christ /
Daß deiner selbst begiehr du vielmahl Sclave bist.
 
     
110. Die schnödeste Sclaverey.  
  Die schnödste Sclaverey ist gerne Sclave seyn.
Wie bildstu Sünden-Sclav dir denn was ehrlichs ein?
 
     
111. Die geistliche Hunds Hütte.  
  Nichts schändlichs / nichts gerings steigt in ein groß gemütte:
Hat deins an Sünden lust / so ists ein Hundes Hütte.
 
     
112. Die schmälichste Dienstbarkeit.  
  Das schmählichst' ist die Sünd. Dänk Sünder was für schmach /
Der du als wie ein Hund ihr dienst / dir folget nach!
 
     
113. Der willige Betrogene.  
  Die Sünd ist voll Betrugs. Läst du dich sie regiern /
So lästu dich mit willn inn schlund der Höllen führn.
 
     
114. Der Stok-Knecht liebt den Stok.  
  Kein edler Geist ist gern gefangen und umbschränkt.
Du must ein Stok-Knecht seyn / wo dich dein Leib nicht kränkt.
 
     
115. Nachlässigkeit komt nicht zu GOtt.  
  Du sprichst / du wirst noch wohl GOTT sehen und sein Licht:
O Narr du siehst ihn nie / siehstu ihn heute nicht.
 
     
116. Nicht verlangen nicht embfangen.  
  Wer GOttes angesicht hier nicht sieht mit begier /
Der komt in ewigkeit darnach nicht bey ihm für.
 
     
117. Ohne Liebes pein ohne Liebe.  
  Verzug ursacht verdruß: fühlstu umb GOtt nicht Pein /
So glaub ich nicht dein Hertz in ihn entzünd zu seyn.
 
     
118. Die Liebe zeucht zum geliebten.  
  Die Lieb ist das gewicht: ists wahr daß wir GOtt Lieben /
So werden wir von ihr stets hin zu GOtt getrieben.
 
     
119. Das Göttliche und Ungöttliche gemütte.  
  Ein Göttliches gemütt steht stätts nach GOtt gericht:
Nichts Göttlichs ist an dir verlangt dich nach ihm nicht.
 
     
120. Nicht begehren ist nicht Lieben.  
  Du hast gern deinen Hund / der dir beliebt / bey dir:
Wie Liebestu denn GOtt mit lauter unbegier?
 
     
121. Nicht sterben wollen nicht Leben wollen.  
  Mensch stirbestu nicht gern / so wiltu nicht dein Leben:
Das Leben wird dir nicht als durch den Tod gegeben.
 
     
122. Die doppelte Thorheit.  
  Du renst in Tods gefahr schnöd' Ehre zuerwerben;
Umb ewge Herrligkeit hörstu nicht gern vom Sterben.
 
     
123. Der Narr erkiest das ärgste.  
  Ein Narr ist / der den Stok fürs Kaisers Burg erkiest;
Der lieber in der Welt als in dem Himmel ist.
 
     
124. Erküsung benennung.  
  Ein Knecht ist gern im Stall / ein schwein hirt gern umb Schweine:
Wärstu ein edler Herr du wärest gern wo's reine.
 
     
125. Was man ist das Liebt man.  
  Jeds Liebet was es ist / der Käfer seinen mist /
Den unflat liebestu weil du ein unflat bist.
 
     
126. Gesellschafft zeigt den Mann.  
  Die losung der gespan. Wers gern mit Narren hält /
Der ist kein kluger Mann: nicht groß / wer mit der Welt.
 
     
127. Der Liebe Todt und Pein.  
  GOtt ist mein einge Lieb: ihm nicht gemeine seyn
Jst meiner Seelen Todt / meins Hertzens einge Pein.
 
     
128. Wer zu GOTT wil / muß GOTT werden.  
  Werd GOtt wiltu zu GOtt: GOtt macht sich nicht gemein /
Wer nicht mit ihm wil GOtt und das was er ist seyn.
 
     
129. Wer wil wird GOtt gebohrn.  
  Von GOtt wird GOtt gebohrn: sol er dich den gebehrn /
So mustu ihm zuvor den Willn darzu gewehrn.
 
     
130. Nichts werden ist GOTT werden.  
  Nichts wird was zuvor ist: wirstu nicht vor zu nicht /
So wirstu nimmermehr gebohrn vom ewgen Licht.
 
     
131. Höchste Geburth / höchste Freude.  
  Die höchste Freud und Lust die GOtt mir kan gewehrn /
Jst daß er Ewig wird mich seinen Sohn gebehrn.
 
     
132. GOttes einige Seeligkeit.  
  Gebehrn ist Seelig seyn. GOtts einge Seeligkeit
Jst daß er seinen Sohn gebiehrt von Ewigkeit.
 
     
133. Wie man so Seelig als Gott wird.  
  GOtt ist das Seeligste. Wiltu so Seelig seyn /
So dring in die Geburth deß Sohnes GOttes ein.
 
     
134. Von Gott gebohren werden ist gäntzlich GOtt seyn.  
  GOtt zeuget nichts als GOTT: zeugt er dich seinen Sohn /
So wirstu GOtt in GOtt / Herr auf deß Herren Thron.
 
     
135. GOtt mit GOtt werden ist alles mit ihm seyn.  
  Wer GOtt mit GOtt gewird / ist mit ihm eine Freud /
Ein Ewge Majestät / ein Reich und Herrligkeit.
 
     
136. Ewge Ehre und Schande.  
  O Ehr O Seeligkeit / das Ewig seyn was GOtt!
Das was der Teuffel ist / O ewge Schand und Spott.
 
     
137. Der Narrische Unheilige.  
  Du wilt kein Heilger seyn / gleichwohl inn Himmel kommen.
O Narr / es werden nur die Heilgen eingenommen.
 
     
138. Der gröbste Baur.  
  Du schmückst dich wenn du solt nachs KayserHofe gehn /
Und dänckst O gröbster Baur / ohn Schmuck für GOtt zustehn!
 
     
139. Kein Höffling kein Himmling.  
  Mensch wirstu nicht gehöft unnd klebst am Kloß der Erden /
Wie sol der Himmel dir / der keinem Pflock wird / werden.
 
     
140. Wer nicht hasst hat nicht verlassen.  
  Du stäkst im falschen Wahn; kanstu die Welt nicht hassen /
Fürwahr du hast nicht sie / sie hat nur dich verlassen.
 
     
141. An den gezwungenen Creutzleidenden.  
  Mensch wer dem Creutz nicht kan entwerden und entgehn /
Der muß auch wiedern Willn daran gehaftet stehn.
 
     
142. An den Welt verlassenen.  
  Manch ding thut man auß Noth. Auch du verläst die Welt /
Weil dirs dein Hertze sagt / daß sie nichts von dir hält.
 
     
143. An den Hoffärtigen.  
  Es heist sich einen Wurm auß Demutt GOttes Sohn /
Du Wurm mist dir wohl zu auß Hoffart seinen Thron.
 
     
144. Die selbst Schätzung ist verwerflich.  
  Der Himmel schätzt sich nicht / ob er gleich alls ernährt:
Schätzst du dich selber hoch / so bistu wohl nichts wehrt.
 
     
145. Die seltzame Tugend.  
  GOtt spricht / wer sich versenckt der wird erhaben werden:
Und doch ist dieses thun das seltzamst' auf der Erden!
 
     
146. Das Werck bewehrt den Meister.  
  Freund weil du sitzst und dänckst / bistu ein Mann voll Tugend:
Wenn du sie wircken solst / siehst du erst deine Jugend.
 
     
147. Traurigkeit bringt Freude.  
  Wer Heilge Traurigkeit hier hat zum Vesper Brodt /
Dem wart das Abendmahl / die ewge Freud in GOtt.
 
     
148. Wer hier satt wird / kan dort nicht essen.  
  Wie daß der Fraß nicht kommt zum ewgen Abendessen /
Er mag nicht weil er hier sich hat zu satt gefressen.
 
     
149. Den Trunckenpold kan GOtt nicht träncken.  
  GOtt wil den sättigen den hungert und den dürst /
Dir kan ers nimmer thun der du nie nüchtern wirst.
 
     
150. Nichts umbsonst.  
  Niemand hat was umbsonst / wie bildstu dir denn ein /
Daß auch das Himmelreich umbsonst wird deine seyn.
 
     
   

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