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Johannis Angeli Silesij

Sechstes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (051 - 100)

51. Die schnödste Dirne. Anmerkungen
  Mensch lästu dich dein Fleisch beherschn und nehmen ein /
So muß wol deine Seel die schnödste Dirne seyn.
 
     
52. Der schändliche Fall.  
  Halt auß Welt / Teuffel / Fleisch / du bist ja Christ ein Held:
Wie schändlich ists / wenn man für diesen Buben fällt.
 
     
53. Die siegreiche Waffen.  
  Der Teuffel durchs Gebeth / das Fleisch kan durch Casteyn /
Die Welt / wenn man sie läst / gar leicht bezwungen seyn.
 
     
54. Der sieg folgt erst hernach.  
  Christ niemand hat den sieg und dessen Trost embfunden /
Der nicht zuvor im streit den Feind hat überwunden.
 
     
55. Kein Kron ohn Kampff.  
  Ein Kampffplatz ist die Welt. Das Kräntzlein und die Kron
Trägt keiner / der nicht Kämpfft / mit Ruhm und Ehrn darvon.
 
     
56. Der erste Kriegt den Preiß.  
  Lauff nach dem Ehren preiß / du must der erste seyn /
Du trägest nichts davon / kriegstu ihn nicht allein.
 
     
57. Eins ist die Ehre.  
  Der Feld-Herr triumphirt / er hat die ehr allein:
Erhältst auch du die schlacht / so wird sie deine seyn.
 
     
58. Kurtzer streit / ewiger Triumph.  
  Wie kurtz ist doch der Streit! wie glüklich ist der Held /
Der ewig triumphirt den Teuffel / Fleisch / und Welt!
 
     
59. Man muß nach Ehren streben.  
  Die Ehr ist doch nicht nichts. Die nie nach Ehren streben /
Die kommen nie zur ruh / auch nicht im andren Leben.
 
     
60. Wo Ehr und Schande ist.  
  Der Himmel ist voll ruhm / voll Ehr und Herrligkeit;
Die Hölle voller spott / schmach und mühseeligkeit.
 
     
61. Nicht streiten wollen ist spöttlich.  
  Ein spott wird der Soldat des Feinds / für dem er zagt /
Ein spott des ewgen Feinds der Christ / der ihn nicht jagt.
 
     
62. Das beste ist zuerwählen.  
  Auf auf Soldat zum streit! dir wird ja lieber seyn
Die Ruhe nach dem sieg / als nach der ruh die Pein?
 
     
63. Deß Sünders Seele ist die Närrischte.  
  Du läst die ewge Lust und kiesest ewge Pein /
Kan auch was närrischers als deine Seele seyn?
 
     
64. Der gröste Narr.  
  Christ wenn du einen sihst so stark zur Höllen rennen /
Den magstu ohn bedacht den grösten Narren nennen.
 
     
65. Die zwey wunderliche Thoren.  
  Ach jammer / jener rennt / daß er in Abgrund kömt;
Und dieser regt sich kaum / daß er GOtts burg einnihmt!
 
     
66. Das zeitliche macht ungeschikt.  
  Ach mein / wie magstu doch die Welt so in dich sauffen?
Du wirst ja ungeschikt den Ehrn Krantz zuerlauffen!
 
     
67. Das weltliche Gutt beschwehrt.  
  Wirff das gebündle weg. Wer streiten sol und kriegen /
Dem muß kein sak voll Geld auf seinen Achseln liegen.
 
     
68. Der selbst Tadel.  
  Du lachst den Krieger auß / der sich mit raub beschwehrt:
Fürwahr mein Euclio du bist des lachens wehrt.
 
     
69. Kein ungeschikter Mensch kombt inn Himmel.  
  Geh Fast' und zehr dich auß / die Himmels-Thür ist klein /
Wirstu nicht wol geschikt / du kömmest nicht hinein.
 
     
70. Stille stehn ist zurüke gehn.  
  Je Bruder geh doch fort / was bleibstu stille stehn?
Stehn auf dem wege GOtts heist man zurüke gehn.
 
     
71. Das gutte und üble zurüke gehn.  
  Wie wol geht der zurük / der von dem Feind weg fährt;
Wie übel / welcher Gott den rüken endlich kehrt!
 
     
72. Die Faulheit überkomt nicht den Himmel.  
  Ach Fauler reg dich doch! wie bleibstu immer liegen?
Fürwahr der Himmel wird dir nicht ins Maul einfliegen.
 
     
73. Man hat nichts umbsonst.  
  Mensch umb die Hölle muß der Sünder so viel leyden:
Wie sol dann GOtt umb nichts dir geben seine Freuden?
 
     
74. Gewalt nihmt den Himmel ein.  
  Gewalt geht über Recht. Wer nur gewalt kan üben /
Von dem wird auch die Thür des Himmels aufgetrieben.
 
     
75. Allein die überwindung beruhigt.  
  Freund streiten ist nicht gnug / du must auch überwinden /
Wo du wilt ewge Ruh und ewgen Frieden finden.
 
     
76. Die Welt erwählt das ärgste.  
  Gott reicht die kron der Ehrn / der Teuffel spott und Hohn.
Und dennoch greifft die Welt nicht nach der ehren Kron!
 
     
77. Der Sünder wil seinen Tod.  
  Ach Sünder ists dann wahr? du wilst dich eh verliehren /
Als ewiglich mit GOtt ein GOtt seyn und regieren?
 
     
78. Was verlohren seyn ist.  
  Was ist verlohren seyn? frag das verlohrne Lamm /
Frag die verlohrne Braut vom ewgen Bräutigam.
 
     
79. Die ewige verlohrenheit.  
  Das Schaf ist gäntzlich hin / das nie wird wieder funden;
Die Seel die GOtt nicht find / bleibt ewiglich verschwunden.
 
     
80. GOtt sucht nicht was ewig verlohrn.  
  Findt GOtt nicht was er sucht? er sucht in ewigkeit /
Nicht / was sich hat von ihm verlohren in der zeit.
 
     
81. GOtt find die Verdammten nicht.  
  GOtt kan schon ewiglich nicht die Verdammten finden;
Weil sie stäts durch ihrn willn für ihm inn Pful verschwinden.
 
     
82. Der Wille macht Verloren seyn.  
  Der Will macht dich verlohrn / der Will macht dich gefunden /
Der Will der macht dich frey / gefässelt und gebunden.
 
     
83. An den Geld suchenden.  
  O Narr was renstu so nach reichthum in der Welt /
Und weist doch / daß man wird dardurch inn Pful gefält?
 
     
84. Das gröste Reichthum und gewien.  
  Das gröste Reichthum ist nach keinem Reichthum streben /
Der grösseste Gewin / sich dessen gantz begeben.
 
     
85. Man thut nicht was man Lobt.  
  Man lobt den gutten Mann der ihm genügen läst;
Und frisset doch umb sich gleich wie der Krebs und Pest.
 
     
86. Wer alles verlanget / hat noch nichts.  
  Wer nichts verlangt hat alls. Wer alles thut verlangen /
Der hat in wahrheit noch nicht einen stiel empfangen.
 
     
87. Wer der Sonne und GOtte gleicht.  
  Wer alln sein gutt mittheilt / alln nutzt und alle Liebt /
Jst wie der Sonnen Licht / und GOtt der alln sich giebt.
 
     
88. Allmosen geben macht reich.  
  Der Arme / giebstu ihm / macht dich dem Reichen gleich:
Wie da? er trägt dir alls voran ins Himmelreich.
 
     
89. An den Kargen.  
  Pfuy dich du karger Filtz / GOtt hat dir alls gegeben;
Noch wenn Er zu dir komt / giebstu ihm kaum zuleben.
 
     
90. Der Reiche siehet GOtt nicht gern.  
  Der Arme Christ ist GOtt: doch sieht des reichen Hauß
Gemeiniglich nicht gern den GOtt gehn ein und auß.
 
     
91. Anderst geglaubt / anderst gethan.  
  Man glaubt es seelger seyn zu geben als zu nehmen;
Und doch wil man gar schlecht zum geben sich bequämen.
 
     
92. Thue was du dir gethan wilt.  
  Mensch weil du gerne siehst daß man dir Gaben giebt:
So mache doch auch dich im geben wol geübt.
 
     
93. Weise und Narrische sammlung.  
  Der Geitz-Halß ist ein Narr / er sammlet was vergeht:
Der Mild' ein weiser Mann / er suchet was besteht.
 
     
94. Mildigkeit ist frey / Geitz gebunden.  
  Ein Milder breitt sich auß / ein Geitz-Halß krippt sich ein:
Der fäht schon an bestrikt / und jener frey zu seyn.
 
     
95. Wo der Schatz / da das Hertze.  
  Der Weise hat sein Hertz bey GOtt und in dem Himmel:
Der Geitzige beym Geld und in dem Weltgetümmel.
 
     
96. Der Weltsuchende zieht am Narren seil  
  Wo du auch kluge siehst sich umb die Welt bemühn /
So sage daß auch sie am Narren seile ziehn.
 
     
97. Das ewge hat schlächten verdrang.  
  Man sieht fast alle Welt mit Juden spissen lauffen;
Und doch umbs Himmelreich so wenig Leute kauffen!
 
     
98. Giefft wird für Zuker gelegt.  
  GOtt streuet zuker auff / der Teuffel gifft und galle:
Den Zuker läst man stehn und lekt die Gifft zum falle!
 
     
99. Des Weisen und Geitzigen gelt kammer.  
  Der Weiß ist klüglich reich; er hat das Gelt im kasten /
Der Geitzhalß im gemüth / drumb lästs ihn niemahls rasten.
 
     
100. Der Weise kombt den Dieben vor.  
  Der Weise wartet nicht / biß ihm was wird genommen:
Er nihmt ihm alles selbst / den Dieben vorzukommen.
 
     
   

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