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Johannis Angeli Silesij

Fünfftes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (351 - 374)

351. Jm jnnern sind alle Sinnen ein Sinn. Anmerkungen
  Die Sinnen sind im Geist all' ein Sinn und gebrauch.
Wer GOtt beschaut / der schmäkt / fühlt / reucht / und hört Jhn auch.
 
     
352. Was das süsseste und seeligste.  
  Nichts süssers ist als GOtt ein Menschen Kind zusehn:
Nichts Seelgers als in sich fühln die Geburt geschehn.
 
     
353. Das Antlitz Gottes macht trunken.  
  Das Antlitz Gotts macht voll. Sähstu einmal sein Licht:
Du würdest trunken seyn von diesem Angesicht.
 
     
354. Ungekreutzigt komt niemand inn Himmel.  
  Christ flieh doch nicht das Kreutz; du must gekreutzigt seyn:
Du komst sonst nimmermehr ins Himmelreich hinein.
 
     
355. Woher die Ungleichheit der Heiligen.  
  GOtt wirkt nach der Natur: diß macht den unterscheid /
Daß dieser Heilige sich kränkt / der andre freut.
 
     
356. Das Vollkomne vertreibt das Un-Vollkomne.  
  Wenn das Vollkommne kömt / fällt's Unvollkommne hin:
Das Menschliche vergeht / wenn ich vergöttet bin.
 
     
357. Wenn sich GOtt ins Hertz ergeust.  
  Mensch wenn dein Hertz ein Thal / muß GOtt sich drein ergiessen
Und zwar so mildiglich daß es muß überfliessen.
 
     
358. GOtt wird was Er wil.  
  GOtt ist ein Ewger Geist / der alls wird was Er wil /
Und bleibt doch wie Er ist Unformlich und ohn Ziehl.
 
     
359. Gleichnüß der H. Dreyfaltigkeit mit der Sonne.  
  GOTT Vatter ist der Leib / und GOtt der Sohn das Licht /
Die Strahln der heilge Geist / der beiden ist verpflicht.
 
     
360. Wenn man jhm den Tod deß HErren zueignet.  
  Freund / wenn ich selber mir absterbe hier und nu /
Dann eign' ich mir den Tod deß Herren erst recht zu.
 
     
361. Die Gnade Gottes fleust allzeit auß.  
  Die Gnade fleust von Gott wie Wärmde von dem Feur.
Nahstu dich nur zu Jhm / sie komt dir bald zu Steur.
 
     
362. Die höchste Seeligkeit.  
  Die höchste Seeligkeit die mir GOtt selbst kan geben /
Jst daß er mich wie sich wird machen und erheben.
 
     
363. Deß Weisen verrichtung.  
  Ein Narr ist viel bemüht: deß Weisen gantzes thun /
Das zehnmal Edeler / ist Lieben / schauen / ruhn.
 
     
364. Wer in dem Wirken ruht.  
  Der Weise welcher sich hat übersich gebracht /
Der ruhet wenn er laufft und wirkt wenn er betrachte.
 
     
365. Der Larven Mensch.  
  Ein Mensch der wie das Vieh in alle Lust außbricht /
Jst nur ein Larven Mensch: er scheint und ists doch nicht.
 
     
366. Das Lauttenspiel GOttes.  
  Ein Hertze das zu Grund GOtt still ist wie er wil /
Wird gern von Jhm berührt: es ist sein Lautenspil.
 
     
367. Wer auf alle Fälle geschikt ist.  
  Wer Gott so leicht entbehrn / als leicht empfangen kan /
Der ist auff allen Fall ein rechter Helden Mann.
 
     
368. Bey welchem GOtt gerne ist.  
  Mensch wenn du Gottes Geist bist wie dir deine Hand /
Macht die Dreyfaltigkeit sich gern mit dir bekandt.
 
     
369. Die Seele ausser jhrem Ursprung.  
  Ein fünklein aussrem Feur / ein tropffen aussrem Meer:
Was bistu doch O Mensch ohn deinen wiederkehr?
 
     
370. Jn GOtt ist alles.  
  Was deine Seel begehrt / bekommt sie alls in GOtt:
Nimbt sie es ausser Jhm / so wird es jhr zum Tod.
 
     
371. Wen Gott nicht loß kan bitten.  
  Mensch stirbstu ohne GOtt: es kan nicht anders seyn /
Bäth' auch GOtt selbst für dich / du must in Pful hinein.
 
     
372. Die Braut sol wie der Bräutgamb seyn.  
  Jch muß verwundet seyn. Warumb? weil voller Wunden
Mein ewger Bräutigam der Heyland wird gefunden:
Was Nutzen bringt es dir? Es stehet gar nicht feyn:
Wenn Braut und Bräutigam einander ungleich seyn.
 
     
373. Das allerseeligste Hertze.  
  Ein reines Hertz schaut Gott / ein heilges schmäket Jhn:
Jn ein Verliebetes wil er zu Wohnen ziehn.
Wie seelig ist der Mensch der sich befleist und übt /
Daß jhm sein Hertze wird rein Heilig und verliebt!
 
     
374. Man überkömt mit meiden.  
  Freund meide was dir Lieb / fleuch was dein Sinn begehrt.
Du wirst sonst nimmermehr gesättigt und gewehrt.
Viel wären zum Genuß der ewgen Wollust kommen /
Wenn sie mit Zeittlicher sich hier nicht übernommen.
 
     
     

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