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Johannis Angeli Silesij

Fünfftes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (251 - 300)

251. Die Geburt Gottes wehret jmmer. Anmerkungen
  Gott zeuget seinen Sohn / und weil es ausser Zeit /
So wehret die Geburt auch biß in Ewigkeit.
 
     
252. Der Sohn GOttes wird in dir gebohren.  
  Mensch schikstu dich darzu / so zeugt Gott seinen Sohn /
All' Augenblik in dir / gleich wie in seinem Thron.
 
     
253. Jedes ist in seinem Ursprung am besten.  
  Das Wasser in dem Brunn / die Ros' auf ihrem stamm:
Am besten ist die Seel in Gott / im Feur die Flamm.
 
     
254. Die Seel ohne Gott.  
  Ein Hirtenloses Schaf / ein Cörper welcher Todt /
Ein Brunnen ohne qual / diß ist die Seel ohn Gott.
 
     
255. Auf wethun folgt wolthun.  
  Der Krieg gewinnt dir Frid / mit Streit erlangstu Freüd.
Verdamnuß deiner selbst bringt dir die Seeligkeit.
 
     
256. Zurükke sehn ist wieder Verlohren werden.  
  Wenn du auß Sodom gehst / und dem Gericht entfliehest /
So steht dein Heil darauf daß du nicht rukwerts siehest.
 
     
257. Das allersüsseste Leben.  
  Der Himmel auff der Welt / das allersüsste Leben /
Jst der beschauligkeit auß Liebe seyn ergeben.
 
     
258. Gott und die Seeligkeit ist ein Ding.  
  Die Seeligkeit ist Gott / und Gott die Seeligkeit:
Wär' eins das ander nicht / ich lebte stets in Leid.
 
     
259. Gott wird ich / weil ich vor Er war.  
  Gott wird was ich itz bin / nimmt meine Menschheit an.
Weil ich vor Er gewest / drumb hat er es gethan.
 
     
260. Wie GOtt / HErr / Vatter / und Bräutigam.  
  Den Knechten ist Gott Herr / dir Vatter wo du Kind /
Mir ist Er Bräutigam / wenn er mich Jungfrau findt.
 
     
261. GOtt ist in allen Dingen / und doch keinem Gemein.  
  Das wesen Gottes macht sich keinem Ding gemein:
Und muß nothwendig doch auch in den Teuffeln seyn.
 
     
262. Die tieffe der Demut.  
  Die Demut senket sich in solchen Abgrund ein /
Daß sie sich schnöder schätzt als alle Teuffel seyn.
 
     
263. Die Hölle muß man schmekken.  
  Krist / einmal muß man doch im Schlund der Höllen seyn:
Gehstu nicht lebendig / so mustu Tod hinein.
 
     
264. Wenn Jesus ins Hertze gebildet wird.  
  Mensch wenn dein Hertz für Gott wie Wachs ist weich und rein:
So drukt der Heilge Geist das Bildnüß JEsu drein.
 
     
265. Wer von der Liebe Gottes gebunden.  
  Die Seel die nichts als Gott gedänkt zu allen stunden /
Die ist von seiner Lieb bestrikket und gebunden.
 
     
266. Das rechte Leben der Seele.  
  Dann lebt die Seele recht / wenn Gott jhr Geist unnd Leben
Sie gantz erfüllet hat / und sie Jhm Raum gegeben.
 
     
267. Wie die schule so die Lehre.  
  Jnn Schulen dieser Welt wird Gott unß nur beschrieben:
Jns Heilgen Geistes Schul lernt man Jhn schaun und lieben.
 
     
268. Man sol ohne Verdruß wirken.  
  Die Sonne scheint unnd wirkt ohn alln Verdruß unnd Pein:
So sol auch deiner Seel / im fall jhr recht ist seyn.
 
     
269. Wer Gott für bey / schaut Gott.  
  Braut / suchestu zu schaun deß Bräutgams Angesicht /
Geh Gott und alls Fürbey / so fehlet dir es nicht.
 
     
270. Alles Heyl von Gott.  
  Auß Liebe wird Gott ich / ich auß Genaden Er:
So kommt ja all mein Heyl nur bloß von jhme her.
 
     
271. Wenn du nicht Mensch bist / ist es Gott.  
  Wenn du nicht Mensch mehr bist / und dich verläugnet hast /
So ist Gott selber Mensch / und träget deine Last.
 
     
272. Das Antlitz Gottes ist seeligmachend.  
  Das Antlitz Gottes zeucht an sich wie Eisenstein:
Nur einen Blik es schaun macht ewig seelig seyn.
 
     
273. Wo Christus nicht wirkt da ist er nicht.  
  Freund wo nicht Christus wirkt / da ist er auch noch nicht /
Ob gleich der Mensch von jhm viel singet oder spricht.
 
     
274. Der Seelige auff der Welt.  
  Wer sich in Kreutz und Pein von Hertzengrund erfreut /
Der ist noch hier ein Kind der ewgen Seeligkeit.
 
     
275. Leiden ist nutzlicher als Freude.  
  Mensch wüstestu wie gut und nutzlich's Leiden ist /
Du hattest's dir vorlängst für aller Lust erkiest.
 
     
276. Der Heilige thut nicht nach den Gebotten.  
  Der Heilge was er thut / thut nichts nach dem Gebot:
Er thut es lauterlich auß Liebe gegen Gott.
 
     
277. Der Gerechte hat kein Gesetz.  
  Für bös' ist das Gesetz: wär kein Gebot geschrieben /
Die Frommen würden doch Gott und den Nächsten lieben.
 
     
278. Der Geistliche Krebsgang.  
  Mensch senke dich herab / so steigestu hinauf.
Laß ab von deinem gehn / so fängt sich an dein Lauf.
 
     
279. Was im Orte der Welt vor der Welt gewest.  
  Eh Gott die Welt erschuf was war in diesem Ort?
Es war der Ort selb selbst / Gott und sein Ewges Wort.
 
     
280. Gott kan sich selbst nicht messen.  
  Gott ist so hoch und groß / wolt' Er sich selber messen /
Er würd / ob er gleich Gott / deß Maßstabs zahl vergessen.
 
     
281. Das wunderlichste / beste / und Schönste an Gott.  
  Das wunderlichst' an Gott ist die Vorsichtigkeit /
Langmüttigkeit das best' und's schönste grechtigkeit.
 
     
282. Gott ist wie die Sonne.  
  Gott ist der Sonne gleich: wer sich zu Jhme kehrt /
Der wird erleucht / und straks seins Angesichts gewehrt.
 
     
283. Warumb Gott ruh und Freude hat.  
  Weil Gott Dreyeinig ist / so hat Er ruh und Lust:
Ruh komt von Einheit her / Lust von der Dreyheit Brust.
 
     
284. Gott komt eh du jhn begehrest.  
  Wenn dich nach Gott verlangt / und wüntschst sein Kind zu seyn /
Jst Er schon vor in dir / und giebt dir solches ein.
 
     
285. Die Geistliche Turteldaube.  
  Jch bin die Turteldaub / die Welt ist meine Wüste /
Gott mein Gemahl ist weg: drumb sitz ich ohn geniste.
 
     
286. Die Einfalt muß witzig seyn.  
  Die Einfalt schätz' ich hoch der Gott hat Witz beschert.
Die aber den nicht hat / ist nicht deß Nahmens wehrt.
 
     
287. Der Einfalt Eigenschafft.  
  Der Einfalt eigenschafft ist nichts von Schalkheit wissen /
Aufs gutte Bloß allein in Demutt seyn beflissen.
 
     
288. Der Weltlichen unnd Göttlichen Liebe Natur.  
  Die Welt-Lieb hat die Art daß sie sich abwerts neigt:
Der Göttlichen Natur ist daß sie aufwerts steigt.
 
     
289. Die Tugend ohne Liebe gilt nichts.  
  Die Tugend nakt und bloß kan nicht für Gott bestehn:
Sie muß mit Liebe seyn geschmükt / Dann ist sie schön.
 
     
290. Die Liebe ist Feuer und Wasser.  
  Die Lieb ist Flutt und Glutt: kan sie dein Hertz empfinden /
So löscht sie Gottes Zorn / unnd brennt hinweg die Sünden.
 
     
291. Die Würdigkeit komt von Liebe.  
  Ach lauf doch nicht nach witz und Weißheit über Meer:
Der Seelen Würdigkeit kombt bloß von Liebe her.
 
     
292. Die Schönheit komt von Liebe.  
  Die Schönheit komt von Lieb'; auch Gottes Angesicht
Hat seine Lieblichkeit von jhr: sonst gläntzt' es nicht.
 
     
293. Der Liebe belohnen  
  Die Liebe hat Gott selbst zum wesentlichen Lohn /
Er bleibet ewiglich jhr Ruhm und Ehren Kron.
 
     
294. Weißheit ohne Liebe ist nichts.  
  Mensch wo du weise bist / und liebst nicht Gott darbey:
So sag ich daß ein Narr dir vorzuziehen sey.
 
     
295. Je liebender je Seeliger.  
  Das Maß der Seeligkeit mist dir die Liebe ein:
Je Völler du von Lieb / je Seelger wirstu seyn.
 
     
296. Die Liebe Gottes in unß / ist der Heilige Geist.  
  Die Liebe welche sich zu Gott in dir beweist /
Jst Gottes ewge Krafft / sein Feur und Heilger Geist.
 
     
297. Man kan Gott nicht lieben ohne Gott.  
  Mensch liebete sich Gott nicht selbst durch dich in dir /
Du köntest nimmermehr Jhn lieben nach gebühr.
 
     
298. Die Liebe hat keine Furcht.  
  Die Liebe fürcht sich nicht / sie kan auch nicht verderben:
Es müste Gott zuvor sambt seiner Gottheit sterben.
 
     
299. Wie die Person so das Verdienst.  
  Die Braut verdient sich mehr mit einem Kuß umb Gott /
Als alle Mittlinge mit Arbeit biß inn Tod.
 
     
300. Wer Gott recht liebet.  
  Mensch niemand liebt Gott recht als der sich selbst Veracht.
Schau ob du es auch so mit deiner Lieb gemacht.
 
     
   

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