literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Johannis Angeli Silesij

Fünfftes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (151 - 200)

151. Ein jeder geneust des andren Seeligkeit. Anmerkungen
  MArien Seeligkeit / und jhres Sohns deß süssen /
Werd' ich so völliglich alß beyde selbst geniessen.
 
     
152. Was ein Heiliger hat / das ist der andern auch.  
  Was hier die Heiligen mit grosser müh erlangt /
Wird in der Seeligkeit mir alls umb sonst geschankt.
 
     
153. Ein jeder im Himmel freuet sich ob dem andern.  
  Der gröste Heilige wird sich so hoch erfreun
Ob mir; als sehr ob jhm ich werde frölich seyn.
 
     
154. Wer friede sucht muß vil übersehn.  
  Mensch wenn du so genau das deine wilt beschützen /
So wirstu nimmermehr im wahren friede sitzen.
 
     
155. Christus ist der erste und letzte Mensch.  
  Der erst' und letzte Mensch ist Christus selbst allein /
Weil all' auß jhm entstehn / in jhm beschlossen seyn
 
     
156. Wer viel begehrt dem mangelt vil.  
  Wer gnugsam reich / hat alls. Wer viel begehrt und wil /
Der giebet zu verstehn daß jhm noch mangelt viel.
 
     
157. Der Reiche ist wahrhafftig arm.  
  Der Reiche wann er viel von seiner Armuth spricht /
So glaub es ihm nur gern: er leugt warhafftig nicht.
 
     
158. Die abgestorbenheit ist eine Wittib.  
  Die abgestorbenheit muß eine Wittib seyn;
Denn sie hat keinen Mann / und gehet stäts allein.
 
     
159. Das Leiden Christi ist noch nicht gar vollbracht.  
  Das Leiden Christi ist am Creutz nicht gar vollbracht:
Er leidet heute noch bey Tag und auch bey Nacht.
 
     
160. Der Mensch muß das Leiden Christi erfüllen.  
  Mensch du solst Paulus seyn / und in dir selbst erfüllen /
Was Christus nicht gethan / wo sich der zorn sol stillen.
 
     
161. Niemand liegt an der brust Christi als Johannes.  
  Kind bilde dir nicht ein / eh du Johannes bist /
Daß du ligst an der Brust deß Herren JEsu Christ.
 
     
162. Das Lob deß Sünders.  
  Das Lob das GOtt dem Herrn ein Ungerechter giebt /
Wird weniger von jhm als Hundsgebell geliebt.
 
     
163. GOtt hilfft dem grösten Sünder am liebsten.  
  Die Sünder liegen krank / jhr artzt ist JEsus Christ:
Am liebsten hilfft er dir wo du der gröste bist.
 
     
164. GOtt nimbt nur die Lämmer an.  
  GOtt wil daß alle solln zu seinem Sohne kommen:
Und dennoch werden nur die Lämmer angenommen.
 
     
165. Wer GOtt siehet.  
  GOtt ist ein ewger Blitz / wer kan jhn sehn und leben?
Wer sich in seinen Sohn sein Ebenbild begeben.
 
     
166. Wer böse bleibt / hat nichts an Christo.  
  Mensch bleibestu verbost / so ist dir nichts erworben:
GOtt ist nur für das Schaf nicht für den Bok gestorben.
 
     
167. Die Sünde bringt was Guttes.  
  Die Sünd bringt doch was gutts: Sie muß den Fromen dienen /
Daß sie viel edeler für GOtt dem Herren grünen.
 
     
168. Der Sünder thut nichts gut.  
  Mensch speise wen du wilt / zeuch tausend Armen an;
Wo du ein Sünder bist / du hast nicht wol gethan.
 
     
169. Wie man für die Majestät gehet.  
  Wer für der Majestät wil unerschrokken stehn /
Der muß gewaschen seyn / und tief gebukket gehn.
 
     
170. GOtt sind alle Werke gleich.  
  GOtt sind die Werke gleich / der Heilge wann er trinkt /
Gefället Jhm so wohl als wann er Beth und singt.
 
     
171. Die Tugenden hängen alle aneinander.  
  Die Tugenden sind so verknüpffet und verbunden /
Wer ein' alleine hat der hat sie alle funden.
 
     
172. Alle Tugenden sind eine Tugend.  
  Schau alle Tugenden ist ein' ohn unterscheid:
Wiltu den Nahmen hörn? sie heist Gerechtigkeit.
 
     
173. GOtt hat keine Gedanken.  
  Mensch GOtt gedänket nichts. Ja wärn in Jhm Gedanken
So könt' Er hin und her / welchs Jhm nicht zusteht / wanken.
 
     
174. Was der Heilige thut / thut GOtt in jhm.  
  Gott thut im Heilgen selbst alls was der Heilge thut:
GOtt geht / steht / liegt / schläfft / wacht / ißt / trinkt / hat gutten Muth.
 
     
175. Das Gewissen ist ein Wegweiser.  
  Mensch wenn du jrre gehst so frage dein Gewissen:
Du wirst ohn alln Verzug die Strass' erkennen müssen.
 
     
176 [fehlt]  
     
     
177. Wer das Buch deß Lebens lieset.  
  Mensch wer dem HErren folgt in seinem Thun und lassen /
Der liest deß Lebens Buch / und kan die Meinung fassen.
 
     
178. Christus war was Er redte.  
  Was Christus auf der Welt geredt hat und gethan /
Das ist Er selbst gewest: wie ers auch zeiget an.
 
     
179. GOtt macht nichts Neues.  
  Gott macht kein neues Ding / obs uns zwar neue scheint:
Für Jhm ist ewiglich was man erst werden meint.
 
     
180. GOtt kombt nur in keusche Hertzen.  
  Den Bräutgam deiner Seel verlanget ein zu ziehen /
Blüh auf; er kommet nicht biß daß die Lilgen blühen.
 
     
181. Das allergeitzigste.  
  Wie Geitzig ist ein Hertz! wenn tausend Welten wären /
Es würde sie gesambt / und mehr darzu begehren.
 
     
182. Das Hertz muß auß dem Hertzen.  
  Schütt auß dein Hertz für GOtt: Er zeucht nicht bey dir ein /
Wenn er dein Hertze nicht sieht aussrem Hertzen seyn.
 
     
183. Deß Christen Natur.  
  Umb böses guttes thun / umb Schmach sich nicht entrüsten:
Vor undank dank ertheiln / ist die Natur der Kristen.
 
     
184. Ein Heiliger sicht sich im andern.  
  Ein jeder Heiliger wird sich in allen sehn:
Wann nicht all' einer wärn / so könt es nicht geschehn.
 
     
185. Der Weise weil er nichts hat verliehrt nichts.  
  Der weise Mann ist nie umb einen Heller kommen:
Er hat nie nichts gehabt / man hat ihm nichts genommen.
 
     
186. Die Eigenheit ist alles übels Ursache.  
  Mittheilen schaffet Ruh. Bloß auß der Eigenheit
Entstehet alles Weh / Verfolgung Krieg und Streit.
 
     
187. Der gröste Trost nach GOtt.  
  Der gröste Trost nach GOtt dünkt mich im Himmel seyn:
Daß man einander gleich ins Hertze siht hinein.
 
     
188. Es sind viel Seeligkeiten.  
  Es sind viel Wohnungen / und auch viel Seeligkeiten:
Ach thätestu dich doch zu einer recht bereiten!
 
     
189. GOtt ist Ewig in seine Schönheit verliebt.  
  GOtt ist so überschön / daß Jhn auch selber gantz
Von Ewigkeit verzukt seins Angesichtes Glantz.
 
     
190. Die Seeligkeit in der Zeit.  
  Dem Heilgen geht nichts ab; er hat schon in der Zeit
An GOttes wollgefalln die gantze Seeligkeit.
 
     
191. Der Seeligen und Verdampten eigenschafft.  
  Der Seelgen Eigenschafft ist gantz nach GOtte leben:
Und der Verdampten art Jhm gäntzlich wiederstreben.
 
     
192. GOtt macht mit Hülffe der Creatur das beste.  
  Den ersten Adam den hat GOtt allein gemacht:
Den anderen hat er mit mir zu wege bracht.
 
     
193. GOtt liebet einen wie alle.  
  GOtt liebet mich so sehr als alles was auf Erden;
Wär' er nicht Mensch gebohrn / er würde mirs noch werden.
 
     
194. Aller Heiligen Werke sind nur ein Werk.  
  Was alle Heilgen thun / das kan ein Mensch allein:
Ja! schau sie thun sonst nichts als GOtt gelassen seyn.
 
     
195. GOtt wird im müssig seyn gefunden.  
  GOtt wird viel eher dem der gäntzlich müssig sitzt;
Als dem der nach Jhm laufft daß Leib und Seele schwitzt.
 
     
196. GOtt hat alle Nahmen / und keinen.  
  Man kan den höchsten GOtt mit allen Nahmen nennen:
Man kan jhm widerumb nicht einen zuerkennen.
 
     
197. GOtt ist nichts und alles.  
  GOtt der ist nichts und alls ohn alle deuteley:
Dann nenn was das Er ist? auch was das Er nicht sey?
 
     
198. Christus ist unser Muster.  
  Mensch wenn du dich wilt GOTT zum Tempel auferbauen /
Mustu das rechte Maß an Christo dir abschauen.
 
     
199. Der Liebe gegenwurf  
  Der Liebe gegen-wurff ists höchste Gutt allein:
Liebt sie was ausser dem / so müßt sie Närrisch seyn.
 
     
200. Was man liebt / in das verwandelt man sich.
auß S. Augustino.
 
  Mensch was du liebst in das wirstu verwandelt werden /
GOtt wirstu liebstu GOtt / und Erde liebstu Erden.
 
     
   

zurück

Inhalt

vor