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Johannis Angeli Silesij

Fünfftes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (001 - 050)

1. Alles muß wider in Eins. Anmerkungen
  Alls kombt auß einem her / und muß in Eines ein:
Wo es nicht wil gezweyt / und in der vielheit seyn.
 
     
2. Wie die zahlen auß dem Eins / so die Geschöpffe auß GOtt.  
  Die zahlen alle gar sind auß dem Eins geflossen;
Und die Geschöpff zumahl auß GOTT dem Einß entsprossen.
 
     
3. GOtt ist in allen wie die Einheit inn Zahlen.  
  Gleich wie die Einheit ist in einer jeden Zahl;
So ist auch GOtt der Ein' inn Dingen überall.
 
     
4. Nichts kan ohn das Eins bestehn.  
  Wie all' und jede zahln ohns eines nicht bestehn;
So müssen die Geschöpff ohn GOtt das Eins vergehn.
 
     
5. Die Nulle gilt vornen an nichts.  
  Das Nichts die Creatur / wenn sichs Gott vorgesetzt /
Gilt nichts: steht's hinter Jhm / dann wird es erst geschätzt.
 
     
6. Jm Eins ist alles Eins.  
  Jm Eins ist alles Eins: kehrt zwey zu ruck hinein /
So ist es wesentlich mit jhm ein einges Ein.
 
     
7. Alle Heiligen sind ein Heiliger.  
  Die Heilgen alle sind ein Heiliger allein:
Weil sie ein Hertz / Geist / Sinn / in einem Leibe seyn.
 
     
8. Die geheime Kronenzahl.  
  Zehn ist die Kronenzahl; sie wird aus eins und nichts:
Wenn GOtt und Creatur zusammen kommn / geschichts.
 
     
9. Es muß ein jeder Christus seyn.  
  Der wahre GOttes Sohn ist Christus nur allein:
Doch muß ein jeder Christ derselbe Christus seyn.
 
     
10. GOttes Pallast.  
  GOtt ist Jhm selbst sein Thron / der Himmel ist sein Saal /
Der Vorhoffs Paradeiß / der Erdkreiß ist der Stal.
 
     
11. Die Sünd' ist allein das übel.  
  Kein übel ist alß Sünd': und wären keine Sünden /
So wär' in ewigkeit kein übel auch zu finden.
 
     
12. Ein wachendes Auge siehet.  
  Das licht der Herrligkeit scheint mitten in der Nacht /
Wer kan es sehn? Ein Hertz das Augen hat und wacht.
 
     
13. Das jrrdische Gutt ist ein Mist.  
  Das jrrdsche Gutt ist Mist; die Armen sind der Akker:
Wer's außführt und zerstreut / geneusts zur Erndte wakker.
 
     
14. Der außgang geschieht umb den eingang.  
  Kein außgang der geschieht / als umb deß eingangs willen:
Mein Hertz entschüttet sich / daß es GOtt an sol füllen.
 
     
15. Verdamnüß ist im wesen.  
  Könt' ein Verdambter gleich im höchsten Himmel seyn:
So fehlet' er doch stäts die Höll / und ihre Peyn.
 
     
16. Durch dich entwird GOtt nichts.  
  Mensch wöhle was du wilt Verdamnüß oder Ruh:
Eß gehet GOtt durch dich nichts ab und auch nichts zu.
 
     
17. Das gröste Wunder.  
  Der Wunder hat es viel / kein grössers kan ich sehen /
Als daß das auferstehn deß Fleisches wird geschehen.
 
     
18. Die geistliche Jahrszeiten.  
  Der Winter ist die Sünd / die Busse Frülingszeit /
Der Sommer Gnadenstand / der Herbst vollkommenheit.
 
     
19. Auch von demselben.  
  Jm Winter ist man todt / im Früling steht man auf /
Jm Sommer und im Herbst verbringt man seinen lauf.
 
     
20. Der steiffe Felsenstein.  
  Ein tugendthaffter Mensch ist wie ein Felsenstein:
Es stürme wie es wil / er fället doch nicht ein.
 
     
21. Der Sünd' und Tugend eigenschafft.  
  Die Busse rüchet wol / die Sünden alle stincken:
Die Tugenden gehn recht / die Laster aber hincken.
 
     
22. Die Keuschheit bleibt verschlossen.  
  Die Keuschheit ist ein Schloß das niemand auf kan schliessen.
Was sie im innern ist / das mag kein fremder wissen.
 
     
23. Die zeit die ist nicht schnell.  
  Man sagt die Zeit ist schnell: wer hat sie sehen fliegen?
Sie bleibt ja unverruckt im Welt-begrieffe liegen!
 
     
24. GOtt sieht man nicht mit Augen.  
  Wann du denkst GOtt zu schaun / bild dir nichts sinnlichs ein:
Das schaun wird inner uns / nicht außerhalb uns seyn.
 
     
25. Was das beste an der Seeligkeit.  
  Was an der Seeligkeit mein Hertz fürs best' erkiest /
Jst daß sie wesentlich / und nicht von aussen ist.
 
     
26. GOtt wird wie wir.  
  GOtt gibt dir wie du nimbst / du selbst schenkst auß und ein /
Er wird dir wie du wilt / wie nach dem faß der Wein.
 
     
27. Die Wegescheide zur Ewigkeit.  
  Die Wegescheid' ist hier: Wo lenkstu dich nu hin?
Zur Lincken ist verlust / zur Rechten ist gewien.
 
     
28. Was GOtt den Tag durch thut.  
  Des Morgens geht GOtt auß / zu mittag schläffet er /
Deß Nachts ist er erwacht / reist Abends ohn beschwehr.
 
     
29. Man muß die Tieffe auf der Höhe betrachten.  
  Ein ungrund ist zwar Gott / doch wem er sich soll zeigen /
Der muß biß auf die Spitz der ewgen Berge steigen.
 
     
30. Der Teuffel der ist gut.  
  Der Teuffel ist so gutt dem wesen nach als du.
Waß gehet jhm dann ab? Gestorbner will' und ruh.
 
     
31. Die ichheit und verläugnung.  
  Der ichheit ist GOtt feind / verläugnung ist er hold:
Er schätzt sie beyde so / wie du den Koth unds Gold.
 
     
32. Der eigene Wille stürtzt alles.  
  Auch Christus / wär' in jhm ein kleiner eigner Wille /
Wie seelig er auch ist / Mensch glaube mir er fielle.
 
     
33. Wenn GOtt am liebsten bey uns ist.  
  GOtt dessen wollust ist bey dir O Mensch zu seyn /
Kehrt / wenn du nicht daheim / am liebsten bey dir ein.
 
     
34. GOtt liebt nichts als sich.  
  GOtt hat sich selbst so lieb / bleibt jhm so zugethan;
Daß er auch nimmermehr was anders lieben kan.
 
     
35. GOtt kan mehr viel als wenig.  
  Nichts ist das GOtt nicht kan. Hör Spötter auf zulachen.
Er kan zwar keinen GOtt / wol aber Götter machen.
 
     
36. Viel Götter / und nur einer. 1. Cor. 8. 5.  
  Ein einger GOtt / und viel / wie stimbt diß über ein?
Gar schöne: Weil sie all' in einem Einer seyn.
 
     
37. GOtt schaut auf den Grund.  
  GOtt schätzt nicht was du guts / nur wie du es gethan:
Er schaut die Früchte nicht / nur Kern und Wurtzel an.
 
     
38. GOtt bricht vonn Disteln Feigen.  
  GOtt list vonn Dornen Wein / vonn Disteln bricht er Feigen /
Wenn er dein sündigs Hertz zur Busse komt zu neigen.
 
     
39. Die Seeligen sind nie satt.  
  Die Seelgen dürffen sich daß sie nie satt sind freun!
Es muß ein süsser Durst / und lieber Hunger seyn!
 
     
40. Christus ist ein Felß.  
  Wer sich an Christum stöst / (er ist ein Felßenstein)
Zerschöllt: wer jhn ergreifft / kan ewig sicher seyn.
 
     
41. Je mehr erkandnüß je weniger verstandnüß.  
  Je mehr du GOtt erkennst / je mehr wirstu bekennen /
Daß du je weniger Jhn / was er ist / kanst nennen.
 
     
42. GOtt muß sich selber lieben.  
  GOtt ist das höchste Gutt / er muß jhm selbst gefallen /
Sich selber auf sich kehrn / sich lieben / ehrn / für allen.
 
     
43. Wie GOtt so sehr gerecht.  
  Schau GOtt ist so gerecht: Wär' etwas über jhn /
Er ehrt' es mehr als sich / und kniete für dem hin.
 
     
44. GOtt liebt sich nicht als sich.  
  GOtt liebt sich nicht als sich / nur als das Höchste gut /
Drumb schau / daß er auch selbst / was er befihlet / thut.
 
     
45. Die Laster scheinen nur.  
  Die Laster gehn bekleidt / die Tugend stehet Bloß /
Die ist warhafftiglich / jen' aber scheinen groß.
 
     
46. Du bist der erste Sünder.  
  Schweig Sünder / schreyhe nicht dir Ev' und Adam an:
Wärn sie nicht vorgefalln / du hättest's selbst gethan.
 
     
47. Der Geistliche Feuerzeug.  
  Mein Hertz ists Feuerzeug / der Zunder gutter Wille:
Schlägt GOtt ein Fünklein drein / so brennts und leuchts die völle.
 
     
48. Eins kans nicht ohn das andre.  
  Zwey müssen es vollziehn: ich kans nicht ohne GOtt /
Und GOtt nicht ohne mich: daß ich entgeh dem Tod.
 
     
49. Die schönste Weißheit.  
  Mensch steig nicht allzu hoch / bild dir nichts übrigs ein:
Die schönste Weißheit ist nicht gar zu weise seyn.
 
     
50. GOtt ist nicht tugendhafft.  
  GOtt ist nicht tugendhaft: Auß jhm kombt tugend her /
Wie auß der Sonn die Strahln / und Wasser auß dem Meer.
 
     
   

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