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Johannis Angeli Silesij

Vierdtes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (201 - 229)

201. Warumb die Seele ewig. Anmerkungen
  GOtt ist die Ewge Sonn' / ich bin ein strahl von jhme:
Drumb ist mirs von natur / daß ich mich ewig rühme.
 
     
202. Der Strahl ohne die Sonne.  
  Der Strahl ist nichts wenn er sich von der Sonn abbricht;
Du gleichfalls / lästu GOtt dein wesentliches licht.
 
     
203. Wie man sucht so findet man.  
  Du findest wie du suchst: Wie du auch klopffest an /
Und bittest / so wird dir geschenckt und auffgethan.
 
     
204. Wer nicht von GOtt geschieden kan werden.  
  Wen GOtt zu seinem Sohn gebohren hat auff erden /
Der Mensch kan nimmermehr von GOTT geschieden werden.
 
     
205. Der punct der Seeligkeit.  
  Der Punct der Seeligkeit besteht in dem allein.
Daß man muß wesentlich auß GOtt gebohren seyn.
 
     
206. Jn wem der Sohn GOttes gebohren ist.  
  Wem alle ding ein ding und lauter Friede sind /
Jn dem ist wahrlich schon gebohrn das Jungfraun Kind.
 
     
207. Kennzeichen deß Sohns GOtts.  
  Wer stäts in GOtte bleibt / verliebt / gelassen ist:
Der Mensch wird allermeist für GOttes Sohn erkiest.
 
     
208. Nach der zeit ist keine würckung.  
  Mensch würcke weil du kanst dein Heil und Seeligkeit:
Das würcken höret auf mit endung dieser zeit.
 
     
209. Wer zuviel glaubt.  
  Es ist zwar wahr daß Gott dich seelig machen wil:
Glaubstu Er wils ohn dich / so glaubestu zu viel.
 
     
210. Was die Armuth deß Geistes ist.  
  Die Armuth unsres Geists besteht in innigkeit /
Da man sich aller ding' und seiner selbst verzeiht.
 
     
211. Der ärmeste der Freyeste.  
  Der Armuth eigenthum ist freyheit allermeist:
Drumb ist kein Mensch so frey / als der recht arm im Geist.
 
     
212. Armuth ist das wesen aller Tugenden.  
  Die laster sind bestrickt / die Tugenden gehn frey:
Sag ob die Armuth nicht jhr aller wesen sey?
 
     
213. Der Alleredleste Mensch.  
  Der Alleredelste den man ersinnen kan /
Jst ein gantz lauterer und wahrer armer Man.
 
     
214. Der herrliche Tod.  
  Christ / der ist herrlich todt / der allem abgestorben /
Und jhm dadurch den Geist der armuth hat erworben.
 
     
215. Die zeit begreifft nicht die ewigkeit.  
  So lange dir mein Freund im sinn liegt ort und zeit:
So faßstu nicht was GOtt ist und die ewigkeit.
 
     
216. Die empfängliche Seel.  
  Die Seel die Jungfrau ist / und nichts als GOtt empfängt /
Kan GOttes schwanger seyn / so offt sie dran gedänckt.
 
     
217. Der aufgespannte Geist.  
  Der Geist der allezeit in GOtt steht aufgericht /
Empfängt ohn underlaß in sich das ewge licht.
 
     
218. Kennzeichen der Braut GOttes.  
  Die Braut verliebet sich inn Bräutigam allein:
Liebstu was neben GOtt / schau wie du Braut kanst seyn.
 
     
219. Das wandelnde gezelt GOttes.  
  Die Seel in der GOtt wohnt / die ist (O Seeligkeit!)
Ein wandelndes Gezelt der ewgen Herrligkeit.
 
     
220. GOtt versorgt alle Creaturen.  
  GOtt der versorget alls / und doch ohn alle müh /
Ein' jede Creatur bedenckt er spat und früh.
 
     
221. Auch das kleinste Würmelein.  
  Kein Würmlein ist so tief verborgen in der Erden /
GOtt ordnets daß ihm da kan seine Speyse werden.
 
     
222. GOtt ist die allvorsichtigkeit leichte.  
  Mensch glaubstu GOtts deß Herrn allgegenwärtigkeit /
So siehestu wie leicht Jhm die vorsichtigkeit.
 
     
223. GOtt soll der Seelen bekandt seyn.  
  Ein HErr in seinem Hauß / ein Fürst in seinem Land:
Jn jhrem Erbtheil GOtt sol seyn die Seel bekandt.
 
     
224. Wie man zur Einigkeit gelangt.  
  Wenn sich der Mensch entzieht der mannigfaltigkeit /
Und kehrt sich ein zu GOtt / kombt er zur Einigkeit.
 
     
225. Der Lustgarten GOttes.  
  Die ewge Lustbarkeit sehnt sich in mir zu seyn:
Warumb? ich bin (O hört!) jhr Blum- und Würtzgärtlein.
 
     
226. Die Majestät deß Menschen.  
  Jch bin (O Majestät!) ein Sohn der Ewigkeit /
Ein König von natur / ein Thron der Herrligkeit
 
     
227. Wer auß Adelichem Geblütte.  
  Der so auß GOtt gebohrn / sein Fleisch hat und Gemütte:
Fürwahr er ist allein auß adlichem Geblütte.
 
     
228. GOtt sieht die ankunfft an.  
  Die ankunfft hilfft doch viel: Weil Christus gnug gethan /
So sieht GOtt sein Verdienst und Adel in unß an.
 
     
229. Wer GOtt dient ist hoch Adelich.  
  Mir dient die gantze Welt: Jch aber dien' allein
Der ewgen Majestät: Wie edel muß ich seyn!
 
     

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