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Johannis Angeli Silesij

Vierdtes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (101 - 151)

101. Vom Tode. Anmerkungen
  Der Tod ist doch noch gutt: könt' jhn ein Höllhund haben /
Er liss' im Augenblik sich Lebendig begraben.
 
     
102. Auch von jhm.  
  Man wünschet jhm den Tod / und fliehet jhn doch auch:
Jens ist der Ungeduld und diß der Zagheit brauch.
 
     
103. Das Leben und der Tod.  
  Kein Tod ist herrlicher als der ein Leben bringt:
Kein Leben edler / als das auß dem Tod entspringt.
 
     
104. Der Tod der Heiligen.  
  Der Tod der Heiligen ist wehrt geacht für GOtt:
Sag wo es dir bewust / was ist es für ein Tod?
 
     
105. Der Tod ist gut und böse.  
  So gut der Tod auch ist dem der im HErren stirbt /
So ungut ist er dem / der ausser jhm verdirbt.
 
     
106. Von den Märtyrern.  
  Der Märtrer Lebenslauff ist wenig aufgeschrieben;
Die Tugenden die man zur Leidenszeit gespürt /
Die Lobt und preist man nur / und sind statt jenes blieben:
Dieweil ein schöner Tod das gantze Leben ziehrt.
 
     
107. Die nützlichsten Gedancken.  
  Dänk an den Tod / mein Krist: was dänkstu anders viel?
Man denkt nichts nützlichers als wie man sterben wil.
 
     
108. Der Mensch ist dreymal Englisch.  
  Der Thronfürst ruht in GOtt; Jhn schaut der Cherubin;
Der Seraphin zerschmeltzt für lauter Lieb' in Jhn.
Jch finde diese Drey in einer Seel allein:
So muß ein heilger Mensch ja dreyfach Englisch seyn!
 
     
109. Der Weise.  
  Der Weise suchet ruh / und fliehet das Getümmel:
Sein elend ist die Welt / sein Vaterland der Himmel.
 
     
110. Das Wolfeilste.  
  Wie wolfeil halt doch GOtt sein Reich unds Ewge Leben!
Er darffs dem Büssenden für einen Fußfall geben.
 
     
111. An den sich selbst Liebenden.  
  Narciß ersäuffet sich da er sich selbst wil Lieben.
Philautus lachestu? es ist von dir geschrieben.
 
     
112. Von dem Hertzen der heiligen Clara de Montefalco.  
  Hier ist der Speer und Schwamm / die Nägel / Säul und Kron /
Die Geisseln / und auch gar das Creutz mit GOttes Sohn:
Drey Kugeln eines halts: Es kan nicht anderst seyn /
Diß Hertz ist GOttesburg / und seines Leydens schreyn.
 
     
113. List wieder List.  
  Mit List hat unß der Feind gefället und bekriegt /
Mit List kan er von unß seyn wiederumb besiegt.
 
     
114. Ein Lamb bezwingt den Drachen.  
  Vertraue GOtt / der Drach wird leichtlich überwunden /
Hat ihn doch nur ein Lamm gefället und gebunden!
 
     
115. Die Nachreu kombt zu spät.  
  Da GOtt auf Erden gieng / ward Er fast nicht geacht:
Nu Er im Himmel ist beklagt Jhn jedermann
Daß jhm nicht grösser Ehr ist worden angethan.
So Thöricht ist die Welt / daß sie's nicht vorbedacht!
 
     
116. Eins folgt und weicht dem andern.  
  Eins ist deß andren end' / und auch sein anbegin.
Wenn GOtt gebohren wird / so stirbet Adam hin.
 
     
117. Die Welt unds Neu Jerusalem.  
  Die Welt scheint Kugelrund dieweil sie sol vergehn:
Gevierdt ist GOttes Stadt: drumb wird sie Ewig stehn.
 
     
118. Der Spiegel.  
  Der Spiegel zeiget dir dein äussres Angesicht:
Ach daß Er dir doch auch das jnnre zeiget nicht!
 
     
119. Das Faß muß reine seyn.  
  Wasch auß deinns Hertzensfaß: wann Häfen drinne seyn /
So geust GOtt nimmermehr dir seinen Wein darein.
 
     
120. Der Himmelspähende.  
  Ein Himmelspähender ist dem Geschöpffe tod /
Wie komts? Er lebt allein dem Schöpffer seinem GOtt.
 
     
121. Jm Himmel sind auch Thiere.  
  Man sagt es kan kein Thier zu GOIT dem HErrn eingehn:
Wer sind die Viere dann die nah bey Jhme stehn?
 
     
122. GOtt sieht nicht übersich.  
  GOtt sieht nicht übersich: drumb überheb dich nicht:
Du kömst sonst mit Gefahr auß seinem Angesicht.
 
     
123. Von der H. Martha an den Polypragmon.  
  Der HErr spricht Eins ist noth; und was die Martha thut
Das ist auch an sich selbst gar löblich / fein / und gutt:
Und dennoch strafft Er sie. Merks Polypragmon wol:
Daß man mit vielerlei sich nicht zerrütten sol.
 
     
124. Von GOtt.  
  GOtt ist ein solches Gutt / je mehr man Jhn empfindt:
Je mehr man Jhn begehrt / verlangt / und Lieb gewinnt.
 
     
125. Deß GOtts verliebten Pein.  
  Der GOttverliebte Mensch hat sonsten keine Pein /
Als daß er nicht kan bald bey GOtt dem Liebsten seyn.
 
     
126. Die unerforschliche Ursache.  
  GOtt ist Jhm selber alls / sein Himmel / seine Lust:
Warumb schuff Er dann unß? es ist uns nicht bewust.
 
     
127. Die Wohnung GOttes.  
  GOtt wohnet in sich selbst / sein Wesen ist sein Hauß:
Drumb gehet Er auch nie auß seiner GOttheit auß.
 
     
128. An den Weltliebenden.  
  Die Seele weil sie ist gemacht zur Ewigkeit /
Hat keine wahre Ruh inn Dingen dieser Zeit:
Drumb wunder ich mich sehr / daß du die Welt so liebst /
Und aufs zergängliche dich setzest und begiebst.
 
     
129. GOtt redt am wenigsten.  
  Niemandt redt weniger als GOtt ohn Zeit und ort:
Er spricht von Ewigkeit nur bloß Ein Eintzigs Wort.
 
     
130. Von der Eitelkeit.  
  Wend ab dein Angesicht vom glast der Eitelkeit:
Jemehr man jhn beschaut / jemehr wird man verleitt.
Jedoch kehrs wider hin: denn wer jhn nicht betracht /
Der ist schon halb von jhm gefällt und umbgebracht.
 
     
131. Von der Gerechtigkeit.  
  Gerechtigkeit ist weg! wohin? sie ist inn Himmel /
Warumb? sie traute sich nicht mehr bey dem Getümmel.
Was kont' jhr dann geschehn? sie wäre von der Welt
Schon längst an ihren Ehrn geschwächet und gefällt.
 
     
132. Verlust und Gewinn.  
  Der Tod ist mein Gewinn / Verlust das lange Leben:
Und dennoch dank ich GOtt daß er mir diß gegeben.
Jch wachs' und nehme zu / so lang ich hier noch bin:
Darumb ist auch gar wol das Leben mein Gewin.
 
     
133. Der Mensch ist eine Kohle.  
  Mensch du bist eine Kohl / GOtt ist dein Feur und Licht:
Du bist schwartz / finster / kalt / liegstu in Jhme nicht.
 
     
134. Die Krafft der zurukkehrung.  
  Wann du dich meine Seel zuruk hinein begiebst /
So wirstu was du warst / und was du Ehrst und Liebst.
 
     
135. Die Bach wird das Meer.  
  Hier flüss' ich noch in GOtt als eine Bach der Zeit:
Dort bin ich selbst das Meer der ewgen Seeligkeit.
 
     
136. Der Strahl wird die Sonne.  
  Mein Geist / kombt er in GOtt / wird selbst die ewge Wonne:
Gleich wie der Strahl nichts ist als Sonn' in seiner Sonne.
 
     
137. Das Fünklein im Feuer.  
  Wer kan das Fünkelein in seinem Feur erkennen?
Wer mich / wann ich in GOtt / ob ich es sey / benennen?
 
     
138. Die Liebe macht Beliebter.  
  Mit was macht sich die Braut beym Bräutgam mehr beliebt?
Mit Liebe wenn sie sich jhm mehr und mehr ergiebt.
 
     
139. Die glükseelige Ertrinkung.  
  Wenn du dein Schiffelein aufs Meer der GOttheit bringst:
Glükseelig bistu dann / so du darinn Ertrinkst.
 
     
140. Das edelste Gebette.  
  Das edelste Gebett ist wenn der Better sich
Jn das für dem er kniet verwandelt jnniglich.
 
     
141. Nichts ist süsser als Liebe.  
  Es ist doch keine Lust / und keine Seeligkeit /
Die übertreffen kan der Liebe süssigkeit!
 
     
142. Der Furcht und Liebe Würdigkeit.  
  Wer Gott liebt / schmäkt schon hier seins Geistes süssigkeit:
Wer aber Jhn nur fürcht / der ist davon noch weit.
 
     
143. Der allerlieblichste Thon.  
  Es kan in Ewigkeit kein Thon so Lieblich seyn /
Als wenn deß Menschen Hertz mit GOtt stimbt überein.
 
     
144. Die heilige Uberformung.  
  Die Ruhe deines Geists macht dich zu einem Thron /
Die Lieb zum Seraphin / der Fried zu Gottessohn.
 
     
145. Wir sind edeler als die Seraphine.  
  Mensch ich bin edeler als alle Seraphin /
Jch kan wol seyn was sie / sie nie was ich je bin.
 
     
146. Was der höchste Adel deß Menschen.  
  Mein höchster Adel ist / daß ich noch auff der Erden /
Ein König / Kaiser / Gott / und was ich wil / kan werden.
 
     
147. Die weite deß Menschen ist nicht zubeschreiben.  
  Wer ist der mir wie weit und breit ich bin zeigt an?
Weil der Unendliche (GOtt) in mir wandeln kan. 1)
1) 2. Cor. 6.
     
148. Was die Seele erweitert.  
  Was macht deß Menschen Hertz und seine Seele weit?
Die Liebe GOttes giebt ihm die Beschaffenheit.
 
     
149. Was ohne Lieb ist Stinckt.  
  Mensch komstu ohne Lieb / so steh nur bald von fern:
Was nicht nach liebe reucht / das stinckt für GOtt dem HErrn.
 
     
150. Der höchste GOttesdienst.  
  Der Höchste GOttesdienst / ist GOtte gleiche werden:
Christförmig seyn an Lieb / am Leben und Geberden.
 
     
   

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