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Johannis Angeli Silesij

Vierdtes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (001 - 050)

1. GOtt wird waß Er nie war. Anmerkungen
  Der ungewordne GOtt wird mitten in der Zeit
Was Er nie ist gewest in aller Ewigkeit.
 
     
2. Der Schöpffer wird's Geschöpffe.  
  Das Unerschaffene Licht wird ein erschaffnes Wesen:
Daß sein Geschöpffe nur durch selbes kan genesen.
 
     
3. An das JEsus Kind.  
  Jch habe dich mein Kind / du zarter Nazarener /
Den Lilgen offt vergleicht; Nu aber geh ichs an /
Daß jch dir viel zu kurtz und Unrecht hab gethan:
So viel du edler bist / so viel bistu auch schöner.
 
     
4. Das geheime Nazareth und geistliche Verkündigung.  
  Maria / Nazareth / und Gabriel der Both /
Jst meine Seel / mein Hertz / und neues Licht von Gott.
Mein Hertze zwar wann es ein Blumenthal geworden
Die Seele wann sie steht im keuschen Jungfern Orden
Und wohnt in diesem Thal: das neue Gnaden Licht /
Wann Gott sein Ewges Wort in jhrem Geiste spricht.
 
     
5. Von dem JEsus Kind an der Mutter Brüsten.  
  Wie schlecht ist Gottes Sohn bewirthet auf dem Heu:
Man siehet nichts umb jhn als lauter Armuthey:
Er achtets aber nicht / und läst jhm wol genügen /
Weil Er kan an der Brust der süssen Mutter liegen.
 
     
6. GOtt auf dem Stroh.  
  Je! daß jhm GOtt den Stall und's Stroh hat außerkiest!
Es ziemet sich also weil Er ein Lämmlein ist.
 
     
7. Der Fall Evae ist Ursach daß GOtt Mensch worden.  
  Der Ewge GOttes Sohn kombt her in diese Wüsten /
Und nährt sich wie ein Kind an einer Jungfrau Brüsten.
Wer hat ihm dieses weh verursacht und gemacht?
Ein abgefallnes Weib hat jhn darzu gebracht.
 
     
8. Der Nahme JESUS.  
  Der Nahme JEsus ist ein außgegossnes Oele:
Er speiset / und Erleucht / und stillt das weh der Seele.
 
     
9. Das Unaußsprechliche.  
  Das Unaußsprechliche das man pflegt Gott zunennen /
Giebt sich in einem Wort zusprechen und zukennen.
 
     
10. Die volle Seeligkeit.  
  Der Mensch hat eher nicht vollkommne Seeligkeit;
Biß daß die Einheit hat verschlukt die Anderheit.
 
     
11. Mit schweigen Ehrt man GOtt.  
  Die Heilge Majestät (wiltu jhr Ehr erzeigen)
Wird allermeist geehrt mit heilgem stilleschweigen.
 
     
12. Jn Einem alles Heyl.  
  Jn einem steht mein Heil / in einem meine Ruh:
Drumb lauff ich mit Verlust viel dings dem Einen zu.
 
     
13. Die Eigenschafft der dreyen Stände.  
  Die Büsser flehn Gott an / die freyen danken jhm /
Die Bräute sind voll Lieb' und Ruh wie Seraphim.
 
     
14. GOtt giebt das groß' im kleinen.  
  Nimb was der HERR dir giebt / Er giebt das groß im kleinen /
Jn schlechten schlakken Gold / ob wirs zwar nicht vermeinen.
 
     
15. Uberschrifft der Heyligen Agatha.  
  Diß war die keusche Seel / die GOtt von freyer Hand
Geehrt hat / und erlöst ihr Volk und Vaterland.
 
     
16. Der Schnee in der Sonne.  
  Wie schöne gläntzt der Schnee wann jhn der Sonnenstrahlen
Mit Himmelischem Licht bestreichen und bemahlen!
So gläntzt auch deine Seel / so sie ist weiß wie Schnee:
Wann sie beschienen wird vom Aufgang auß der Höh.
 
     
17. Zu dem HErren JESU.  
  Jch nah mich HERR zu dir als meinem Sonneschein /
Der mich erleucht / erwärmt / und macht lebendig seyn.
Nahstu dich wiederumb zu mir als deiner Erden /
So wird mein Hertze bald zum schönsten Früling werden.
 
     
18. Der Tugend Ziel ist GOtt.  
  GOtt ist der Tugend Ziel / jhr antrieb / jhre Kron /
Jhr eintziges warumb / und ist auch all' jhr Lohn.
 
     
19. Ein gutt Gewissen.  
  Was ist ein gutter Muth der wol mit GOtte steht?
Ein stättes frölich seyn / und ewiges Panket.
 
     
20. Die Verlust.  
  Mensch schau die Lust der Welt / die Endet sich mit Peyn:
Wie kanstu jhr dann auch so gantz ergeben seyn?
 
     
21. Der unerkandte GOtt.  
  Was GOtt ist weiß man nicht: Er ist nicht Licht / nicht Geist /
Nicht Wonnigkeit / nicht Eins / nicht was man Gottheit heist:
Nicht Weißheit / nicht Verstand / nicht Liebe / Wille / Gütte:
Kein Ding / kein Unding auch / kein Wesen / kein Gemütte:
Er ist was ich / und du / und keine Creatur /
Eh wir geworden sind was Er ist / nie erfuhr.
 
     
22. An S. Augustin.  
  Halt an mein Augustin: Eh du wirst Gott ergründen /
Wird man das gantze Meer in einem Grüblein finden.
 
     
23. Göttliche beschauung.  
  Das überlichte Licht schaut man in diesem Leben
Nicht besser / als wann man ins dunkle sich begeben.
 
     
24. Die Uberformung.  
  Du must den Leib in Geist / den Geist in GOtt versetzen /
Wann du dich / wie dein Wuntsch / vollkömlich wilt ergötzen.
 
     
25. Die GOttesschauer.  
  Was thun die schauer GOtts? sie thun das in der Zeit /
Was andre werden thun dort in der Ewigkeit.
 
     
26. Moses.  
  Jch bitte dich mein GOtt zwar offt umb deine Gaben /
Doch wisse daß ich dich viel lieber selbst wil haben.
Drumb gieb mir was du wilt / es sey auch ewges Leben:
Giebstu mir dich nicht selbst / so hastu nichts gegeben.
 
     
31. Die glükseelige Musse.  
  Johannes an der Brust / MARIA bey den Füssen /
Thun alle zwey sonst nichts / als daß sie Gotts geniessen:
Wie wol sind sie daran! könt' ich so müssig seyn /
Jch regete mich nicht / fiel' auch der Himmel ein.
 
     
32. Eins jeden Element.  
  Jm Wasser lebt der Fisch / die Pflantzen in der Erden /
Der Vogel in der Lufft / die Sonn im Firmament:
Der Salamander muß im Feur erhalten werden:
Jm Hertzen JESU ich / als meinem Element.
 
     
33. Das Paradeiß auf Erden.  
  Du suchst das Paradeiß / und wüntschest hin zukommen /
Wo du von allem Leid und Unfried bist entnommen.
Befriedige dein Hertz / und mach es Rein und weiß:
So bistu selbst noch hier dasselbe Paradeiß.
 
     
34. GOtt lieben geht vor alles.  
  Laß einen alle Lust der gantzen Welt geniessen /
Und einen dreymal mehr als Salmon wuste wissen:
Laß einen Schöner seyn als Davids Absalon.
Gieb einen der mehr stärk' und Macht hat als Simson:
Und einen der mehr Gold als Croesus hat zuzeigen /
Und noch der alles kan wie Alexander beugen:
Ja der diß alles ist: So sag ich doch gantz frey:
Daß auch ein schlechter Mann der GOtt liebt besser sey.
 
     
35. Die tieffe / höhe / breite / und länge GOttes.  
  Durch Weißheit ist GOtt tieff / Breit durch Barmhertzigkeit /
Durch Allmacht ist er hoch / lang durch die Ewigkeit.
 
     
36. Beschauligkeit.  
  Sey rein / schweig / weich' und steig auf in die Dunkelheit /
So kommstu über alls zur GOtts beschauligkeit.
 
     
37. Bescheidenheit.  
  Das Richtscheid deß Gemütts ist die Bescheidenheit:
Wer sich nach jhr nicht mißt / der fehlt der Tugend weit.
 
     
38. GOtt nichts und alles.  
  GOtt ist ein Geist / ein Feur / ein Wesen und ein Licht:
Und ist doch wiederumb auch dieses alles nicht.
 
     
39. Der Gelassene ist schon Seelig.  
  Ein Mensch der Gott sich läst in allen fälln und weisen /
Den kan man warlich schon im Leibe seelig preisen.
 
     
40. Die Braut GOttes.  
  Die Braut deß Ewgen Gotts kan jede Seele werden:
Wo sie nur seinem Geist sich unterwirfft auf Erden.
 
     
41. Das Abendmahl deß Lambs.  
  Das Lamm das hat sein Mahl zur Abendszeit bestimt:
Warumb? weil man darauf zur Ewgen ruhe kömmt.
 
     
42. Maria.  
  Maria wird genennt ein Thron und Gotts Gezelt /
Ein' Arche / Burg / Thurn / Hauß / ein Brunn / Baum / Garten / Spiegel.
Ein Meer / ein Stern / der Mon / die Morgenröth / ein Hügel:
Wie kan sie alles seyn? sie ist ein' andre Welt.
 
     
43. Der Jünger den GOtt liebt.  
  Ein Mensch der gantz und gar sich abwendt von der Welt /
Und seinen Leib und Seel dem HErren heilig hält /
Stirbt noch vertirbet nicht / ob man jhm gleich vergibt.
Fragstu warumb? er ist der Jünger den er liebt.
 
     
44. Roth und Weiß.  
  Roth von deß HErren Blut wie Sammet Röselein /
Durch Unschuld weiß wie Schnee sol deine Seele seyn
 
     
45. Von Maria Magdalena an dem Creutze.  
  Wie daß die Magdalen das Creutze so umbschrenkt?
Es ist weil JESUS dran jhr Allerliebster hängt.
 
     
46. Auff die Wunden JESU.  
  Jch seh die Wunden an als offne Himmelspforten /
Und kan nunmehr hinein an fünff gewissen orten.
Wo komm ich aber straks bey meinem GOtt zustehn?
Jch wil durch Füß und Händ' ins Hertz der Liebe gehn.
 
     
47. Dort geht es anderst zu.  
  Hier hingt das Lamb am Creutz dort sitzts auf GOttesthron /
Hier trägts den Dornen krantz dort eine Kaiserkron:
Hier ist es Unterthan / dort herscht es über alle:
Hier thuts den Mund nicht auf / dort redts mit hellem schalle:
Hier weints / und dorte Lachts: drumb tröste dich mein Christ /
Daß sich dein Creutz verkehrt / wo du diß Lamm nur bist.
 
     
48. Das Creutz.  
  Jch habe mir das Creutz für allem Schatz erkiest /
Weils meines Leibes Pflug und Seelen Anker ist.
 
     
49. Die Herrligkeit Christi in dieser Welt.  
  Der Scepter ist ein Rohr / ein Dornenpusch die Kron /
Die Nägel aller Schmuk / ein tödlich Creutz der Thron:
Sein Blutt ists Purpurkleid / die Mörder die Trabanten /
Das Hoffgesind ein Schaum von Buben und Scherganten:
Der Mundtrank bittre Gall / die Music Hohn und Spott.
Diß ist die Herrligkeit die hier hat unser GOtt!
 
     
50. Die Schädelstädt.  
  Jst diß die Schädelstädt? wie kombt es dann daß hier
Die 1) Roß' und Lilge steht in unverwelckter Ziehr?
Und da der Lebensbaum? der Brunn mit den vier Flüssen?
Es ist das Paradiß: doch sey es was es wil:
Bey mir gilt diese städt unds Paradiß gleich viel.
1) Maria und Johannes.
     

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