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Johannis Angeli Silesij

Drittes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (151 - 200)

151. Der Heilige trauret nie. Anmerkungen
  Der Heilige kan nie im Geist betrübet seyn:
Warumb? er lobt GOtt stäts auch in der grösten Peyn.
 
     
152. Der Himmlische auf Erden.  
  Wer reines Hertzens ist / und Züchtig in Geberden /
Und hochverliebt in GOtt / ist Himmlisch auf der Erden.
 
     
153. Die Knechte Freunde und Kinder.  
  Die Knechte fürchten GOtt: die Freunde lieben jhn:
Die Kinder geben jhm jhr Hertz und allen Sin.
 
     
154. Vom S. Ignatius.  
  Wie daß Ignatius von Thieren wird zerrissen?
Er ist ein Weitzenkorn: GOtt wils gemahlen wissen.
 
     
155. Wegweiser zur Freuden.  
  Ein Hertze voller GOtt mit einem Leib voll Leyden /
Thut unß am besten kundt den Weg zur ewgen freuden.
 
     
156. Die Lieb ist über wissen.  
  Mit GOtt vereinigt seyn / und seinen Kuß genissen /
Jst besser als viel Ding ohn seine Liebe wissen.
 
     
157. S. Agneten Grabschrifft.  
  S. Agnes lieget hier / die Jungfrau und die Braut /
Die keinem andern Mann als Christo sich vertraut.
Doch / nein sie ligt nicht hier: wer sie wil sehen stehn /
Der muß so nah man kan zum Lämmlein GOttes gehn.
 
     
158. Die Jungfrauschafft muß fruchten.  
  GOtt liebt die Jungfrauschafft umb jhrer süssen Früchte.
Alleine läst Er sie nicht für sein Angesichte.
 
     
159. Die lieblichste Music.  
  Die lieblichste Music / die GOtt den Grim benimbt /
Entsteht wenn Hertz und Mund in jhm zusammen stimmt.
 
     
160. Die Lieb ist ewig.  
  Die Hoffnung höret auf. der Glaube kombt zum schauen /
Die Sprachen redt man nicht / und alles was wir bauen /
Vergehet mit der Zeit; die Liebe bleibt allein:
So last unß doch schon jetz auf sie befliessen seyn.
 
     
161. Was GOtt nicht kennet.  
  GOtt der sonst alles siht / und alles bringt ans Licht /
Kennt einen losen Mann und leere Jungfrau nicht.
 
     
162. Der Jrrwisch.  
  Wer ohne Liebe laufft / komt nicht ins Himmelreich:
Er springt bald hin bald her / ist einem Jrrwisch gleich.
 
     
163. Die geheime Widergeburt.  
  Auß Gott wird man gebohrn / in Christo stirbet man:
Und in dem heiligen Geist fäht man zu Leben an.
 
     
164. Die Lieb' ists Glaubens Seele.  
  Der Glaub allein ist Todt / Er kan nicht eher Leben /
Biß daß ihm seine Seel die Liebe wird gegeben.
 
     
165. Des GOttverliebten Wunsch.  
  Drey wünsch' ich mir zu seyn: erleucht wie Cherubim /
Geruhig wie ein Thron / entbrannt wie Seraphim.
 
     
166. Das Creutze.  
  Vor Zeiten war das Creutz die gröste Schmach und Hohn:
Nu trägts der Keiser selbst auf seinem Haupt und Kron!
 
     
167. Der Geitz ist manchmal gut.  
  Der Geitzhalß scharrt und kratzt umb zeitlichen Gewin:
Ach daß wir unß nicht so umb ewigen bemühn!
 
     
168. Die GOttheit.  
  Die GOttheit ist ein Brunn / auß jhr kombt alles her:
Und laufft auch wider hin / drumb ist sie auch ein Meer.
 
     
169. Die Busse.  
  Die Buß ist wie ein Strom / sie dämpfft mit ihren Wellen
Den grösten GOttes Zorn / und löscht das Feur der Höllen.
 
     
170. Vom Ewigen bewegen.  
  Du suchst mit solchem fleiß das ewige bewegen /
Und ich die Ewge ruh: woran ist mehr gelegen?
 
     
171. Ein Narr sucht vielerlei.  
  Der weise sucht nur eins / und zwar das höchste Gut:
Ein Narr nach vielerley / und kleinem streben thut.
 
     
172. Das edleste das gemeinste.  
  Je edeler ein ding / je mehr ist es gemein.
Das spüret man an GOtt und seiner Sonnenschein.
 
     
173. Das Merkmahl ist die Liebe.  
  Mensch wann du wilt im Volk die Freunde GOtts erfragen /
So schau nur welche Lieb' in Hertz und Händen tragen.
 
     
174. Nur GOtt sey dein warumb.  
  Nicht du / noch Freund / noch Feind / nur GOttes Ehr allein /
Sol eintzig dein warumb / und end-ursache seyn.
 
     
175. Was GOtt von Ewigkeit gethan.  
  Was that GOtt vor der Zeit in seinem Ewgen thron?
Er liebete sich selbst / und zeugte seinen Sohn.
 
     
176. Eins muß verlassen seyn.  
  Mensch anderst kans nicht seyn: du must's Geschöpffe lassen /
Wo du den Schöpffer selbst gedänkest zu umbfassen.
 
     
177. Die lange Marter.  
  Es ist den Märtyrern gar herrlich wol gelungen /
Daß sie durch kurtzen Tod zu GOtt sind eingedrungen:
Wir werden fort und fort die gantze Lebenszeit
Gemartert: Und von wem? von der begierlichkeit.
 
     
178. Wer reich im HErrn / den Lieb ich gern.  
  Den armen bin ich huld: doch lieb ich mehr die reichen /
Die keinem Fürstenthumb im Himmel dürffen weichen.
 
     
179. Vom Lieben.  
  Die Liebe diser Welt die endt sich mit betrüben:
Drumb sol mein Hertz allein die Ewge Schönheit lieben.
 
     
180. GOtt weiß jhm keinen Anfang.  
  Du fragst / wie lange GOtt gewest sey? umb bericht:
Ach schweig: es ist so lang' / Er weiß es selber nicht.
 
     
181. Auch von GOtt.  
  GOtt ist noch nie gewest / und wird auch niemals seyn /
Und bleibt doch nach der Welt / war auch vor jhr allein.
 
     
182. Es muß gestritten seyn.  
  Streit hurtig dapffrer Mann / biß du erlangst die Kron.
Wer in dem Streit erligt / hat ewig Spott und Hohn.
 
     
183. Beharrligkeit ist Noth.  
  Das gröste das ein Mensch bedarff zur seeligkeit /
(Wo er im gutten steht) ist die beharrligkeit.
 
     
184. Du must dich noch gedulden.  
  Erwart' es meine Seel: das Kleyd der Herrlichkeit
Wird keinem angethan in diser wüsten Zeit.
 
     
185. Der Weißheit Anfang mittel und Ende.  
  Die Furcht deß HErren ist der Weißheit anbeginn /
Jhr End' ist seine Lieb / jhr mittel kluger Sinn.
 
     
186. Haß und Liebe.  
  Das gutte Lieb' ich hoch / dem bösen bin ich feind:
Schau ob nicht Lieb und Haß wol bey einander seynd?
 
     
187. Man solle auffs höchste bringen.  
  Mein thun geht nur dahin / daß ich noch mög auf Erden
Maria / und ihr Kind der Sohn des höchsten werden.
 
     
188. Das Wort wird noch gebohrn.  
  Fürwahr das Ewge Wort wird heute noch gebohrn /
Wo da? da wo du dich in dir hast selbst verlohrn.
 
     
189. Johannes an der Brust.  
  Ach wer Johannes ist / der ligt nach aller Lust
Jn seines Meisters Schoß und süssen JEsus Brust!
 
     
190. Vom Sünder und Geiste GOttes.  
  Der Geist deß HErrn erfüllt den gantzen Erdenkreiß:
Wo ist der Sünder dann / der jhn nicht fühlt noch weiß?
 
     
191. GOtt liebt man nie zuviel.  
  Wer GOtt recht lieben wil / der thu's ohn maß und Ziehl /
Er ist so süß und gutt / man liebt jhn nie zu viel.
 
     
192. Drey Worte sind erschröklich.  
  Drey Worte schrökken mich: das Jmmer / Allezeit /
Und Ewig / seyn Verlohrn / Verdampt / Vermaledeit.
 
     
193. Die Liebe ist die beste.  
  Jch mag mich auf der Welt in keiner Kunst so üben /
Als wie ich meinen GOtt aufs innigste sol lieben.
 
     
194. Die Weißheit ist das beste Weib.  
  Begehrestu ein Weib / die prächtig reich und fein:
So nimb die Weißheit; nur sie wird dir alles seyn.
 
     
195. Die Welt ist von einer Jungfrau gemacht.  
  1) Von einer Jungfrau ist die gantze Welt gemacht:
Durch eine Jungfrau wird sie neu und wiederbracht.
1) Der Weißheit.
     
196. Die Weißheit und die Liebe.  
  Die Weißheit schauet GOtt / die Liebe küsset Jhn:
Ach daß ich nicht voll Lieb und voller Weißheit bin!
 
     
197. Die Weißheit ist GOttes Rath.  
  Wer die Geheimnüsse deß HErren gerne hat /
Der muß zur Weißheit gehn; sie ist geheimer Rath.
 
     
198. Auf Hoffnung säet man.  
  Man wirfft das Weitzenkorn auf Hoffnung in die Erden:
So muß das Himmelreich auch außgestreuet werden.
 
     
199. Die würkung der H. Dreyfaltigkeit.  
  Die Allmacht hält die Welt: die Weißheit die regiert;
Die Gütte segnet sie: wird hier nicht GOtt gespürt?
 
     
200. Der Weise redet wenig.  
  Ein Weiser / wann er redt was nutzet und behagt /
Ob es gleich wenig ist / hat viel genug gesagt.
 
     
   

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