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Johannis Angeli Silesij

Drittes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (101 - 150)

101. Das lebendige Todtengrab. Anmerkungen
  Mensch ist dein Antlitz schön / und deine Seele bleich /
So bistu lebendig den Todtengräbern gleich.
 
     
102. Der Weg zum Schöpffer.  
  Du armer sterblicher / ach bleib doch nicht so kleben /
Ann Farben dieser Welt / und jhrem schnöden Leben:
Die Schönheit deß geschöpffs ist nur ein blosser steg /
Der unß zum Schöpffer selbst / dem schönsten zeigt den Weg.
 
     
103. Gerechtigkeit macht Seelig.  
  Wer seelig werden wil / der muß mit weisser Seiden /
So zierlich als er kan / sein Leib und Seel bekleiden.
 
     
104. Grabschrifft einer heiligen Seelen.  
  Hier ligt die grosse Braut / der Menschheit Christi Lohn /
Der GOttheit Ehr und Ruhm / deß heilgen Geistes Thron.
 
     
105. Wie man GOttes Huld erlangt.  
  Jm munde Hönigseim / im Hertzen trage Gold /
Jnn Augen lautres Licht / so wird dir Christus hold.
 
     
106. An den Sünder.  
  Ach Sünder traue nicht / weil du die Magdalen
Befridigt und getrost von unsrem HErrn sihst gehn:
Du bist ihr noch nicht gleich: wiltu deß Trosts geniessen /
So lege dich zuvor wie sie zu seinen Füssen.
 
     
107. Ein unbeflekter Mensch ist über die Engel.  
  Ein Engel seyn ist viel; Noch mehr ein Mensch auf Erden /
Und nicht mit jhrem wust und Koth besudelt werden.
 
     
108. Der Volkomne ist nie frölich.  
  Mensch / ein Volkomner Christ hat niemals rechte freud
Auf diser Welt: warumb? Er stirbet allezeit.
 
     
109. Der Leib ist Ehren werth.  
  Halt deinen Leib in Ehrn / er ist ein edler Schrein /
Jn dem das Bildnüß GOtts sol aufbehalten seyn.
 
     
110. Der Seelige Sünder.  
  Kein Sünder ist so wol und seelig je gestorben /
Als der deß HErren gunst wie Magdalen erworben.
 
     
111. Das Menschliche Hertze.  
  GOtt / Teuffel / Welt / und alls wil in mein Hertz hinein:
Es muß ja wunder schön und grosses Adels seyn!
 
     
112. Das Hertz ist unermeßlich.  
  Ein Hertze welches sich vergnügt mit ort und Zeit /
Erkennet warlich nicht sein' unermäßlichkeit.
 
     
113. Der Tempel GOttes.  
  Jch bin der Tempel GOtts / und meines Hertzens schrein
Jsts allerheiligste / wann er ist leer und rein.
 
     
114. Die Uberformung.  
  Dann wird das Thier ein Mensch / der Mensch ein Englisch wesen /
Und dieses GOtt / wann wir Vollkömmlich seynd genesen.
 
     
115. Du must zuvor das seyn.  
  Mensch sol GOtt und sein Lamm dein Ewger Tempel seyn /
So mustu jhm zuvor dein Hertz zu einem weihn.
 
     
116. Der geistliche Opfferzeug.  
  Mein Hertz ist ein Altar / mein will' ists Opffer-Gutt /
Der Prister meine Seel / die Liebe Feur und Glutt.
 
     
117. Der Ekstein ist das beste.  
  Den Goldstein suchet man / und läst den Ekkestein /
Durch den man ewig reich / gesund / und klug kan seyn!
 
     
118. Der weisen Stein ist in dir.  
  Mensch geh nur in dich selbst. Denn nach dem Stein der weisen /
Darf man nicht allererst in frembde Lande reisen.
 
     
119. Der Ekstein macht was ewig wehrt.  
  Der Goldstein machet Gold das mit der Welt vergeht:
Der Ekstein einen Bau der ewiglich besteht.
 
     
120. Die beste Tingirung.  
  Den halt ich im Tingirn für Meister und bewehrt /
Der GOtt zu Lieb sein Hertz ins feinste Gold verkehrt.
 
     
121. Wir habens besser als die Engel.  
  Den Engeln geht es wol; noch besser uns auff Erden:
Denn keiner jhrs Geschlechts kan GOtts Gemahlin werden.
 
     
122. Das gröste Wunderwerk.  
  Kein grösser Wunderwerk hat man noch nie gefunden:
Als daß sich GOtt mit Koth (dem Menschen) hat verbunden.
 
     
123. GOtt geht doch etwas ab.  
  Man sagt / GOtt mangelt nichts / Er darff nicht unsrer gaben:
Jsts wahr / was wil Er dann mein armes Hertze haben?
 
     
124. Die geistliche Drachenstürtzung.  
  Wann du auß dir Verjagst die Sünd und jhr getümmel /
So wirfft St. Michael den Drachen auß dem Himmel.
 
     
125. Die Hoffart und Demut.  
  Die Hoffart wird gehast / die Demut wird geliebt:
Und doch ist kaum ein Mensch der sie für jener übt.
 
     
126. Der Weg zur Heiligkeit.  
  Der allernächste Weg zur wahren Heiligkeit /
Jst Demut auf dem Pfad der keuschen Reinigkeit.
 
     
127. Der Ewge Sabbath in der Zeit.  
  Ein Mensch der sich in sich in GOtt versamblen kan /
Der hebt schon in der Zeit den Ewgen Sabbath an.
 
     
128. Sich selbst regiern ist Königlich.  
  Ein Mensch der seine Kräfft' und Sinne kan regiern;
Der mag mit guttem recht den Königs Titel führn.
 
     
129. Der grade Weg zum Leben.  
  Wann du wilt grades Wegs ins Ewge Leben gehn /
So laß die Welt und dich zur linken Seiten stehn.
 
     
130. Der Mundtrank GOttes.  
  Der Trank den GOtt der HErr am allerliebsten trinkt /
Jst Wasser das für lieb auß meinen Augen dringt.
 
     
131. Das geheime Königreich.  
  Jch bin ein Königreich / mein Hertz das ist der Thron /
Die Seel ist Königin / der König GOttes Sohn.
 
     
132. Das Hertze.  
  Mein Hertze weil es stäts in GOtt gezogen steht /
Und jhn herwieder zeucht / ist Eisen und Magnet.
 
     
133. Von der H. Teresa.  
  Teresa wil sonst nichts als Leyden oder sterben:
Warumb? die Braut muß jhr den Bräutgam so erwerben.
 
     
134. Der liebste Mensch bey GOtt.  
  Der allerliebste Mensch den GOtt hat in der Zeit /
Jst der viel Creutz und Pein umb seinet willen leidt.
 
     
135. Ein Hertz umbschlisset GOtt.  
  Gar unaußmäßlich ist der Höchste wie wir wissen:
Und dannoch kan jhn gantz ein Menschlich Hertz umbschlissen!
 
     
136. Mittel zur Heiligkeit.  
  Dein Geist sey aufgespannt / dein Hertze leer und rein /
Demüttig deine Seel: so wirstu heilig seyn.
 
     
137. Die Lieb ist alle Tugenden.  
  Die Lieb ist nie allein / wer sich mit ihr beweibt /
Dem wird das gantze Chor der Jungfern einverleibt.
 
     
138. Die Lieb ist Todt.  
  Ach ach die Lieb ist todt! wie ist sie dann gestorben?
Für Frost / weil niemand sie geacht / ist sie verdorben.
 
     
139. Was man sucht das findt man.  
  Der Reiche suchet Gold / der arme suchet GOtt:
Gold find der arme Mensch warhafftig / jener Koth.
 
     
140. Das Königliche Leben.  
  Gib deinen willen GOtt: dann wer jhn aufgegeben /
Derselbe führt allein ein Königliches Leben.
 
     
141. Wir sollens GOtt wider seyn.  
  GOtt der bequämt sich unß / Er ist unß was wir wollen:
Weh unß / wann wir jhm auch nicht werden was wir sollen.
 
     
142. Jn Sanfftmuth wohnet GOtt.  
  Versänfftige dein Hertz. GOtt ist in starken Winden /
Jn Erdbewegungen / und Fewer / nicht zufinden.
 
     
143. Die Lampe muß recht brennen.  
  Ach Jungfrau schmücke dich / laß deine Lampe brennen:
Sonst wird der Bräutigam dich nicht für Braut erkennen.
 
     
144. Die Morgenröth' und Seele.  
  Die Morgenröth' ist schön / Noch schöner eine Seele /
Die GOttesstral durchleucht in jhres Leibes Höle.
 
     
145. GOtts süssester Geruch.  
  Der süsseste Geruch der GOtt so sehr beliebt /
Steigt auf vom Lob das jhm ein reines Hertze giebt.
 
     
146. Die Macht der Seelen.  
  Die Seel ist groß von Macht / GOtt selbst muß ihr gestehn /
Und kan jhr nimmermehr ohn jhren Willn entgehn.
 
     
147. GOtt wil alleine seyn.  
  Verschleuß GOtt in dein Hertz / laß keinen andern drein /
So muß er stäts bey dir und dein gefangner seyn.
 
     
148. GOtt ist mein Punct und Kreiß.  
  GOtt ist mein mittelpunct wenn ich Jhn in mich schlisse:
Mein Umbkreiß dann / wenn ich auß Lieb' in jhn zerflisse.
 
     
149. Das Hochzeit Kleyd ist noth.  
  Der Himmel thut sich auf / der Bräutgam komt gegangen!
O Braut wie wiltu jhn ohns Hochzeit Kleyd embfangen!
 
     
150. Die Last unds Joch deß HErren.  
  Süß ist deß HErren joch / und sanffte seine Last.
Wol dir / wann du sie stäts auf deinen Achseln hast
 
     
   

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