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Johannis Angeli Silesij

Drittes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime (051 - 100)

51. Braut und Bräutigam. Anmerkungen
  Ein Bräutgam seyn ist viel: noch mehr der Braut genissen /
Und jhren süssen Mund mit Hertzer-Liebe küssen:
Jch aber liebe mehr die Hochzeit / da ich Braut
GOtt meinem Bräutigam werd' innig eingetraut.
 
     
52. Grabschrifft der H. Jungfrauen Gertrudis.  
  Glaub hier in diesem Grab ligt nur ein blosser schein /
Es kan Gertrudis nicht wie man vermeinet seyn.
Wo sie nicht solt' jhr Grab im Hertzen JEsu haben /
So muste JEsus seyn auß jhrem ausgegraben.
 
     
53. Was GOtt am liebsten ist  
  Nichts ist das GOtt so sehr als eine Jungfrau liebt /
Daß er auch jhr sich selbst zur Frucht und Kind ergiebt:
Wilstu sein liebstes seyn noch hier auf dieser Erden /
So darffstu anders nichts als seine Jungfrau werden.
 
     
54. Auf das Bildnuß deß kleinen Johannes mit dem JEsus Kindlein.  
  Die grosse Lieblichkeit / mit welcher GOttes Kind /
Johannes / und das Lamb allhier gemahlet sind /
Macht daß ich jnniglich begehre gantz zuseyn /
Johannes / oder ja ein lautres Lämmelein.
 
     
55. An den Sünder.  
  O Sünder wann du wol bedächst das kurtze Nun /
Und dann die Ewigkeit / du würdst nichts böses thun.
 
     
56. Von dem GOttsbegierigen.  
  Dem GOttsbegierigen wird dieser Punct der Zeit
Viel länger als das seyn der gantzen Ewigkeit.
 
     
57. Des Christen Kriegens-Art.  
  Gewöhne dich mein Kind auf Christi Art zu kriegen /
So wirstu deinen Feind gar Ritterlich besiegen:
Wie da? mit Liebe streit / mit Sanfftmut und Geduld
Weich seinen streichen auß / und sey jhm gerne Huld.
 
     
58. Es muß gestritten seyn.  
  Freund wer den Himmel nicht erobert und bestürmt /
Der ist nicht wehrt daß jhn sein Oberster beschirmt.
 
     
59. Die Liebe zwinget GOtt.  
  Das Himmelreich wird leicht erobert / und sein Leben:
Belagre GOtt mit Lieb: Er muß dirs übergeben.
 
     
60. Majestät mit Liebe.  
  Wärs wahr daß Majestät nicht könte stehn mit Liebe;
So sage mir wie GOtt ein Ewger König bliebe?
 
     
61. Die Demut macht bestehn.  
  Mensch überheb dich nicht / die Demut ist dir noth:
Ein Thurn ohn rechten Grund fällt von sich selbst inn Koth.
 
     
62. Von S. Laurentius.  
  Verwundere dich nicht daß mitten auff der Glutt
St. Laurentz seinen Mund so unverzagt auffthut:
Die Flamme die jhm hat in jhm sein Hertz entzündt /
Macht daß er äuserlich das Kohl-Feur nicht empfindt.
 
     
63. An die H. Clara.  
  Wer dich genennet hat / hat dir den Nahmen geben /
Den du mit Wahrheit hast / hier und in jenem Leben.
 
     
64. An S. Augustin.  
  Die weil dein Hertz nach GOtt so lodert Augustin,
Nennt man dich billicher hinführo Seraphin.
 
     
65. Von Maria Magdalena.  
  Die Thränen welche du bey unsers HErren Füssen
Die nasse Magdalen so heuffig sihst vergissen /
Seind jhr zerschmoltznes Hertz: diß kränket sie allein /
Daß nicht jhr Seel und Leib gantz sollen Thränen seyn.
 
     
66. Von der Allerseeligsten Jungfrauen.  
  Der Jungfräuliche Leib / der unser Himmelbrodt
Jn sich beschlossen hilt / ist warlich nicht mehr Todt.
Es fault kein Cederbaum: so wär' es auch nicht fein /
Wann ausserm Tempel GOtts sein' Arche solte seyn.
 
     
67. An Sanct Bernhard.  
  Bernhard weil mit dem Mund dein Hertz stimmt überein /
So kan es anders nichts als lauter JEsus seyn.
 
     
68. Die Seeligkeit.  
  Was ist die Seeligkeit? Ein zufluß aller Freuden;
Ein stätes anschaun Gotts; Ein lieben ohn Verdruß;
Ein Leben ohne Tod; Ein süsser JEsus-Kuß:
Nicht einen Augenblik vom Bräutigam seyn gescheiden.
 
     
69. Deß heiligen Reichthumb.  
  Sey arm / der Heylige hat nichts in dieser Zeit /
Als was er ungern hat / den Leib der Sterblichkeit.
 
     
70. GOtt der freygebigste.  
  GOtt gibt sich ohne maß: Je mehr man jhn begehrt /
Je mehr und mehr Er sich erbietet und gewehrt.
 
     
71. Jrrdischer Seraphin.  
  Du bist ein Seraphin noch hier auf dieser Erden:
Wo du dein Hertze läst zu lauter Liebe werden.
 
     
72. Ewiges Leben in der Zeit.  
  Wer GOtt in allem Thun von Hertzen Loben kan /
Der hebt schon in der Zeit das Ewge leben an.
 
     
73. Von S. Bartholomi.  
  Sag ob auch jemand ist / der mehr verlassen kan /
Als S. Bartholomé zur Leydenszeit gethan?
Die andern liessen zwar dem Herrn zu Ehrn jhr Leben:
Er aber hat auch noch die Haut darzu gegeben.
 
     
74. Der Frommen und Bösen Eigenthum.  
  Die Fromen haben gar nichts Eignes in der Welt /
Und die Gottlosen nichts im Ewgen Himmels Zelt.
 
     
75. Das köstlichste Grab.  
  Kein Grab ist köstlicher biß heute zu gewesen /
Als was von Lazari deß armen wird gelesen:
Und doch verlang' ichs nicht: ich wünsche mir allein
Jn meines Heylands Schoß tief einversenkt zu seyn.
 
     
76. Die Seel ist GOttes bild.  
  Das Bildnüß GOttes ist der Seelen eingeprägt /
Wol dem der solche Müntz' in reiner Leinwand trägt.
 
     
77. Der Rosenobel.  
  Wie Thöricht ist der Mensch / der Gold für GOtt erkiest:
Und weiß daß seine Seel ein Rosenobel ist.
 
     
78. Die Geistliche Sulamith.  
  GOtt ist mein Salomon, ich seine Sulamith,
Wenn ich jhn hertzlich Lieb' / und Er sich mir entbiet.
 
     
79. Die geistliche Hochzeit.  
  Die Braut ist meine Seel; der Bräutgam GOttes-Sohn;
Der Priester Gottes Geist / und seiner Gottheit Thron
Jst der VermählungsOrt: der Wein der mich macht trunken /
Jst meines Bräutgams Blutt / die Speisen allzumal
Sind sein Vergöttet Fleisch / die Kammer und der Saal /
Und's Bett'/ ist's Vatters Schoß / in der wir seind versunken.
 
     
80. GOtt kan nicht alls Allein.  
  GOtt der die Welt gemacht und wider kan zunichten:
Kan nicht ohn meinen willn die Neugeburth ausrichten.
 
     
81. Der beste Wucherer.  
  Dem Wuchrer fall ich bey der jhm sovil erlauffen /
Daß er jhm kan ein Gutt im Himmelreich erkauffen.
 
     
82. Ein jeders von dem seinen.  
  Der Schiffmann redt vom Meer / der Jäger von den Hunden /
Der Geitzige von Gold / und ein Soldat von Wunden:
Mir weil ich bin Verliebt / wil anders nichts gebührn /
Als GOtt und seine Lieb im Munde stätts zuführn.
 
     
83. Der gröste Titel.  
  Wer meiner Seele wil den grösten Titel geben /
Der nenn sie GOttes Braut / sein Hertze / Schatz und Leben.
 
     
84. Von den Rosen.  
  Die Rosen seh ich gern: denn sie sind weiß und roth /
Und voller Dornen / wie mein Blutt-Bräutgam mein GOtt.
 
     
85. Du solt seyn Weiß und Roth.  
  Von Hertzen wünsch ich mir ein Hertze / HErr mein GOtt /
Jn deiner Unschuld weiß / von deinem Blutte roth.
 
     
86. Auch untern Dornen blühen.  
  Christ / so du Unverwelkt in Leyden Creutz und Pein /
Wie eine Rose blühst / wie seelig wirstu seyn!
 
     
87. Dich auffthun wie die Rose.  
  Dein Hertz empfähet GOtt mit alle seinem Gutt /
Wann es sich gegen jhm wie eine Ros' aufthut.
 
     
88. Es muß Gecreutzigt seyn.  
  Freund wer in jener Welt wil lauter Rosen brechen /
Den müssen vor allhier die Dornen gnugsam stechen.
 
     
89. Die Schönheit.  
  Die Schönheit lieb' ich sehr: doch nenn ich sie kaum schön /
Jm fall' ich sie nicht stätts seh' untern Dornen stehn.
 
     
90. Jetzt mustu blühen.  
  Blüh auf gefrorner Christ / der Mäy ist für der Thür:
Du bleibest ewig Todt / blühstu nicht jetzt und hier.
 
     
91. Die geheimbe Rose.  
  Die Ros' ist meine Seel / der Dorn deß Fleischeslust /
Der Frühling Gottes gunst / sein Zorn ist Kält und Frost:
Jhr blühn ist guttes thun / den Dorn jhr Fleisch nicht achten /
Mit Tugenden sich ziehrn / und nach dem Himmel trachten:
Nimmt sie die Zeit wol wahr / und blüht weils Frühling ist /
So wird sie ewiglich für GOttes Ros' erkiest.
 
     
92. Das edleste und schnödeste.  
  Nichts Edlers ist nach GOtt als meine Seel allein:
Wendt sie sich von jhm ab / so kan nichts schnöders seyn.
 
     
93. Das gröste Heiligthum.  
  Kein grösser Heiligthum kan man auf Erden finden /
Als einen keuschen Leib mit einer Seel ohn Sünden.
 
     
94. Das wehrteste.  
  Kein ding ist auf der Welt so hoch und wehrt zuachten /
Als Menschen die mit fleiß nach keiner Hochheit trachten.
 
     
95. Das Schädlichste.  
  Die Sünde weil sie GOtt erzörnt / und dich verletzt /
Wird billich schädlicher als Satan selbst geschätzt.
 
     
96. An den Sünder.  
  Der reichste Teuffel hat nicht einen Kieselstein:
Du bist des ärmbsten Sclav: kan auch was ärmers seyn?
 
     
97. Die glükseelige Sünden.  
  Glükseelig preiß ich dich und alle deine Sünden /
Wo sie nur endlich das / was Magdalene finden.
 
     
98. Sich nicht verstellen ist nicht sündigen.  
  Was ist nicht sündigen? du darffst nicht lange fragen:
Geh hin / es werdens dir die stummen Blumen sagen.
 
     
99. Ein reines Hertz schaut GOtt.  
  Der Adler siht getrost grad in die Sonn hinein:
Und du inn Ewgen blitz / im fall dein Hertz ist rein.
 
     
100. Die Sanfftmut besitzt das Erdreich.  
  Du strebst so embsiglich nach einem Fleklein Erden:
Durch Sanfftmut köntestu der gantzen Erbherr werden.
 
     
   

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