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Johannis Angeli Silesij

Andertes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-reime (151 - 200)

151. Des Christen Edlestes. Anmerkungen
  Was ist das Edelste? Was ist das fein-Perlein
Des Neugebornen Christs? Jhm allzeit gleiche seyn.
 
     
152. Das Allergöttlichste.  
  Kein ding ist Göttlicher (im fall du es kanst fassen /)
Als jetzt und ewiglich sich nicht bewegen lassen.
 
     
153. Die Ewigkeit.  
  Was ist die Ewigkeit? Sie ist nicht diß / nicht das /
Nicht Nun / nicht Jchts / nicht Nichts / sie ist / ich weiß nicht was.
 
     
154. Ein Stern geht vor die Sonne.  
  Jch frage nicht so viel nach tausend Sonneschein /
Wenn ich nur mag ein Stern inn Augen JEsu seyn.
 
     
155. Es ligt an dir allein.  
  Ach Mensch versäum dich nicht: es ligt an dir allein /
Spring auf durch GOtt / du kanst der gröst' im Himmel seyn.
 
     
156. GOtt kennt man durch die Sonne.  
  Die Sonn ist nur ein Glast / und alles Liecht ein schein:
Was muß doch für ein Blitz / GOtt meine Sonne seyn!
 
     
157. GOtt schauet man an sich.  
  Wie ist mein GOtt gestalt? Geh schau dich selber an /
Wer sich in GOtt beschaut / schaut Gott warhafftig an.
 
     
158. Die Seele kombt von GOtt.  
  Die Seel ist eine Flamm auß GOtt dem Blitz gegangen: 4)
Ach solte sie dann nicht in Jhn zurük gelangen.
4) intellige creaturaliter.
     
159. Der Geist ist wie das wesen.  
  Mein Geist ist wie ein seyn: er ahnt dem wesen nach /
Von dem er urgestand / und Anfangs aufgebrach.
 
     
160. Der Geist stirbt nimmermehr.  
  Der Geist lebt in sich selbst: gebricht jhm gleich das Licht /
(Wie ein verdammter wird) so stirbet er doch nicht.
 
     
161. Jm jnnern Wohnt man wol.  
  Was meines Geistes Geist / meins wesens wesen ist /
Das ists / das ich für mich zur Wohnung hab erkiest.
 
     
162. Hinein kehr deine Strahlen.  
  Ach kehrt nur meine Seel jhr Flammen umb und ein!
So wird sie mit dem Blitz / bald Blitz und Eines seyn.
 
     
163. GOtt würket wie das Fewr.  
  Das Fewer schmeltzt und eint: sinckstu inn Ursprung ein /
So muß dein Geist mit GOtt in Eins geschmeltzet seyn.
 
     
164. Die Unschuld brennet nicht.  
  Entschulde dich durch Gott: die Unschuld bleibt bewehrt /
Und wird in Ewigkeit von keiner Glutt verzehrt.
 
     
165. Ein Tröpfflein ist genug.  
  Der nur ein tröpfflein Bluts auß Christo kan geniessen /
Der muß gantz seeliglich mit Jhm in GOtt zerflissen.
 
     
166. Die Boßheit hat kein wesen.  
  Mensch wenn du durch das Blutt deß Lammes bist genesen /
So bistu ewiglich kein böser Mensch gewesen.
 
     
167. Der Mittler ist nur JEsus.  
  Jch weiß kein mittel nicht als meinen JEsum Christ:
Sein Blutt das ists / in dem sich GOtt in mich ergist.
 
     
168. Eins ist so Alt als das andre.  
  Ein Kind / das auf der Welt nur eine Stunde bleibt /
Das wird so Alt / als man Matusalem beschreibt.
 
     
169. Die Gleichheit schauet Gott.  
  Wem nichts wie alles ist / und alles wie ein nichts:
Der wird gewürdiget deß Liebsten Angesichts.
 
     
170. Die scheidung muß geschehn.  
  Die Unschuld ist ein Gold das keine Schlakken hat:
Entzeuch dich auß dem Kiß / so bistu's in der that.
 
     
171. Der Adler fleuget hoch.  
  Ja wer ein Adler ist / der kan sich wol erschwingen /
Und über Seraphim durch tausend Himmel dringen.
 
     
172. Ein Phoenix sol man seyn.  
  Jch wil ein Phoenix seyn / und mich in GOtt verbrennen /
Damit mich nur nichts mehr von Jhme könne trennen.
 
     
173. Die Schwachen müssen warten.  
  Du armes Vögelein / kanstu nicht selber fliegen /
So bleibe mit Geduld biß du mehr krafft hast ligen.
 
     
174. Es wil geübet seyn.  
  Versuch mein Däubelein mit übung lernt man viel:
Wer nur nicht sitzen bleibt / der kombt doch noch zum Ziel.
 
     
175. Der Geist fährt in die Wüste.  
  Kanstu dich auf den Geist in deinem Heyland schwingen /
So wird er dich mit sich in seine Wüste bringen.
 
     
176. Beständig muß man seyn.  
  Verstockt ist halb verlohrn: doch wer im gutten kan
Ein Stok und Eysen seyn / steht auf deß Lebens bahn.
 
     
177. Es wird nicht alls gerichtet.  
  Die Menschen die in Gott mit Christo sind verschlungen /
Sind durchs Gericht' und Tod gantz seelig durchgedrungen.
 
     
178. Alls steht im Jch und Du / (Schöpffer und Geschöpffe).  
  Nichts ist als Jch und Du: und wenn wir zwey nicht seyn /
So ist GOtt nicht mehr GOtt / und fällt der Himmel ein. 5)
5) Besihe den Begihrer am Ende.
     
179. Es sol ein Einigs werden.  
  Ach ja! wär' ich im Du / und du im ich ein Ein;
So möchte Tausendmahl der Himmel Himmel seyn.
 
     
180. Der Mensch ist nichts / GOtt alles.  
  Jch bin nicht Jch noch Du: Du bist wol Jch in mir:
Drumb geb ich dir mein GOtt allein die Ehrgebühr.
 
     
181. Der Sünder ist verblendt.  
  Der Sünder sihet nichts: je mehr er laufft und rennt
Jn seiner Eigenheit / je mehr er sich verblendt.
 
     
182. GOtt ist alles gegenwärtig.  
  Es ist kein Vor noch Nach: was Morgen sol geschehn /
Hat GOtt von Ewigkeit schon wesentlich gesehn.
 
     
183. Jn der mitten siht man alles.  
  Setz dich in Mittelpunct / so sihstu alls zugleich /
Was jetz und dann geschieht / hier und im Himmelreich.
 
     
184. Der Cherubin schaut nur auf GOtt.  
  Wer hier auf niemand siht / als nur auf GOtt allein:
Wird dort ein Cherubin bey seinem Throne seyn.
 
     
185. Der Sohn und Gnadenthron.  
  Weg mit dem Schattenstul: der Eingebohrne Sohn /
Jst nun in mir das selbst / und mein Versöhnungsthron.
 
     
186. Man sol GOtt nit versuchen.  
  Sey Züchtig / Keusch und Still: wer unbedachtsam rennt /
Wird von der Majestät gestürtzet und verbrennt.
 
     
187. Jch darf kein Fern-Gesicht.  
  Freund / so ich für mich selbst kan in die weite sehn:
Was darf es dann erst durch dein fernGesicht geschehn?
 
     
188. Man mißt das wesen nicht.  
  Es ist kein Anfang nicht / es ist auch nicht ein Ende /
Kein Mittelpunct noch kreiß / wie ich mich jmmer wende.
 
     
189. Der Anfang findt das Ende.  
  Wann GOtt sich mit mir Mensch vereinigt und verbindt /
So siht der Anbegin daß er sein Ende findt.
 
     
190. Von GOtt.  
  GOtt der geneust sich selbst / wird seiner auch nicht satt /
Weil Er an sich allein die höchste gnüge hat.
 
     
191. Verbothnes muß man meyden.  
  Wer sich nicht mit der Frucht die GOtt verbothen speist /
Wird auß dem Paradeiß nicht einen tritt verweist.
 
     
192. Rechtschaffen muß man seyn.  
  Ach Bruder werde doch: was bleibstu Dunst und Schein?
Wir messen wesentlich ein Neues worden seyn.
 
     
193. Der Sieg ist wesentlich.  
  Mensch weil es nicht im wolln und eygnem Lauffen ligt /
So mustu thun wie GOtt / der ohne willen Sigt.
 
     
194. Das Licht gibts zu erkennen.  
  Geh / ruff dem Morgenstern: denn wann der Tag anbricht /
So siehet man erst recht was Schön ist oder nicht.
 
     
195. Regiern ist Königlich.  
  Wer wol regieren kan im Streit / in Freud' und Pein:
Der wird in GOttes Reich ein ewger König seyn.
 
     
196. Die Demut ist sehr gut.  
  Jch mag kein König seyn; und so ich es je muß /
So werf ich mich doch straks mein Gott für deinen Fuß.
 
     
197. Verläugnung seiner selbst.  
  HErr nihm die Krone hin; Jch weiß ja nichts vom Mein:
Wie kan sie dann mit recht mein' und nicht deine seyn?
 
     
198. GOtt spielt mit dem Geschöpffe.  
  Diß alles ist ein Spiel / das Jhr die GOttheit macht:
Sie hat die Creatur umb Jhret willn erdacht.
 
     
199. Auch GOtt verläugnet sich.  
  Wenn Gott zum Heilgen spricht: du du hast mich erzihlt:
Sag / ob er nicht mit jhm recht der Verläugnung spielt? 6)
6) Matth. 25. Weil GOtt jhm Gnade und Krafft darzu gegeben; oder es selbst durch seinen Geist in jhm dem Menschen gethan.
     
200. Die Aufgegebenheit.  
  Wer seine Seele hat verlohren und vergeben /
Der kan gantz seeliglich mit GOtt die wette leben.
 
     
   

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