literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Johannis Angeli Silesij

Erstes Buch, Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime (251 - 302)

251. Das liebste Kind GOttes. Anmerkungen
  Sag wie ich möge seyn deß Vaters liebstes Kind?
Wann Er sich selbst und alls / und Gottheit in dir findt.
 
     
252. Die Göttliche Kindtschafft.  
  Jst GOttes GOttheit mir nicht jnniglich gemein /
Wie kan ich dann sein Kind / und Er mein Vater seyn?
 
     
253. Der Kinder ists Himmelreich.  
  Christ so du kanst ein Kind von gantzem Hertzen werden /
So ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden.
 
     
254. Die Kindheit und GOttheit.  
  Weil sich die GOttheit hat in Kindheit mir erzeigt /
Bin ich der Kindheit und der Gottheit gleich geneigt.
 
     
255. Kind und GOtt.  
  Kind oder GOtt gilt gleich: hastu mich Kind genennt /
So hastu GOtt in mir / und mich in GOtt bekennt.
 
     
256. Die widergiltliche Kind- und Vatterschafft.  
  Jch bin GOtts Kind und Sohn / Er wider ist mein Kind:
Wie gehet es doch zu daß beide beides sind!
 
     
257. Die Dreyeinigkeit in der Natur.  
  Daß GOtt Dreyeinig ist / zeigt dir ein jedes Kraut /
Da Schwefel / Saltz / Mercur / in einem wird geschaut.
 
     
258. Das Tingiren.  
  Betrachte das Tingirn / so sihstu schön und frey /
Wie dein' Erlösung / und wie die Vergöttung sey.
 
     
259. Die GOttheit und Menschheit.  
  Die Ewge GOttheit ist der Menschheit so verpflicht!
Daß Jhr auch ohne sie Hertz / Muth und Sinn gebricht.
 
     
260. Heut ist der Tag des Heyls.  
  Braut auf der Bräutgam komt! Man geht nicht mit jhm ein /
Wo man deß Augenbliks nicht kan bereitet seyn.
 
     
261. Die Hochzeit deß Lammes.  
  Die Mahlzeit ist bereitt / das Lamm zeigt seine Wunden:
Weh dir / hastu noch nicht GOtt deinen Bräutgam funden.
 
     
262. Das Hochzeitliche Kleid.  
  Das Hochzeitkleid ist GOtt und seines Geistes liebe:
Zeuchs an / so weicht von dir was deinen Geist macht trübe.
 
     
263. GOtt forscht sich niemals auß.  
  Die Ewge GOttheit ist so reich an Rath und That /
Daß sie sich selbst noch nie gantz außgeforschet hat.
 
     
264. Die Creaturen sind GOttes Widerhall.  
  Nichts weset ohne Stimm: Gott höret überall /
Jn allen Creaturn / sein Lob und Widerhall.
 
     
265. Die Einigkeit.  
  Ach daß wir Menschen nicht wie die Waldvögelein /
Ein jeder seinen thon mit lust zusammen schreyn!
 
     
266. Dem Spötter tauget nichts.  
  Jch weiß die Nachtigal strafft nicht des GukGuks thon:
Du aber / sing ich nicht wie du / sprichst meinem Hohn.
 
     
267. Ein ding behagt nicht immer.  
  Freund / solln wir allesambt / nur jmmer Eines schreyn /
Was wird diß für ein Lied / und für Gesinge seyn?
 
     
268. Veränderung steht fein.  
  Je mehr man Unterscheid der Stimmen vor kan bringen:
Je wunderbahrlicher pflegt auch das Lied zuklingen.
 
     
269. Bey GOtt ist alles gleiche.  
  Gott giebet so genau auf das koaxen acht /
Als auf das direlirn / das ihm die Lerche macht.
 
     
270. Die Stimme GOttes.  
  Die Creaturen sind deß Ewgen Wortes Stimme:
Es singt und klingt sich selbst in Anmuth und im Grimme.
 
     
271. An GOtt ist nichts Creatürlichs.  
  Liebstu noch was an Gott / so sprichstu gleich dabey /
Daß Gott dir noch nicht Gott und alle dinge sey.
 
     
272. Der Mensch ist Gottes gleichnüß.  
  Was Gott in Ewigkeit begehrn und wünschen kan /
Das schauet Er in mir als seinem gleichnüß an.
 
     
273. Steig über die Heiligkeit.  
  Die Heiligkeit ist gutt: wer drüber kommen kan /
Der ist mit Gott und Mensch am allerbesten dran.
 
     
274. Der Zufall muß hinweg.  
  Der Zufall muß hinweg / und aller falscher schein:
Du must gantz wesentlich und Ungefärbet seyn.
 
     
275. Der Mensch bringt alles in GOtt.  
  Mensch alles liebet dich; umb dich ists sehr gedrange:
Es lauffet alls zu dir / daß es zu Gott gelange.
 
     
276. Eins des andern Anfang und Ende.  
  Gott ist mein letztes End: Wenn ich sein Anfang bin /
So weset er auß mir / und ich vergeh in Jhn.
 
     
277. Das Ende GOttes.  
  Daß Gott kein ende hat / gesteh ich dir nicht zu:
Denn schau / Er sucht ja mich / daß er in mir beruh.
 
     
278. GOttes ander-Er.  
  Jch bin Gotts ander-Er / in mir findt Er allein
Was Jhm in Ewigkeit wird gleich und ähnlich seyn.
 
     
279. Die Jchheit schaffet nichts.  
  Mit Jchheit suchestu bald die bald jene sachen:
Ach lissest du's doch Gott nach seinem willen machen!
 
     
280. Der wahre weisen Stein.  
  Dein stein Chymist ist nichts: der Ekstein den ich mein /
Jst meine Gold Tinctur, und aller weisen Stein.
 
     
281. GOttes Gebotte sind nicht schwer.  
  Mensch lebestu in Gott / und stirbest deinem willen /
So ist dir nichts so leicht / als sein Gebott erfüllen.
 
     
282. Jn GOtt der beste Stand.  
  Was hilfft michs daß den Herrn die Morgensterne Loben /
So ich nicht über sie in Jhn bin aufgehoben.
 
     
283. GOtt ist über Heilig.  
  Schreyt hin Jhr Seraphin / das was man von euch list:
Jch weiß daß Gott mein Gott noch mehr als Heilig ist.
 
     
284. Uber alle erkändtnüß sol man kommen.  
  Was Cherubin erkennt / das mag mir nicht genügen /
Jch wil noch über Jhn / wo nichts erkandt wird / fliegen.
 
     
285. Das erkennende muß das erkannte werden.  
  Jn GOtt wird nichts erkandt: Er ist ein Einig Ein.
Was man in Jhm erkennt / das muß man selber seyn.
 
     
286. Jmmer weiter.  
  Maria ist hochwehrt: doch kan ich höher kommen /
Als sie und alle Schaar der Heiligen geklommen. 1)
1) Christus ist unser höchstes Ziehl.
     
287. Die Schönheit.  
  Die Schönheit ist ein Licht: je mehr dir Licht gebrist /
Je greulicher du auch an Leib und Seele bist.
 
     
288. Die gelassene Schönheit.  
  Jhr Menschen lernet doch vonn Wisenblümelein /
Wie jhr könt Gott gefalln / und gleichwol schöne seyn. 2)
2) Denn sie nehmen sich jhrer schönheit nicht an.
     
289. Ohne warumb.  
  Die Ros' ist ohn warumb / sie blühet weil sie blühet /
Sie achtt nicht jhrer selbst / fragt nicht ob man sie sihet.
 
     
290. Laß GOtt sorgen.  
  Wer schmückt die Lilien? Wer speiset die Narcissen?
Was bist dann du mein Christ auf dich so sehr beflissen?
 
     
291. Der Gerechte.  
  Daß der gerechte Mensch wächst wie ein Palmenbaum
Verwundet ich mich nicht; nur daß er noch findt raum!
 
     
292. Der Seeligen Lohn.  
  Was ist der Seelgen Lohn? Was wird mir nach dem Streit?
Es ist die Lilie der lautern Göttligkeit.
 
     
293. Wenn man Vergöttet ist.  
  Mensch / wann dich weder Lieb berührt / noch Leid verletzt /
So bistu recht in GOtt / und GOtt in dich versetzt
 
     
294. GOtt ist ohne Willen.  
  Wir bethen es gescheh mein Herr und Gott dein wille:
3) Und sih / Er hat nicht will': Er ist ein Ewge stille.
3) Versteh einen zufälligen willen: denn was GOtt will das wil Er wesentlich.
     
295. Es mus in dir vor seyn.  
  Mensch wird das Paradiß in dir nicht erstlich seyn /
So glaube mir gewiß / du kommest nimmer drein.
 
     
296. Die Nächsten GOttes gespielen.  
  Gott' ist nicht alles nah: die Jungfraw und das Kind /
Die zwey die sinds allein die Gottsgespielen sind.
 
     
297. Nicht Nakt und doch unbekleidt.  
  Nakt darf ich nicht für Gott; und muß doch unbekleidt
Jns Himmelreich eingehn / weil es nichts fremdes leidt.
 
     
298. Das Himmelreich ist innwendig in uns.  
  Christ mein wo lauffstu hin? der Himmel ist in dir.
Was suchstu jhn dann erst bey eines andern Thür?
 
     
299. Mit schweigen höret man.  
  Das Wort schallt mehr in dir / als in deß andern Munde:
So du jhm schweigen kanst / so hörstu es zur Stunde.
 
     
300. Trink auß deinem eignen Bronnen.  
  Wie thöricht thut der Mann der auß der Pfütze trinkt /
Und die Fonteine läst / die Jhm im Hauß entspringt.
 
     
301. Die Kinder GOttes.  
  Weil Gotteskinder nicht das eigne Lauffen lieben /
So werden sie von jhm und seinem Geist getrieben.
 
     
302. Stehn ist zurükke gehn.  
  Wer in den Wegen GOtts gedächte still zustehn /
Der werde hintersich und ins Verderben gehn.
 
     


zurück

Inhalt

vor