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Johannis Angeli Silesij

Erstes Buch, Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime (201 - 250)

201. Warumb wird GOtt gebohrn? Anmerkungen
  O Unbegreifflichkeit! GOtt hat sich selbst verlohrn /
Drumb wil er widerumb in mir seyn Neugebohrn.
 
     
202. Die hohe Würdigkeit.  
  O hohe Würdigung! GOtt springt von seinem Thron /
Und setzet mich darauf in seinem lieben Sohn.
 
     
203. Jmmer dasselbige.  
  Jch ward das was ich war / und bin was ich gewesen /
Und werd' es ewig seyn / wenn Leib und Seel genesen.
 
     
204. Der Mensch ists höchste Ding.  
  Nichts dünkt mich hoch zu seyn: Jch bin das höchste Ding /
Weil auch GOtt ohne mich Jhm selber ist gering.
 
     
205. Der Ort ist das Wort.  
  Der ort und's Wort ist Eins / und wäre nicht der ort /
(Bey Ewger Ewigkeit!) es wäre nicht das Wort.
 
     
206. Wie heist der Neue Mensch?  
  Wiltu den Neuen Mensch und seinen Namen kennen /
So frage GOtt zuvor wie er pflegt sich zunennen.
 
     
207. Die schönste Gasterey.  
  O süsse Gasterey! GOtt selber wird der Wein /
Die Speise / Tisch / Musik / und der bediener seyn!
 
     
208. Die seelige Völlerey.  
  Zu viel ist niemals gutt / ich hasse Völlerey!
Doch wünsch' ich daß ich GOtts so Voll als Jesus sey!
 
     
209. Wie der Mund so der Trank.  
  Die Hure Babylon trinkt Blutt / und trinkt den Tod:
O grosser unterscheid! Jch trinke Blutt und GOtt.
 
     
210. Je auffgegebner je Göttlicher.  
  Die Heilgen sind so viel von Gottes Gottheit trunken /
So viel sie sind in jhm verlohren und versunken.
 
     
211. Das Himmelreich ist der Gewaltsamen.  
  Nicht GOtt gibts Himmelreich: du selbst musts zu dir ziehn /
Und dich mit gantzer macht und Eyfer drumb bemühn.
 
     
212. Jch wie GOtt / GOtt wie ich.  
  GOtt ist das was Er ist: Jch was ich durch ihn bin:
Doch kennstu einen wol / so kenstu mich und Jhn.
 
     
213. Die Sünde.  
  Der durst ist nicht ein Ding / und doch kan er dich plagen:
Wie sol dann nicht die Sünd den bösen Ewig Nagen?
 
     
214. Die Sanfftmuth.  
  Die Sanfftmut ist ein sammt auf dem GOtt ruht und liegt:
Er dankt dir / bistu sie / daß er sein Polster kriegt.
 
     
215. Die Gerechtigkeit.  
  Was ist Gerechtigkeit? das / welches allen gleich
Sich gibt / entbeutht / geläst / hier und im Himmelreich.
 
     
216. Die Vergöttung.  
  GOtt ist mein Geist / mein Blutt / mein Fleisch / und mein Gebein:
Wie sol ich dann mit jhm nicht gantz durchgöttet seyn?
 
     
217. Würken und Ruhn ist recht Göttlich.  
  Fragstu was Gott mehr liebt / jhm würken oder ruhn?
Jch sage daß der Mensch / wie GOtt / sol beides thun.
 
     
218. Das Göttliche Sehen.  
  Wer in dem Nächsten nichts als Gott und Christum siht:
Der sihet mit dem Licht das auß der Gottheit blüht.
 
     
219. Die Einfalt.  
  Die Einfalt ist so wehrt / daß wann sie GOtt gebricht /
So ist er weder GOtt noch Weißheit / noch ein Licht.
 
     
220. Jch auch zur rechten GOttes.  
  Weil mein Erlöser hat die Menschheit aufgenommen /
So bin auch Jch in Jhm zur rechten GOttes kommen.
 
     
221. Der Glaube.  
  Der Glaube Senffkorns groß versetzt den Berg ins Meer:
Dänkt was Er könte thun / wann er ein kürbis wär!
 
     
222. Die Hoffnung.  
  Die Hoffnung ist ein Seil: könt' ein Verdambter hoffen:
GOtt züg jhn auß dem Pful in dem er ist ersoffen.
 
     
223. Die Zuversicht.  
  Die Zuversicht ist gut / und das Vertrauen fein:
Doch / bistu nicht gerecht / so bringt es dich in Pein.
 
     
224. Was GOtt mir / bin ich Jhm.  
  GOtt ist mir GOtt und Mensch: ich bin Jhm Mensch und GOtt.
Jch lösche seinen Durst / und er hilfft mir auß Noth.
 
     
225. Der Anti-Christ.  
  Was gaffstu vil mein Mensch? der Anti-Christ unds Thier
(Jm Fall du nicht in GOtt) sind alle zwey in dir.
 
     
226. Die Babel.  
  Du bist die Babel selbst: gehst du nicht auß dir auß /
So bleibstu ewiglich deß Teuffels Polter-Hauß.
 
     
227. Die Rachgiehr.  
  Die Rachgiehr ist ein Rad das nimmer stille steht:
Je mehr es aber laufft / je mehr es sich vergeht.
 
     
228. Die Abscheuligkeit der Boßheit.  
  Mensch soltestu in dir das Ungeziefer schauen /
Es würde dir für dir als für dem Teufel grauen.
 
     
229. Der Zorn.  
  Der Zorn ist höllisch Feur / wann er in dir entbrennt /
So wird dem heilgen Geist sein Ruhbettlein geschändt.
 
     
230. Die seeligkeit ist leichter zuerlangen als die Verdamnüß.  
  Es dunkt mich leichter seyn in Himmel sich zuschwingen;
Als mit der Sünden müh in Abgrund ein zu dringen.
 
     
231. Der Weltliebende Reiche.  
  Christ wenn ein Schiffseil wird durchs Nadelöhr gezogen /
So sprich / der Reiche sey ins Himmelreich geflogen.
 
     
232. HErr dein Wille geschehe.  
  Das Wort das GOtt von dir am allerliebsten hört /
Jst wann du hertzlich sprichst: Sein Wille sey geehrt.
 
     
233. GOttes Nachgeklinge.  
  Mein Lieb und alle Ding' ist GOttes nachgeklinge /
Wann Er mich höret schreyn / Mein GOtt und alle Dinge.
 
     
234. GOtt umb GOtt.  
  Herr liebstu meine Seel / so laß sie dich umbfassen:
Sie wird dich nimmermehr umb tausend GOtte lassen.
 
     
235. Alles mit GOtt.  
  Jch bethe GOtt mit GOtt auß Jhm / und in Jhm an:
Er ist mein Geist / mein Wort / mein Psalm / und was ich kan.
 
     
236. Der Geist vertrit uns.  
  GOtt liebt und lobt sich selbst / so viel er immer kan:
Er kniet und neiget sich / Er betht sich selber an.
 
     
237. Jm jnnern bethet man recht.  
  Mensch so du wissen wilt was redlich bethen heist:
So geh in dich hinein / und frage GOttes Geist.
 
     
238. Das Wesentliche Gebethe.  
  Wer lauters Hertzens lebt / und geht auff Christi Bahn /
Der bethet wesentlich GOtt in sich selber an.
 
     
239. GOtt lobt man in der stille.  
  Meinstu O armer Mensch / daß deines Munds geschrey
Der rechte Lobgesang der stillen GOttheit sey?
 
     
240. Das stillschweigende Gebeth.  
  GOtt ist so überalls daß man nichts sprechen kan:
Drumb bettestu Jhn auch mit schweigen besser an.
 
     
241. GOttes Leibgedinge.  
  Mein Leib (O Herligkeit!) ist GOttes Leib-gedinge /
Drumb schätzt er Jhn darinn zuwohnen nicht geringe.
 
     
242. Die Thür muß offen seyn.  
  Eröffene die Thür / so komt der heilge Geist /
Der Vater / und der Sohn / Dreyeinig eingereist.
 
     
243. Das Wohnhauß GOttes.  
  Christ / so du JEsum liebst und seine Sanfftmutt hast /
So findet GOtt in dir sein Wohnhauß / Ruh / und rast.
 
     
244. Die Liebe ist der weisen Stein.  
  Lieb' ist der weisen Stein: sie scheidet Gold auß koth /
Sie machet nichts zu jchts / und wandelt mich in GOtt.
 
     
245. Es muß vereinigt werden.  
  Jm fall die Liebe dich versetzen sol auß Peyn /
Muß deine Menschheit vor mit GOttes Eines seyn.
 
     
246. Die Tingierung.  
  Der heilge Geist der schmeltzt / der Vater der verzehrt /
Der Sohn ist die Tinctur, die Gold macht und verklärt.
 
     
247. Das alte ist hinweg.  
  So wenig du das Gold kanst schwartz und Eisen nennen:
So wenig wirstu dort den Mensch am Menschen kennen.
 
     
248. Die genaue Vereinigung.  
  Schau doch wie hoch Vereint die Goldheit mit dem Bley /
Und der Vergöttete mit Gottes wesen sey!
 
     
249. Die Goldheit und GOttheit.  
  Die Goldheit machet Gold / die Gottheit machet GOtt:
Wirstu nicht eins mit ihr / so bleibstu Bley und Koth.
 
     
250. Wie die Goldheit also die Gottheit.  
  Schau wie die Goldheit ist deß Golds fluß / schwer' und schein:
So wird die Gottheit auch im seelgen alles seyn.
 
     


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