literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Johannis Angeli Silesij

Erstes Buch, Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime (151 - 200)


151. Der Mensch ist GOttes kindbett. Anmerkungen
  Da GOtt das erstemahl hat seinen Sohn gebohrn /
Da hat er mich und dich zum Kindbett außerkohrn.
 
     
152. Du selbst must GOttes Lämlein seyn.  
  Daß GOtt ein Lämmlein ist / das hilfft dich nicht mein Christ:
Wo du nicht selber auch ein Lämmlein GOttes bist.
 
     
153. Du must zum Kinde werden.  
  Mensch wirstu nicht ein kind / so gehstu nimmer ein /
Wo GOttes Kinder seynd: die Thür ist gar zu klein.
 
     
154. Die geheime Jungfrauschafft.  
  Wer lauter wie das Licht / Rein wie der Ursprung ist /
Derselbe wird von GOtt für Jungfrau außerkist.
 
     
155. Hier muß der Anfang seyn.  
  Mensch wiltu ewiglich beym Lämlein GOttes stehn /
So mustu schon allhier in seinen tritten gehn.
 
     
156. GOtt selbst ist unßre Weide.  
  Schaut doch das Wunder an! Gott macht sich so gemein /
Daß Er auch selber wil der Lämmer Weide seyn.
 
     
157. Die Wunderliche verwandnuß Gottes.  
  Sag an O grosser GOtt / wie bin ich dir verwandt?
Daß du mich Mutter / Braut / Gemahl / und Kind genandt.
 
     
158. Wer trinkt den Lebensbrunn?  
  Wer dorte bey dem Brunn deß Lebens denkt zusitzen:
Der muß zuvor allhier den eignen Durst außschwitzen.
 
     
159. Die ledigkeit ist wie GOtt.  
  Mensch wo du ledig bist / das Wasser quillt auß dir /
So wol als auß dem Brunn der Ewigkeit herfür.
 
     
160. Gott dürstet / tränk Jhn doch.  
  GOtt selber klaget durst: Ach daß du Jhn so Kränkest!
Und nicht wie jenes Weib die Samaritin Tränkest.
 
     
161. Das Ewge Licht.  
  Jch bin ein Ewig Licht / Jch brenn ohn unterlaß:
Mein tocht und öl ist Gott / Mein Geist der ist das Faß.
 
     
162. Du must die Kindschafft haben.  
  So du den höchsten Gott wilt deinen Vatter nennen /
So mustu dich zuvor sein Kind zu seyn / bekennen.
 
     
163. Die Menschheit sol man lieben.  
  Daß du nicht Menschen liebst / das thustu recht und wol /
Die Menschheit ists die man im Menschen lieben sol.
 
     
164. GOtt schaut man mit Gelassenheit.  
  Der Engel schauet GOtt mit heitern Augen an:
Jch aber noch vil mehr / so ich GOtt lassen kan.
 
     
165. Wo die Weißheit gerne ist.  
  Die Weißheit findt sich gern wo jhre Kinder sind /
Warumb? (O wunder ding!) sie selber ist ein Kind.
 
     
166. Der Spiegel der Weißheit.  
  Die Weißheit schauet sich in jhrem Spiegel an.
Wer ists? sie selber / und wer Weißheit werden kan.
 
     
167. So viel du in GOtt / so viel Er in dir.  
  So viel die Seel in GOtt / so viel ruht GOtt in ihr:
Nichts minder oder mehr / Mensch glaub es / wird er dir.
 
     
168. Christus ist alles.  
  O Wunder! Christus ist die Warheit und das Wort /
Licht / Leben / Speiß / und Tranck / Pfad / Pilgram / Thür und Ort.
 
     
169. Nichts verlangen ist Seeligkeit.  
  Die Heilgen sind darumb mit GOttes ruh umbfangen /
Und haben Seeligkeit / weil sie nach nichts verlangen.
 
     
170. GOtt ist nicht hoch noch tieff.  
  GOtt ist nicht hoch / nicht tieff: wer endlich anderst spricht /
Der hat der Wahrheit noch gar schlechten Unterricht.
 
     
171. GOtt findet man mit nicht-suchen.  
  GOtt ist nicht hier noch da: wer jhn begehrt zufinden
Der laß' jhm Händ' und Füß' / und Leib und Seele binden.
 
     
172. GOtt siehet ehe du gedenkst.  
  Wo GOtt von Ewigkeit nicht sihet die Gedanken /
So bistu eh' als Er: Er stüpffchen / und du schranken.
 
     
173. Der Mensch lebt nicht vom Brodt allein.  
  Das Brodt ernährt dich nicht: was dich im Brodte speist /
Jst GOttes Ewigs Wort / ist Leben / und ist Geist.
 
     
174. Die gaben sind nicht GOtt.  
  Wer GOtt umb gaben Bitt / der ist gar übel dran:
Er bettet das Geschöpff / und nicht den Schöpffer an.
 
     
175. Sohn seyn ist schon genung.  
  Sohn ist das liebste Wort / das Gott zu mir mag sprechen.
Spricht Ers: so mag mir Welt und GOtt auch selbst gebrechen.
 
     
176. Eins wie das ander.  
  Die Höll wird Himmelreich / noch hier auf diser Erden /
(Und diß scheint wunderlich) wann Himmel Höll kan werden.
 
     
177. Jm Grund ist alles eins.  
  Man redt von Zeit und Ort / von Nun und Ewigkeit:
Was ist dann Zeit und Ort / und Nun und Ewigkeit?
 
     
178. Die Schuld ist deine.  
  Daß dir im Sonne sehn vergehet das Gesicht /
Sind deine Augen schuld / und nicht das grosse Licht.
 
     
179. Der Brunquell GOttes.  
  Dieweil der Gottheit Ström' auß mir sich solln ergiessen;
Muß ich ein Brunquell seyn: sonst würden sie verfliessen.
 
     
180. Ein Christ ist Kirch' und alles.  
  Was bin ich endlich doch? Jch sol die Kirch' und Stein /
Jch sol der Prister GOtts und auch das Opffer seyn.
 
     
181. Man muß Gewalt anthun.  
  Wer sich nicht drängt zu seyn deß höchsten liebes Kind /
Der bleibet in dem Stall wo Vieh und Knechte sind.
 
     
182. Der Löhner ist nicht Sohn.  
  Mensch dienstu Gott umb gutt / umb seeligkeit / umb Lohn;
So dienstu jhm noch nicht auß liebe wie ein Sohn.
 
     
183. Die geheimbe Vermählung.  
  Was Freude muß doch seyn! wenn GOtt Jhm seine Braut /
Jn seinem Ewgen Wort durch seinen Geist vertraut.
 
     
184. GOtt ist mir was ich wil.  
  GOtt ist mein Stab / mein Licht / mein Pfad / mein Zil / mein Spiel /
Mein Vatter / Bruder / Kind / und alles was ich wil.
 
     
185. Der Orth ist selbst in dir.  
  Nicht du bist in dem Orth / der Orth der ist in dir!
Wirfstu jhn auß / so steht die Ewigkeit schon hier.
 
     
186. Der ewigen Weißheit Hauß.  
  Die Ewge Weißheit baut: Jch werde der Pallast:
Wann sie in mir / und ich in jhr gefunden rast.
 
     
187. Die weite der Seelen.  
  Die Welt ist mir zu äng / der Himmel ist zu klein:
Wo wird doch noch ein Raum für meine Seele seyn?
 
     
188. Die Zeit und Ewigkeit.  
  Du sprichst: Versetze dich auß Zeit in Ewigkeit.
Jst dann an Ewigkeit und Zeit ein unterscheid?
 
     
189. Der Mensch der macht die Zeit.  
  Du selber machst die Zeit: das Uhrwerk sind die sinnen:
Hemstu die Unruh nur / so ist die Zeit von hinnen.
 
     
190. Die Gleichheit.  
  Jch weiß nicht was ich sol! Es ist mir alles Ein /
Orth / Unorth / Ewigkeit / Zeit / Nacht / Tag / Freud / und Pein.
 
     
191. Wer GOtt sol schaun / muß alles seyn.  
  Wer selbst nicht alles ist / der ist noch zugeringe /
Daß er dich sehen sol Mein GOtt und alle Dinge.
 
     
192. Wer recht Vergöttet ist.  
  Mensch allererst wenn du bist alle Dinge worden /
So stehstu in dem Wort / und in der Götter Orden.
 
     
193. Die Creatur ist recht in GOtt.  
  Die Creatur ist mehr in GOtte dann in Jhr.
Zerwird sie / bleibt sie doch in Jhme für und für.
 
     
194. Was bistu gegen GOtt.  
  Mensch dünke dich nur nicht für GOtt mit werken viel /
Denn Aller Heilgen thun ist gegen GOtt ein spil.
 
     
195. Das Licht besteht im Feuer.  
  Das Licht gibt allem krafft: GOtt selber lebt im Lichte:
Doch / wär' Er nicht das Feur / so würd es bald zu nichte.
 
     
196. Die geistliche Arch und's Manna-Krüglein  
  Mensch ist dein Hertze Gold / und deine Seele rein /
So kanst auch du die Arch / und's Mannakrüglein seyn.
 
     
197. GOtt macht Vollkommen seyn.  
  Daß GOtt Allmächtig sey / das glaubet jener nicht /
Der mir Vollkommenheit / wie GOtt begehrt / abspricht.
 
     
198. Das Wort ist wie das Feuer.  
  Das Feur rügt alle Ding' und wird doch nicht bewegt:
So ist das ewge Wort das alles hebt und regt.
 
     
199. GOtt ausser Creatur.  
  Geh hin / wo du nicht kanst: sih / wo du sihest nicht:
Hör wo nichts schallt und klingt / so bistu wo Gott spricht.
 
     
200. GOtt ist nichts (Creatürlichs).  
  GOtt ist warhafftig nichts: und so er etwas ist:
So ist Ers nur in mir / wie er mich Jhm erkist.
 
     
   

zurück 

Inhalt

vor