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Johannis Angeli Silesij

Erstes Buch, Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime (101 - 150)

101. Christus. Anmerkungen
  Hört wunder! Christus ist das Lamb und auch der Hirt /
Wenn Gott in meiner Seel ein Mensch gebohren wird.
 
     
102. Die geistliche Goldmachung.  
  Dann wird das Bley zu Gold / dann fällt der Zufall hin /
Wann ich mit GOtt durch GOtt in GOtt verwandelt bin.
 
     
103. Auch von derselben.  
  Jch selbst bin das Metall / der Geist ist Feur und Herd /
Messias die Tinctur, die Leib und Seel verklärt.
 
     
104. Noch von jhr.  
  So bald durch Gottes Feur ich mag geschmeltzet seyn /
So drukt mir GOtt alßbald sein eigen Wesen ein.
 
     
105. Das Bildnuß Gottes.  
  Jch trage GOttesbild: wenn Er sich wil besehn /
So kan es nur in mir / und wer mir gleicht / geschehn.
 
     
106. Das ein' ist in dem Andern.  
  Jch bin nicht ausser GOtt / und GOtt nicht ausser mir /
Jch bin sein Glantz und Liecht / und Er ist meine Zihr.
 
     
107. Es ist noch alls in GOtt.  
  Jsts / daß die Creatur auß GOtt ist außgeflossen:
wie hält Er sie dannoch in seiner Schoß beschlossen?
 
     
108. Die Rose.  
  Die Rose / welche hier dein äußres Auge siht /
Die hat von Ewigkeit in GOtt also geblüht. 1)
1) idealiter.
     
109. Die Geschöpffe.  
  Weil die Geschöpffe gar in GOttes Wort bestehn:
Wie können sie dann je zerwerden und vergehn?
 
     
110. Das Gesuche deß Geschöpffes.  
  Vom Ersten Anbegin / und noch biß heute zu /
Sucht das Geschöpffe nichts als seines Schöpffers Ruh.
 
     
111. Die GOttheit ist ein nichts.  
  Die zarte GOttheit ist ein nichts und übernichts:
Wer nichts in allem sicht / Mensch glaube / dieser sichts.
 
     
112. Jn der Sonnen ists gut seyn.  
  Wer in der Sonnen ist / dem mangelt nicht das Licht /
Das dem / der ausser jhr verirret geht / gebricht.
 
     
113. Die Seelen Sonne.  
  Nimb hin der Sonnen Liecht: mein Jesus ist die Sonne /
Die meine Seel erleucht / und macht sie voller Wonne.
 
     
114. Die Sonn ist schon genug.  
  Wem seine Sonne scheint / derselbe darf nicht güken /
Ob irgent wo der Mon / und andre Sterne bliken.
 
     
115. Du selbst must Sonne seyn.  
  Jch selbst muß Sonne seyn / ich muß mit meinen Strahlen
Das farbenlose Meer der gantzen GOttheit mahlen.
 
     
116. Der Thau.  
  Der Thau erquikt das Feld: Sol er mein Hertze laben /
So muß er seinen fall vom Hertzen JEsu haben.
 
     
117. Nichts süsses in der Welt.  
  Wer etwas in der Welt mag süß' und Lieblich nennen:
Der muß die Süssigkeit / die GOtt ist / noch nicht kennen.
 
     
118. Der Geist bleibt allzeit frey.  
  Schleuß mich so streng du wilt in tausend Eisen ein /
Jch werde doch gantz frey / und ungefässelt seyn.
 
     
119. Zum Ursprung mustu gehn.  
  Mensch in dem Ursprung ist das Wasser rein und klar /
Trinkstu nicht auß dem Quäl / so stehstu in Gefahr.
 
     
120. Die Perle wird vom Thau.  
  Die Schneke lekt den Thau / und ich HERR CHrist dein Blut:
Jn beiden wird gebohrn ein kostbarliches Gut.
 
     
121. Durch die Menschheit zu der GOttheit.  
  Wiltu den Perlethau der edlen GOttheit fangen /
So mustu unverrukt an seiner Menschheit hangen.
 
     
122. Die Sinligkeit bringt Leyd.  
  Ein Auge das sich nie der Lust deß sehns entbricht:
Wird endlich gar Verblendt / und siht sich selbsten nicht.
 
     
 123. GOtt klagt umb seine Braut.  
  Die Turtel Daube klagt / daß sie den Mann verlohren /
Und GOtt / daß du den Tod / für Jhn dir hast erkohren.
 
     
124. Du musts hinwider seyn.  
  Gott ist dir worden Mensch / wirstu nicht wieder Gott /
So schmähstu die Geburt / und hönest seinen Tod.
 
     
125. Die Gleichheit hat nicht Pein.  
  Wem alles Gleiche gilt / den rühret keine Pein /
Und solt' er auch im Pful der tieffsten Höllen seyn.
 
     
126. Begehrn erwartt gewehrn.  
  Mensch wann du noch nach GOtt begihr hast und verlangen /
So bistu noch von Jhm nicht gantz und gar umfangen.
 
     
127. Es gilt GOtt alles gleich.  
  Gott hat nicht Unterscheid / es ist Jhm alles ein:
Er machet sich so viel der Flieg' als dir gemein.
 
     
128. Alles liegt an der Empfänglichkeit.  
  Vermöcht' ich GOtts so viel als Christus zu empfangen /
Er liesse mich darzu im Augenblik gelangen.
 
     
129. Das böß' entsteht auß dir.  
  Gott ist ja nichts als gut: Verdamnüß / Tod / und Pein /
Und was man böse nennt / muß Mensch in dir nur seyn.
 
     
130. Die bloßheit ruht in Gott.  
  Wie seelig ruht der Geist in deß Geliebten schoß!
Der Gotts / und aller ding' / und seiner selbst steht bloß.
 
     
131. Das Paradeyß in Pein.  
  Mensch bistu Gott getreu / und meinest Jhn allein:
So wird die gröste Noth ein Paradeiß dir seyn.
 
     
132. Bewehret muß man seyn.  
  Mensch in das Paradeyß komt man nicht unbewehrt /
Wiltu hinein / du must durch Feuer und durch Schwerdt
 
     
133. Gott ist ein Ewges Nun.  
  Jst GOtt ein Ewges Nun / was fället dann darein /
Daß Er nicht schon in mir kan alls in allem seyn?
 
     
134. Unvollkomne gestorbenheit.  
  Wo dich noch diß und das bekümmert und bewegt /
So bistu noch nicht gantz mit GOtt ins Grab gelegt.
 
     
135. Bey Gott ist nur sein Sohn.  
  Mensch werd' auß Gott gebohrn: bey seiner GOttheit Thron /
Steht niemand anders als der eingebohrne Sohn.
 
     
136. Wie ruhet GOtt in mir?  
  Du must gantz lauter seyn / und stehn in einem Nun /
Sol GOtt in dir sich schaun / und sänfftiglichen ruhn.
 
     
137. GOtt verdammt niemand.  
  Was klagstu über GOtt? Du selbst verdammst dich:
Er möcht' es ja nicht thun / das glaube sicherlich.
 
     
138. Je mehr du auß / je mehr GOtt ein.  
  Je mehr du dich auß dir kanst außthun und entgiessen:
Je mehr muß GOtt in dich mit seiner GOttheit fliessen.
 
     
139. Es trägt und wirt getragen.  
  Das Wort / das dich und mich / und alle dinge trägt /
Wird widerumb von mir getragen und gehagt.
 
     
140. Der Mensch ist alle Dinge.  
  Der Mensch ist alle ding': Jsts daß ihm eins gebricht /
So kennet er fürwar sein Reichthumb selber nicht.
 
     
141. Es sind viel tausend Sonnen.  
  Du sprichst im Firmament sey eine Sonn' allein.
Jch aber sage / daß vil tausend Sonnen seyn.
 
     
142. Je mehr man sich ergiebt / je mehr wird man geliebt.  
  Warumb wird Seraphin von GOtte mehr geliebt
Als eine Mük? Es ist / daß er sich mehr ergiebt.
 
     
143. Die Selbheit die verdambt.  
  Dafern der Teufel könt' auß seiner seinheit gehn /
So sehestu jhn straks in GOttes Throne stehn.
 
     
144. Der Schöpffer kans alleine.  
  Was bildestu dir ein zu zehln der Sternenschaar?
Der schöpffer ists allein / der sie kan zehlen gar.
 
     
145. Jn dir ist was du wilt.  
  Der Himmel ist in dir / und auch der Höllen Qual:
Was du erkiest und wilst / das hastu überall.
 
     
146. GOtt liebt nichts ausser Christo.  
  So lieb GOtt eine Seel in Christi glantz und Licht.
So unlieb ist sie Jhm / im fall' er jhr gebricht.
 
     
147. Die Jungfern Erde.  
  Das feinest' auff der Welt ist reine Jungfern Erde:
Man saget daß auß jhr das Kind der weisen werde.
 
     
148. Das gleichnüß der Dreyeinigkeit.  
  Der Sinn / der Geist / das Wort / die lehren klar und frey
(So du es fassen kanst) wie GOtt Drey Einig sey.
 
     
149. Es läst sich nicht bezirken.  
  So wenig als dir ist die Weite GOttes kund:
So wenig ist die Welt / wie du sprichst Zirkelrund.
 
     
150. Eins in dem Andern.  
  Jst meine Seel im Leib / und gleich durch alle Glieder:
So sag ich recht und wol / der Leib ist in jhr wieder.
 
     
   

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