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Johannis Angeli Silesij

Erstes Buch, Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime (001 - 050)

1. Was fein ist das besteht. Anmerkungen
  Rein wie das feinste Gold / steiff wie ein Felsenstein /
Gantz lauter wie Cristall / sol dein Gemüthe seyn.
 
     
2. Die Ewige Ruhestadt.  
  Es mag ein andrer sich umb sein Begräbniß kränken /
Und seinen Madensak mit stoltzem Bau bedänken.
Jch Sorge nicht dafür: Mein Grab / mein Felß und schrein
Jn dem ich ewig Ruh / sol's Hertze JEsu seyn.
 
     
3. GOtt kan allein vergnügen.  
  Weg weg ihr Seraphim ihr könt mich nicht erquikken:
Weg weg ihr Engel all; und was an euch thut blikken:
Jch wil nun eurer nicht; ich werffe mich allein /
Jns ungeschaffne Meer der blossen GOttheit ein.
 
     
4. Man muß gantz Göttlich seyn.  
  HErr es genügt mir nicht / daß ich dir Englisch diene /
Und in Vollkommenheit der Götter für dir Grüne:
Es ist mir vil zu schlecht / und meinem Geist zu klein:
Wer Dir recht dienen wil muß mehr als Göttlich seyn.
 
     
5. Man weiß nicht was man ist.  
  Jch weiß nicht was ich bin / Jch bin nicht was ich weiß:
Ein ding und nit ein ding: Ein stüpffchin und ein kreiß.
 
     
6. Du must was GOtt ist seyn.  
  Sol ich mein letztes End / und ersten Anfang finden /
So muß ich mich in GOtt / und GOtt in mir ergründen.
Und werden das was Er: Jch muß ein Schein im Schein /
Jch muß ein Wort im Wort / 1) ein GOtt in GOtte seyn.
1) Thaul. instit. spir. c. 39
     
7. Man muß noch über GOtt.  
  Wo ist mein Auffenthalt? Wo ich und du nicht stehen:
Wo ist mein letztes End in welches ich sol gehen?
Da wo man keines findt. Wo sol ich dann nun hin?
Jch muß noch 2) über GOtt in eine wüste ziehn
2) über alles das man an GOTT erkennt oder von jhm gedänken kan / nach der verneinnenden beschawung / von welcher suche bey den Mijsticis.
     
8. GOtt lebt nicht ohne mich.  
  Jch weiß daß ohne mich GOtt nicht ein Nun kan leben /
3) Werd' ich zu nicht Er muß von Noth den Geist auffgeben.
3) Schawe in der Vorrede
     
9. Jch habs von Gott / und Gott von mir.  
  Daß GOtt so seelig ist und Lebet ohn Verlangen /
Hat Er so wol von mir / als ich von jhm empfangen.
 
     
10. Jch bin wie Gott / und Gott wie ich.  
  Jch bin so groß als GOtt / Er ist als ich so klein:
Er kan nicht über mich / ich unter Jhm nicht seyn.
 
     
11. Gott ist in mir / und ich in jhm.  
  GOtt ist in mir das Feur / und ich in Jhm der schein:
Sind wir einander nicht gantz jnniglich gemein?
 
     
12. Man muß sich überschwenken.  
  Mensch wo du deinen Geist schwingst über Ort und Zeit /
So kanstu jeden blik seyn in der Ewigkeit.
 
     
13. Der Mensch ist Ewigkeit.  
  Jch selbst bin Ewigkeit / wann ich die Zeit Verlasse /
Und mich in GOtt / und GOtt in mich zusammen fasse.
 
     
14. Ein Christ so Reich als Gott.  
  Jch bin so Reich als GOtt / es kan kein stäublein seyn /
Das ich (Mensch glaube mir) mit Jhm nicht hab gemein.
 
     
15. Die über-GOttheit.  
  Was man von GOtt gesagt / das gnüget mir noch nicht:
Die über-GOttheit ist mein Leben und mein Liecht.
 
     
16. Die Liebe zwinget GOtt.  
  4) Wo GOtt mich über GOtt nicht solte wollen bringen /
So will ich Jhn dazu mit blosser Liebe zwingen.
4) siehe 7.
     
17. Ein Christ ist GOttes Sohn.  
  Jch auch bin GOttes Sohn / ich sitz an seiner Hand:
Sein Geist / sein Fleisch und Blut / ist Jhm an mir bekandt.
 
     
18. Jch thue es GOtte gleich.  
  GOtt liebt mich über sich. Lieb ich Jhn über mich;
So geb ich Jhm sovil / als Er mir gibt auß sich.
 
     
19. Das seelige Stilleschweigen.  
  Wie seelig ist der Mensch / der weder wil noch weiß!
5) Der GOtt (versteh mich recht) nicht gibet Lob noch Preiß.
5) Denotatur hic Oratio silentij, de qua vide Maximil. Sandae. Theol. mystic. lib. 2. comment. 3.
     
20. Die Seeligkeit steht bey dir.  
  Mensch deine Seeligkeit kanstu dir selber nemen:
So du dich nur dazu wilt schiken und bequemen.
 
     
21. GOtt last sich wie man wil.  
  GOtt gibet niemand nichts / Er stehet allen frey;
Daß Er / wo du nur Jhn so wilt / gantz deine sey.
 
     
22. Die Gelassenheit.  
  So vil du GOtt geläst / so vil mag Er dir werden /
Nicht minder und nicht mehr hilfft Er dir auß beschwerden.
 
     
23. Die Geistliche Maria.  
  Jch muß MARIA seyn / und GOtt auß mir gebähren /
Sol Er mich Ewiglich der Seeligkeit gewehren.
 
     
24. Du must nichts seyn / nichts wollen.  
  Mensch / wo du noch was bist / was weist / was liebst und hast;
So bistu / glaube mir / nicht ledig deiner Last.
 
     
25. GOtt ergreifft man nicht.  
  GOtt ist ein lauter nichts / Jhn rührt kein Nun noch Hier: 6)
Je mehr du nach Jhm greiffst / je mehr entwird Er dir.
6) i.e. Zeit und Ort.
     
26. Der geheime Tod.  
  Tod ist ein seelig ding: je kräfftiger er ist:
Je herrlicher darauß das Leben wird erkist
 
     
27. Das Sterben machet Leben.  
  Jn dem der weise Mann zu tausendmalen stirbt /
Er durch die Warheit selbst umb tausend Leben wirbt.
 
     
28. Der allerseeligste Tod.  
  Kein Tod ist seeliger / als in dem Herren sterben /
Und umb das Ewge Gutt mit Leib und Seel verderben. 7)
7) i.e. Umb GOttes willen auch Leib und Seel ins äuserste verderben hingeben: Wie Moses und Paulus sich erbotten / und vil andere Heiligen.
     
29. Der Ewige Tod.  
  Der Tod / auß welchem nicht ein Neues Leben blühet /
Der ists den meine Seel auß allen Töden fliehet.
 
     
30. Es ist kein Tod.  
  Jch glaube keinen Tod: Sterb ich gleich alle Stunden /
So hab ich jedesmahl ein besser Leben funden.
 
     
31. Das jmmerwehrende Sterben.  
  Jch sterb' und lebe GOtt: wil ich jhm ewig Leben /
So muß ich ewig auch für Jhm den Geist aufgeben. 8)
8) mystice i.e. resignare.
     
32. GOtt stirbt und lebt in uns.  
  Jch sterb' und leb' auch nicht: 9) GOTT selber stirbt in mir:
Und was ich leben sol / 10) lebt Er auch für und für.
9) Quia originaliter ab ipso profluit virtus mortificationis. Item secundum Paul: 2. cor. 3. 10. mortificationem IESU.
10)vivo, jam non ego, sed Christus in me.
     
33. Nichts lebet ohne Sterben.  
  GOtt selber / wenn Er dir wil leben / muß er sterben:
Wie dänckstu ohne Tod sein Leben zuererben?
 
     
34. Der Tod vergöttet dich.  
  Wenn du gestorben bist / und GOtt dein Leben worden /
So trittstu erst recht in der Hohen Götter Orden.
 
     
35. Der Tod ists beste Ding.  
  Jch sage / weil der Tod allein mich machet frey;
Daß er das beste Ding auß allen Dingen sey.
 
     
36. Kein Tod ist ohn ein Leben.  
  Jch sag es stirbet nichts; nur daß ein ander Leben /
Auch selbst das Peinliche / wird durch den Tod gegeben.
 
     
37. Die Unruh kombt von dir.  
  Nichts ist das dich bewegt / du selber bist das Rad /
Das auß sich selbsten laufft / und keine Ruhe hat.
 
     
38. Gleichschätzung machet Ruh.  
  Wenn du die Dinge nimbst ohn allen unterscheid;
So bleibstu still und gleich in Lieb und auch in Leyd.
 
     
39. Die Unvollkommne Gelassenheit.  
  Wer in der Hölle nicht kan ohne Hölle leben /
Der hat sich noch nicht gantz dem Höchsten übergeben.
 
     
40. GOtt ist das was Er wil.  
  GOtt ist ein Wunderding; Er ist das was Er wil /
Und wil das was Er ist ohn alle maß und Ziehl.
 
     
41. GOtt weiß jhm selbst kein Ende.  
  GOTT ist unendlich Hoch / (Mensch glaube diß behände /
Er selbst findt Ewiglich nicht seiner GOttheit Ende.
 
     
42. Wie gründt sich GOtt?  
  GOtt gründt sich ohne grund / und mist sich ohne maß:
Bistu ein Geist mit ihm / Mensch so verstehstu das.
 
     
43. Man liebt auch ohn erkennen.  
  Jch Lieb ein eintzig Ding / und weiß nicht was es ist:
Und weil ich es nicht weiß / drumb hab ich es erkist.
 
     
44. Das etwas muß man lassen.  
  Mensch so du etwas liebst / so liebstu nichts fürwahr:
GOtt ist nicht diß und das / drumb laß das Etwas gar.
 
     
45. Das Vermögende Unvermögen.  
  Wer nichts begehrt / nichts hat / nichts weiß / nichts liebt / nichts wil;
Der hat / der weiß / begehrt / und liebt noch immer vil.
 
     
46. Das seelige Unding.  
  Jch bin ein seeligs Ding / mag ich ein Unding seyn /
Das allem was da ist / nicht kundt wird / noch gemein.
 
     
47. Die Zeit ist Ewigkeit.  
  Zeit ist wie Ewigkeit / und Ewigkeit wie Zeit /
So du nur selber nicht machst einen unterscheid.
 
     
48. GOttes Tempel und Altar.  
  GOtt opffert sich jhm selbst; Jch bin in jedem nu:
Sein Tempel / sein Altar / sein Bethstul so ich ruh.
 
     
49. Die Ruh ists höchste Gutt.  
  Ruh ist das höchste Gutt: und wäre GOtt nicht ruh /
Jch schliesse für Jhm selbst mein' Augen beide zu.
 
     
50. Der Thron GOttes.  
  Fragstu mein Christ wo GOtt gesetzt hat seinen Thron?
Da / wo Er dich in dir gebiehret seinen Sohn.
 
   

 

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