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Alexander Graf von Württemberg

Der Organist aus dem Grabe

Wenn von dem alten Dome
die Geisterglocke schallt,
der Organist im Grabe,
die Faust zusammenballt.

Er reißt den schweren Deckel
von dem bestaubten Sarg,
der viele lange Jahre
den greisen Leichmann barg.

Er eilt im Geisterfluge,
es flattert sein Gewand,
das Tor zur Gotenkirche
sprengt seine Knochenhand.

Er steigt empor zur Orgel,
die er sich eínst gebaut;
der Sturmwind treibt die Bälge
und Donner werden laut.

Von acht gewalt'gen Glocken
er nun die Stränge zieht
und läutet längst Verstorbenen
ein Auferstehungslied.

Aus trübem Schattenreiche
kommt düster angeschwebt
die Schar gefallner Geister,
die einst mit ihm gelebt.

Zur grauenvollen Stunde
wird jeder Geist ein Ton
und klagt mit bangem Zagen
ob seinem Sündenlohn.

Der Orgler in die Tasten
greift nun mit Geisterkraft,
laut tönt der Chor der Seelen
nach langer Grabeshaft.

Und von den fernsten Sternen
hallt wider ihr Gesang.
Wie dünkt den armen Sündern
die Ewigkeit so lang!

Es zieht ein manch Register,
er rast auf dem Pedal,
er braust der Baß der Männer
Verzweiflung, Höllenqual.

Der kleinen Kinder Jammern
tönt wider im Diskant;
der Weiber banges Klagen
erbebt im Tremulant.

So tobt der Sang der Geister
bis Früh zum Hahnenschrei;
die Messe ist vorüber,
der Sturmwind zieht vorbei.

Die Taster werden Bahren,
drin birgt sich jeder Ton;
der bleiche Orgelmeister
schleicht sich zuletzt davon.