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Abraham a Sancta Clara

Aus der Predigt zu Ehren des heiligen Georg
Gehalten am 24. April 1680 auf dem Graben in Wien.

Merk’s wohl Soldat!

Es gibt tapfere Soldaten, wie jener aus Lusitanien gewesen, der in einer von den Türken belagerten Insel so ritterlich sich gehalten, daß er in Abgang der bleiernen Kugeln mit der Musketen sich selbst die Zähn ausgestoßen, selbige eingeladen und also herzhaft gegen den Feind geschossen; auf solche Weise doppelt seinem Feind die Zähn gezeigt. Es gibt forchtsame Soldaten, wie jener vornehme Polak, welcher in der Schlacht mit den Reussen das Fersengeld gegeben, aber vor dies von seinem König Boleslav III. ein schlechtes Trinkgeld erhalten, der ihm einen Hasenbalg samt einem Weiberspinnrock überschickt, ein großes Kennzeichen seiner kleinen Guraschi, worüber dieser sich dermaßen geschämt, daß er sich nach dem Exempel des Judas, des Apostels - besser geredet: des Apostaten - selbst erdrosselt: ein solcher solle nit heißen: Soldat, sondern: Salat — dieser mehr Öl als Essig, jener mehr Linde als Schärfe.

Es gibt unglückselige Soldaten, wie gewesen Herzog Johann von Anjou, der vermeint, das Königreich Neapel, so Alfons von Aragonien schon besaß, wieder zu erobern, deswegen in seine Kriegsfahnen aus dem Evangelium dieses Wort schreiben lassen: Missus cui nomen erat Johannes - ,,Gesandt war einer, namens Johannes". Diesen höhnischen Sehimpf tät Alfons mit gleicher Weis bezahlen, ließe auf seine Kriegsfahnen schreiben eben aus gedachtem Evangelium dieses Wort: ,,Und die Seinigen nahmen ihn nicht auf."

Es gibt beute- und beutelliebende Soldaten, wie jener einer gewesen, der auf Beute ausgeritten und den allerersten, so ihm begegnet, ernsthaft gefragt, ob er ein Bauer. Als nun dieser geantwortet, er sei ein Bauer, spricht jener: “Gut, so zieh dir selbst die Kleider aus und die Schuh ab und gib mir‘s; so du aber ein Edelmann gewesen wärest, so hätte ich dir‘s getan. Wegen solcher Höflichkeit dank dir der Teufel.

Es gibt verständige und witzige Soldaten, wie jener tapfere dänische König Fridlewus gewesen, welcher auf eine Zeit die starke Festung Duflinum belagerte, und als er an deren Eroberung allgemach verzweifelt, hat er die Sach mit Kriegslist anzugreifen beschlossen, wohl wissend, daß Ars- und Mars Ort und Wort halber benachbart seien. Läßt demnach alle Schwalben, so von dieser Festung ausgeflogen, durch erfahrene Leut auffangen, denselben unter die Flügel brennende Schwammen und Lunten binden, sie alsdann auf einmal frei abfliegen, wovon es geschehen, daß diese gewohnheitshalber in ihre bekannten Scheuern und Häuser gekehrt und also die Stadt an vier Orten in kurzer Zeit in Flammen gesteckt, weswegen die Belagerten die Stadtpforten gezwungen eröffneten, weil sie zugleich Wasser und Waffen tragen nicht konnten.

Es gibt gottlose Soldaten, wie jener gewesen unter dem englischen König Eduard. Dieser verwegene Soldat hatte zu Handiton in Schottland unserer lieben Frauen Kirchen beraubt, und wie er das Bildnis der seligen Mutter Gottes gänzlich ausgeplündert und schon wirklich mit der ungerechten Beute zum Tempel wollte hinausgehen, so ist ein großes hülzenes Kruziflx, welches von dem Gewölbe, wie in alten Gotteshäusern zu sehen, herunterhing, die angetane Schmach seiner gebenedeiten Mutter zu rächen, diesem heillosen Mauser oder Mauskopf auf den Kopf gefallen und hat ihn urplötzlich tot geschlagen.

Es gibt streitbare Soldaten, wie jener österreichische Leopold war, der so stark und tapfer mit dem Feind gefochten, daß sein vorher weißes Kleid von dem heftig besprengten Blut über und über rot war und allein ein Strich weiß blieben um die Lenden, wo die Kriegsgürtel gebunden waren, von welcher Heldentat nachmals durch Gutheißung des Kaisers Heinrich VI. das österreichische Stammeswappen, so ganz schon rot mit einem weißen Zwerchstrich, jederzeit prangt.

Gibt es aber auch heilige Soldaten? Das ist eine Frag, da militia und malitia - nur einen Buchstaben von einander sind und bellum von dem Wort belua, - -glaub ich, deriviert sein soll. Ein heiliger Soldat soll scherzlos sein, aber nicht herzlos, soll spottlos, aber nicht gottlos sein, soll seillos, aber nicht heillos sein, soll ruchlos sein, aber nicht zuchtlos. Gibt es aber solche? Gar viel - Sebastianus, Florianus, Hadrianus, Damianus, Julianus, Claudianus, Gratinianus, Crescencianus, Severius, Herkulaneus, und andere mehr. Lauter heilige Soldaten, die da unter dem eisernen Harnisch ein guldenes Gewissen, bei dem Kriegsfahn den Kreuzfahn, unter den feindlichen Pfeilen die Liebespfeile zu Gott, unter den Schüssen das Schußgebet, unter den Kriegsflammen die Inbrunst zu Gott getragen; vor allen andern ist ein solcher Heiliger, ein ritterlicher Kriegsmann Georgius gewesen, dem da rechtmäßig von den andächtigen Christen kein anderer Preisnamen sollte zugeeignet werden als dieser: Georgius, ein heiliger Soldat.

Jedermann, auch das gemeine Bauernvolk, kann derzeit Latein, ob es ihnen doch zuweilen nicht gar lieb. Kinder, die noch die hülzenen Pferd tummeln, die wissen schon lateinisch zu lallezen und indem sie als gelehrsame Papperln ihren Eltern nachreden das Wort Soldat, welches lateinisch und heißt auf deutsch verdolmetscht Sol-dat, sol dat ,,die Sonne gibt". Die Sonn, diese allgemeine Weltampel, dieser strahlende Fürst der Planeten, diese lieb- und lebenssaftige Amme aller Erdengeschöpf, heißt nicht allein “lhr Durchleuchtigkeit", sondern auch “Ihr Gnaden", weilen sie aus angeborner Milde ihre schutz- und schatzreichen Strahlen allen Geschöpfen gnädiglich spendiert, weswegen ihr lateinischer Name sol also von den Gelehrten anatomiert wird: Sua omnia largitur — “Sie verschenkt all das Ihrige", daher das Wörtl Soldat soviel als “freigebig" lautet. Freigebigkeit ist bei den Soldaten rarum und carum und pflegen etliche lieber frei zu nehmen als frei zu geben, daher ein Wahrsager scheint derselbe zu sein, der sie “vornehme Leut" tituliert. Etliche befugen sich nur deswegen in den Krieg, damit sie etwas kriegen, denken aber nicht, daß das Wörtl Beit zurückgelesen anders lautet. Josue der heilige Kriegsfürst, wie er auf Befehl Gottes die Stadt Jericho belagert, hat lassen in seinem ganzen Lager ausrufen und männiglich kundbar machen, daß Gott der Herr ernsthaft verboten die Beit, und solle sich niemand vermessentlich unterfangen, eine Sach aus der eroberten Stadt mit sich zu nehmen. Unangesehen von Gott selbst dies dekretiert, hat sich gleichwohl ein verwegener Bösewicht gefunden, der gern gestohlen, und hat dieser, mit Namen Achan, bei so guter Gelegenheit samt anderen Sachen einen köstlichen roten Mantel geraubt, freventlich vermeinend, es werde solcher Mantel auch vor den Augen Gottes vermantelt bleiben. Ist aber nichts so verborgen, verhüllt, verdeckt, verschlossen, verriegelt, vertuscht, vermantelt, verbandelt, welches das göttliche Auge nicht sehen würde, daher diese ungerechte Beit Gott gesehen, aber - nicht gern gesehen, deswegen dem Josue befohlen, daß er diesen widerspenstigen Kriegsmann solle von dem ganzen Volk lassen steinigen, welches dann auch vollzogen und soll selbiger Steinhaufen noch auf den heutigen Tag gesehen werden. Von dieser Zeit, sagt Panigarola, können die Soldaten das Stehlen nicht lassen: aber dies ist nit insgemein von allen, sondern nur von etlichen zu verstehen, ja, etliche sind ärger als wie der Teufel, denn es ist fast einhellige Meinung der Lehrer, daß die Erstgeborenen in Ägypten auf Zulassung Gottes ein satanischer Geist habe ermordet, doch aber diejenigen Häuser verschont, deren Türen mit des Lammes Blut besprengt waren. Nun aber werden derzeit einige gefunden, die auch die Gotteshäuser nicht schonen, die mit dem Blut des göttlichen Lammes bestrichen und kann solchen räuberischen Händen auch diese göttliche Salva Quardia nicht entgehen; sind demnach ärger als der Teufel. Nicht unweislich hat Ludwig XII., König in Frankreich, geredet: Plebs et rustici sunt pascua tyrannorum ac militum, tyranni vero et milites sunt paseua diabolorum – “Der gemeine Mann und die Bauern sind eine Weid der Tyrannen und Soldaten, die Tyrannen und Soldaten sind eine Weid der bösen Feind." - Auf solche Weis könnte jemand die Soldaten vergleichen dem kleinen Wasser Wien, von dem die vornehme Residenzstadt Wien getauft worden ist. Dieses Wasser, wann es erwächst, so nimmt es alles mit, was es ertappt, daher ihm konnte der Poet füglich zuschreiben: Quod capit, rapit — ,,Was tut ertappen, das tut's wegschnappen." Alles dies ist geredet auf die Soldaten, aber nicht auf alle, vorderst nit auf den heiligen, ritterlichen Kriegsmann Georgius