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Anmerkungen zur Religionsgeschichte des Christentums

Die Wurzeln christlichen Denkens sind im Judentum zu suchen, jedoch nicht ausschließlich. Vielmehr haben assyrische, babylonische, persische und ägyptische Religiosität das sich entwickelnde Christentum ebenso erblich beeinflußt wie römische und griechische Philosophie. So kennt der Mitras-Kult Taufe, Konfirmation, Abendmahl und Dreieinigkeitslehre und nimmt den 25. Dezember als Geburtstag des Lichtgottes an. Im Isis-Kult der Ägypter ist bereits eine unbeflekte Empfängnis beschrieben. Der Wiedergeburtsgedanke ist vermutlich durch indischen und persischen Einfluß ins Christentum gelangt. Vom Judentum wurde der Monotheismusgedanke und das sich auserwähltes Volk fühlen, das königliche Priestertum und ähnliches übernommen. Aus dem Ausschließlichkeitsgedanken (Erwählung) entstand elitäres Denken gegenüber anderen Religionen, was natürlich zu Zwisten führen mußte und kämpferisches Verhalten förderte. Die dabei auf dem Kampfplatz gebliebenen werden als Märthyrer verherrlicht. Noch in unserer Zeit werden Kriege häufig religiös motiviert, ganz im Gegenteil was nach allen Informationen der Religionsgründer des Christentums im Auge hatte, wenn er an Petrus z.B. die Worte richtete, stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert zieht, der soll durch das Schwert umkommen.

Das Christentum und sein Denken hat geschichtlich mehrere große Abschnitte und entsprechende Zässuren.

Gründerzeit
Das ist die Zeit, in der israelische Gründer Jesus von Nazareth am galiläischen Meer auf seine Jünger und Nachfolger seine Gedanken übertrug.

Ausbreitungszeit
In der Ausbreitungszeit wurde auch (ca. 120 - 150 uZ) der erste Canon heiliger Bücher zusammengestellt, von dem uns heute noch etwa 25 verschiedene Evangelien bekannt sind.
In dieser Periode wurde durch die Person des bekehrten Saulus /Paulus, eines aus Tarsus in Kleinasien stammenden Mannes, das Christentum in der damaligen Welt römisch-griechischen Denkens ausgebreitet. Paulus war dafür prädestiniert durch seine Ausbildung in Philosophie und seine Wurzeln im jüdischen Glauben. Allgemein besteht Übereinkunft darüber, daß durch die Lehre des Paulus das Denken des Jesus von Nazareth interpretiert und so verändert wurde, daß es auch außerhalb des Judentums Wurzeln fassen konnte. Wichtig war nun die Abgrenzung gegenüber den Philosophen und Denkern, die Paulus von seiner Ausbildung her kannte (Wo sind die Weltweisen, die Schriftgelehrten, Gott hat die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht.). Paulus hat also als der eigentliche Religionsgründer zu gelten. In Rom, dem Machtzentrum der damaligen Welt, war die Ausübung einer anderen Religion als des Götterglaubens anfänglich verboten. Die Christen wurden als Verächter der Staatsreligion Roms angesehen und entsprechend verfolgt. Zu bemerken ist, daß die gebildetsten Kaiser das Christentum am meisten verfolgten, wie dies von Domizian, Hadrian, Trajan und Mark Aurel überliefert ist. Offensichtlich hat jedoch die Bereitschaft der Christen zum Märthyrertod die Römer ziemlich beeindruckt.

Römische und griechische Gedanken über Selbstverantwortung und Demokratie standen in starkem Widerspruch zu dem Glaubensgut der Christen, die behaupteten genau zu wissen, was gut und böse ist und wer in den Himmel kommt und wer verdammt wird. (Wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, dann müßt ihr in euren Sünden sterben.) Daß ein Pophet aus einem Volk der Ziegenhirten stammte und der das schwarz-weiß Denken förderte, das Wissen seiner Zeit nicht gerade mit Löffeln genossen hatte und sich ohne es zu kennen darüber lustig machte, war für römische Denker eine Zumutung. Nein, es war keine Religion der Gebildeten, sondern eine der geistig und materiell armen. Wen nimmt es wunder, daß die Christen bespöttelt wurden und ihre Stärken lange verborgen blieben. Da auf die Dauer kein Miteinander zwischen der Antike und dem neuen Gedankengut möglich war, wurde die Antike übernommen. Das gilt ebenso für viele Elemente der germanischen Religion, z.B. Weihnachtsbaum und gipfelte in der Scholastik in der Bemerkung des Thomas von Aquin, daß die Wissenschaft Dienerin der Religion sei, die ihre Ansrpüche zu prüfen habe.

Dogmatisierung
Kaiser Constantin (323 - 337) anerkannte das Christentum schließlich als Staatsreligion. Von da an war es, abgesehen von wenigen Ausnahmen (z.B. Kaiser Julian Apostata), begünstigt. 392 wurden heidnische Opfer (d.h. die Ausübung der römischen Götter-Religion) vebroten. Auf dem Lande (der Heide, lat. paganus = Landbewohner) hielt sich die Götterreligion noch länger, daher stammt unser Ausdruck "Heidentum".

Die während der Ausbreitungsphase in Ansätzen begonnene Patristik (lat. Pater = Vater), eine Verschmelzung römisch-griechischer Kultur und Bildung mit dem Christentum, setzte ein, um die philosophie Begründung der christlichen Lehre zu geben. Dort entstanden die Grundzüge des Christentums in der Form, wie sie uns heute überliefert sind. Diese Phase dauerte etwa bis 800 und war besonders von internen Lehrstreitigkeiten gekennzeichnet. Eine Zäsur in dieser Zeit bildet das Konzil von Zizäa (325), auf der die Sätze des christlichen Glaubensbekenntnisses verabschiedet wurden. Einen großen Anteil an der Dogmatisierung haben Kirchenväter wie Origines und Augustinus.

Justinus der Märthyrer (~ 100 - 163),
Tertullian (160 - 220), credo quia absurdum,
Klemens (geb. 217), und
Origines (184 - 254)

machten die Theologie zu einer Wissenschaft. Bereits Origines verlangte eine Unterordnung der Philosophie als Magd der Religion so wie die angewandten Wissenschaften (Mathematik, Rhetorik und Astronomie) Mägde der Philosophie seien.

Innere Gefahren für das Christentum in dieser Periode waren die Gnostiker (Martial), die Manichäer, Arius und Atanasius. Da das Christentum in der Anfangsphase noch nicht durch Dogmatik festgelegt war, waren diese Gefahren von großer Bedeutung.

In der Gnosis vermischen sich noch nicht ausgedeutete christliche Glaubenssätze mit altorientalischen Einflüssen. Das denkerische Erbe von Poseidonius, Platon, Plotin, Pytagoras und der Stoa wird assimiliert. Basilides (~125) und Valentinius () begründen eine judaistische bzw. paganisierende Gnosis. Martianus aus Synope gründet seine eigene Kirche und verwendet als Unterschied zu den Juden-Christen die im Christentum abgelehnte Beschneidung (Paulus: Bei Gott gilt nicht Beschnittensein oder Unbeschnittensein sondern eine neue Kreatur). In der Gnosis verändert sich die Theodizee (Rechtfertigung Gottes) und Herkunft des Bösen. Dort wird der Schöpfergott (demiurg) und Gott der Gerechtigkeit unterschieden vom Erlösergott und Gott der Liebe. Martian sieht den Jawe als Schöpfergott und Jesus als den Gott der Liebe an. Aus der richtigen Erkenntnis, daß beide Gottesbilder im Grunde unvereinbar sind. Dadurch erhält auch die Sünde besondere Züge: Im Menschen kämpfen die Mächte der Finsternis und des Lichts miteinander. Seine Seele ist jedoch nur Kampfplatz der widerstreitenden Prinzipien. Diesen inneren Kamp soll der Mensch erkennen. (Gnosis = Erkenntnis). Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.

Scholastische Phase (800 - 1500)
Die Entwicklung der Theologie (Gottesgelehrsamkeit) fand während der Frühscholastik statt. Sie bildete gleichzeitig den Beginn des Universalienstreites. In der Hochscholastik wurde aristotelisches Gedankengut aus der arabisch-jüdischen Philosophie vermehrt übernommen (Übergang zum Nominalismus). Die Spätscholastik ist gekennzeichnet durch nach innen gewandte Mystiker, wie Tauler und Meister Eckehart, was darauf hindeutet, daß die erstarrende Form der Institution Kirche nicht mehr ungeteilten Beifall fand sondern deren engagierte Anhänger eine "Verinnerlichung" des Glaubens predigten. Daß diese Verinnerlichung nur in geringem Umfang stattfinden konnte, muß auch als Auslöser der Reformation gesehen werden. Mit Beginn der Reformation kann die Entwicklung der bis dahin von der katholischen Kirche vertretenen Lehre als im großen und ganzen abgeschlossen betrachtet werden.

Hatten in der griechischen Kultur die Menschen wenig Abstand zu ihren Göttern (Zeus zeugte nicht nur mit Leda Kinder und die Götter konnten auch durch mythische Helden betrogen und überwunden weden), so war entsprechend dem orientalischen Denken, das in das Christentum eingegangen war, zwischen der Gottheit und den Menschen ein gewaltiger Abstand. Diese Kluft mußte entweder überwunden oder erklärt werden. Ein Erklärungsversuche ist die These, der Mensch sei ein Geschöpf (kein Kind) Gottes. Durch den Sündenfall sei er jedoch sehr tief gefallen. Aus diesem Grund spielt im Christentum die Demut eine wichtige Rolle, der Hochmut, das Sicherheben über Gottes Gesetz, führte zur Vertreibung aus dem Paradies und direkt zur Hölle. Die Tugenden der Griechen (Leibeserziehung, Weisheitslehren) sind dem Christentum nur glänzende Laster. Immer mehr ging die Entwicklung zu einem Übervater als Gott, der eine Persönlichkeit war, mit dem die Seele redete (Gebet) und vor dem sie sich zu verantworten hatte (Gericht). Die antike Seele dagegen ist eher unpersönlich (Es) und ein Naturfaktor. Durch Gottes Annahme oder Ablehnung wird die Seele unsterblich geadelt oder verdammt in alle Ewigkeit (Aus Gnaden sind wir was wir sind).

Von Anfang an hatte die Kirche mit dem anfänglich übernommenen jüdischen Gottesbild ihre Probleme. Dort ist Gott ein Rächer, der die Sünden der Väter bis ins dritte und vierte Glied heimsucht. Im Christentum ist er Gott der Gnade, ein Vater-Gott. Diesen Vater verstehen zu wollen, ist ein hochmütiges Unterfangen. Von ihm wird der Mensch wiedergeboren zum "ewigen" Leben. So lautet das Zentraldogma der mittelalterlichen Kirche. Er sagt, was wir zum Leben brauchen und was wir wissen müssen. Ohne Zweifel hatte dieses Verhältnis eine erhebliche Auswirkung auf die Lebenshaltung des mittelalterlichen Menschen und die Entwicklung seines Geistes und seiner Wissenschaften. Alle Wissenschaft kann nur unter dem Hauptgedanken betrieben werden, man wolle Gott besser verstehen und seine Werke besser preisen können. Eine Denkweise, die sich erst im Zeitalter der Aufklärung (17. und 18. Jh.) ändern sollte. Sintemal die Juden Wunder suchen und die Griechen Weisheit. Wie stimmt Christus mit Belial und was hat das Licht mit der Finsternis zu tun.

Das Verhältnis der Menschen untereinander ist bestimmt durch die These, du sollst deinen nächsten lieben als dich selbst. Wir alle sind Brüder und Schwestern, einer aber (Gott, Jesus) ist Meister. Aus diesem Grund kannte das frühe Christentum keine Standesschranken und lud auch die mühseligen und beladenen zur Nachfolge ein. Er stellte vor Gott alle gleich, was einer sozialen Revolution entsprach. Während Stoiker und Epikuräer Sinn und Ziel des Lebens im diesseitigen sahen (persönlich befriedigendes Leben und sozial intakte Gemeinschaft) führen Christen den Gedanken der Erlösung zu einer "besseren" Welt (Himmel) ein. Während in der indischen Religion die Erleuchtung ein Prozeß ist, der lebenslanger Anstregung bedarf und sogar mehrere Wiedergeburten notwendig sind, ins Nirvana einzugehen, ist die Erlösung im Christentum ein geschichtlich einmaliger Vorgang mit ewigen Folgen.