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Realismus (1850 - 1880)
1.1 Begriff
Der Begriff "bürgerlicher" oder auch "poetischer
Realismus" bezeichnet die Hauptströmung deutschsprachiger Literatur
in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts.
objektive Betrachtung, sachgenaue Darstellung der Wirklichkeit,
Positivismus
Charles Darwins Abstammungstheorien und die marxistische Geschichtsauffassung
als weitere Grundlage,
Nahezu ausschliessliche Beteiligung des wohlhabenden Bürgertums
am Realismus;
wenig auf politische Veränderungen bedacht, mehr auf unveränderbare
Unzulänglichkeiten des allgemein Menschlichen
In der Literatur ist Realismus ein vielschichtiger Begriff,
der als Stilmerkmal oder Periodeneinteilung auftritt. Werke, die
sich auf die kritische Darstellung der jeweils zeitgenössischen
gesellschaftlichen Wirklichkeit konzentrieren, sind eine überzeitliche,
epochenüberschreitende Erscheinung. Eine als realistisch bezeichnete
literarische Darstellungsweise beschränkt sich nicht auf die einfache
Abbildung wirklicher Verhältnisse: Sie ist Ausdruck des Konflikts
mit den bestehenden Verhältnissen; in diesem Sinn kann ein realistisches
Literaturwerk als Fiktion bezeichnet werden, die alle Merkmale der
gesellschaftlichen Wirklichkeit aufweist.
Als Epochenbegriff bezeichnet Realismus die europ. Literatur des
19.Jh. (etwa 1830-80), wobei sich viele Modifikationen und Übergangsstufen
zwischen Realismus und Naturalismus einerseits und dem Symbolismus
andererseits herausgebildet haben. Träger des europäischen Realismus
ist der große Zeit- und Gesellschaftsroman bzw. die Erzählliteratur;
in der deutschsprachigen Literatur auch die Novelle.- Die Werke
der großen Realisten- in Frankreich H.de Balzac, Stendhal, G.Flaubert;
in England Ch. Dickens; in Rußland F.M. Dostojewski, L.N. Tolstoi,
I.A. Gontscharow; wirken als Klassiker des Realismus bis heute auf
das Romanschaffen des 20.Jahrhunderts.
1.2 Historischer Hintergrund
Märzrevolution (1848), Sturz Metternichs, Ära Bismarck
Deutsch-Französischer Krieg (1870-71), Abtritt Elsaß-Lothringens
an Deutschland
Gründung des Deutschen Reiches (1871), Gründerzeit (1871-73)
Industrielle Revolution, starke Verarmung des Proletariats durch
uneingeschränkten Kapitalismus
1.3 Weltbild und Lebensgefühl
Wirtschaftliches Kennzeichen der Zeit des Realismus ist die
rasch fortschreitende Industrialisierung auf der Grundlage eines
rapide anwachsenden technischen und naturwissenschaftlichen Wissens.
Soziale Kennzeichen sind der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft,
das Zensuswahlrecht und die neue Trennlinie zwischen Herrschenden
und Beherrschten:
- Adel und Klerus mit gesicherten Privilegien, die Bourgeoisie mit
mehr Profit und weniger Idealen auf der einen Seite,
- auf der anderen Seite das Proletariat mit 14 Arbeitsstunden, ohne
Sicherheit bei Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit.
Vor diesem Hintergrund beginnt eine allmähliche Auseinandersetzung
bürgerlicher Schriftsteller mit den "natürlichen Erscheinungen"
und dem "real Existierenden".
Von Frankreich ausgehend kam es 1848 in ganz Mitteleuropa zu revolutionären
Unruhen: Die Bürger der deutschen Staaten erhoben sich gegen ihre
spätabsolutistischen Herrscher, mit ihnen aber erstmals auch das
Handwerker-Proletariat, das mit weiterreichenden sozialen Forderungen
auf die Barrikaden ging. Aus Furcht vor der "roten Republik"
und "sozialer Anarchie" suchte das Großbürgertum schon
bald den Kompromiß mit den alten Mächten. Die Revolution brach zusammen,
die "deutsche Nationalversammlung" in Frankfurt wurde
von preußischen Truppen zur Auflösung gezwungen.
Damit ist zunächst nicht nur der Kampf des Bürgertums um politische
Mitbestimmung gescheitert, sondern auch die Schaffung einer deutschen
Nation "von unten". Diese wird erst 1871 "von oben"
herbeigeführt - durch den Sieg des preußischen Militärs gegen Frankreich
und die Ausrufung des preußischen Königs zum Kaiser des (2.) Deutschen
Kaiserreichs.
Die innenpolitischen Spannungen des neuen Staatsgebildes werden
zunächst durch den siegbedingten Wirtschaftsaufschwung ("Gründerzeit")
überdeckt, ebenso durch das geschickte Taktieren des Reichskanzlers
Bismarck, der es versteht, die bürgerlichen Parteien gegeneinander
auszuspielen (z.B. im "Kulturkampf" des preußischen Staates
gegen die kathol.Kirche) oder sie mit dem "Schreckgespenst
Sozialdemokratie" unter Druck zu halten. Seine Entlassung durch
den jungen Kaiser Wilhelm II. (1890) macht die deutsche Politik
zunehmend unberechenbar, denn unter Wilhelm II. beginnt die offen
imperialistische Phase der deutschen Politik, die mit Slogans wie
"verspätete Nation", "Platz an der Sonne" und
"Volk ohne Raum" gerechtfertigt wird.
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2. Wissenschaft
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3. Kunst
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4.1 Bevorzugte Formen der Dichtung
Häufiges Vorkommen des Romans und der Novelle
4.2 Vertreter / Werke
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Realismus
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Bertold Auerbach
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Theodor
Fontane
fortschrittlichster realistischer Erzähler, anfänglich Balladen
Dichter, standeskritischer Roman Irrungen,
Wirrungen, tragischer Roman Effi
Briest , teilweise von der Ablösung des Alten
durch das Neue handelnder Zeitroman Der
Stechlin |
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Gustav
Freytag
historischer Kaufmannsroman Soll
und Haben |
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Jeremias
Gotthelf
Romane, Der Bauernspiegel, Die
Schwarze Spinne, Wie
Uli der Knecht glücklich wird, Uli
der Pächter |
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Friedrich
Hebbel
apokryphes Drama des Alten Testaments Judith,
Trauerspiel
Agnes Bernauer, Erneuerung des bürgerlichen Trauerspiels
(keine adlige Rolle) mit Maria
Magdalena, , Verstragödien
Herodes und Mariamne und Gyges
und sein Ring |
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Paul
Heyse
Theorien zur Novelle, Novelle L'Arrabbiata,
Nobelpreis (1910) |
| Gottfried
Keller
autobiographische Erzählung Der
grüne Heinrich, politische und von der Natur handelnde
Lyrik
wie Abendlied
, Novellen Die
Leute von Seldwyla mit Romeo
und Julia auf dem Dorfe ,
Züricher Novellen und der Novellenzyklus Das Sinngedicht, |
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Otto
Ludwig
Zwischen Himmel und Erde |
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Conrad
Ferdinand Meyer
historische Erzählungen Der Heilige, Die Richterin (Mittelalter),
Jenatsch,
Gustav
Adolfs Page (Reformationszeit), Das
Amulett (Gegenreformation), Plautus
im Nonnenkloster, Angela Borgia (Renaissance),
Gedichte |
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Friedrich
Nietzsche
nihilistische, darwinistische Denkweise, Gesellschaftskritik
Unzeitgemäße
Betrachtungen, philosophische Dichtungen
Also sprach Zarathustra |
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Wilhelm
Raabe
Milieuchronik Die
Chronik der Sperlingsgasse, Romane Der Hungerpastor,
Abu Telfan, Der Schüdderump, Verleumdungsgeschichten Horacker
und Stopfkuchen.
Eine See- und Mordgeschichte, stimmungsvolle Geschichte
Die
schwarze Galeere |
| Theodor
Storm
Novellen, u.a. Immensee,
autobiographische Erzählung Viola
tricolor, Erzählungen Aquis
submersus, Novelle über Deichbauer
Der Schimmelreiter, Gedichte
Hyazinthen,
Die
Stadt,
Meeresstrand |
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Richard
Wagner
Komponist, Aufgriff germanischer Mythologie im Gesamtkunstwerk,
Theorie Das Kunstwerk der Zukunft |
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5. Einzeldarstellungen,
Materialien, Quellen
Zur
Leittabelle Literaturgeschichte,
Zur
Zeittafel Allgemeine Geschichte, Zur
Dichterliste nach Epoche
Fremdlinks
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