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Frühes Mittelalter ~ bis 1100
Zeit der Völkerwanderung ~ 375 – 568
Fränkisches Reich:
Unterschiedliche Reichsteile, Missionierung, Christliche Umgestaltungen
Geschichte
Die Germanen glaubten an Götter und an das Fortleben nach
dem Tod. Diese Ansichten sind noch zu erkennen in Sagen und Märchen
aus dieser Zeit. Die Völkerwanderung (375 – 568) veränderte
und erweiterte das magisch-natürliche Bewusstsein der germanischen
Stämme. Bräuche und Sitten aus anderen Ländern regten
zur Neuorientierung an. Während dieser Zeit kam es zur Wanderung
von Stämmen innerhalb Europas. Durch den Kampf gegen Rom entstanden
Verbindungen zwischen Alemannen, Franken, Sachsen, Thüringern
und Bayern.
Bei den Westgermanen führte die Völkerwanderung zu einer
Umsiedelung der Stämme im Innern Deutschlands. Erst als die
Franken und die ihnen angeschlossenen Stämme die Römer
besiegten (486) und in freundschaftliche Beziehung zu den Galliern
traten, nahmen sie unter Chlodwig aus dem Hause der Merowinger
das Christentum an. Es verging einige Zeit bis die verschiedenen
Volkerstämme wirklich christianisiert waren. Die noch erhaltene
althochdeutsche Literatur (schriftliche Überlieferungen ab
~ 800) lässt entsprechende Rückschlüsse zu.
Angelsächsische Mönche, besonders Bonifatius (679 – 754)
wurden mit der Christianisierung der Germanen beauftragt. Mit großem
Erfolg missionierte Bonifatius in Thüringen, Friesland, Hessen,
Württemberg, Westfalen und Bayern, u. a. gründete er
das Kloster zu Fulda.
Literatur ist aus der Zeit der Merowinger (482 – 751) nur
sehr bruchstückhaft überliefert, da nur mündlich
tradiert und zu einem späteren Zeitpunkt von schreibkundigen
Mönchen aufgezeichnet wurde. Die Merowinger wurden durch die
Karolinger abgelöst, Karl d. Gr. wird ~ 800 zum Kaiser gekrönt.
Er fördert Kunst und Wissenschaft und zog bedeutende Gelehrte
an seinen Hof, so u.a. den Angelsachen Alkuin als Leiter der Hofschule,
den Langobarden Paulus Diakonus, den Westgoten Theowulf aus Spanien
sowie Angilbert und Einhard. Einhard wurde der Nachfolger Alkuins.
Latein war die literarische Sprache der karolingischen „Akademie“.
Die Tierfabel des Äsop wurde von Diakonus in lateinischen
Versen zu einem Epos verarbeitet. Darüberhinaus ließ er
ein Liederbuch in deutscher Sprache erstellen. Die Förderung
der deutschen Sprache für die Literatur wurde von seinen Nachfolgern
fortgeführt. Der erste Lehrer bzw. Unterrichtsminister in
Deutschland war Hrabanus Maurus (Rabe aus Mainz), Erzbischof von
Mainz (um 780-856) ein Schüler von Alkuin. Sprache und Bildung
Ohne Sprache kann es keine Entwicklung geben. Die germanische Sprache
ist ein Zweig der arischen bzw. indogermanischen Sprachfamilie.
Die gemeinsame Sprachfamilie förderte bei den Germanen die
Bildung des Nationalcharakters. Die Trennung der germanischen
Sprache von den übrigen europäischen Sprachen (z.B.
romanische Sprachen) erfolgte zum einen durch die römische
Besatzung, im übrigen durch eine separate Entwicklung z.B.
im östlichen Bereich Europas (Satem ? Sprachgruppe). Es
bestand eine Art Buchstabenschrift, die Runen (3, . 11, Jhd.
nachweisbar). Durch Lautverschiebungen in den einzelnen
Regionen entstanden
die „deutschen
Mundarten“ z.B. oberdeutsch-fränkische, sächsische,
alemannische Mundart. Sie sind literarisch unter der Bezeichnung „althochdeutsch“ zusammengefasst.
Großen Einfluss auf die deutsche Sprachentwicklung und das
germanische Leben bewirkten die römische Kultur und das Christentum.
Viele rechtliche und kirchliche Ausdrücke existierten in griechischer
und lateinischer Sprache. Entweder wurden die fremden Worte direkt
in die deutsche Sprache übernommen oder man versuchte sie
zu verdeutschen. Lehnwörter aus dem Keltischen wurden besonders
bei Ortsnamen beibehalten. Römische Kultur veränderte
Sitte und Kultur der Germanen.
Literatur
Texte altgermanischer Herkunft
Die altgermanische Dichtung gehört noch zur schriftlosen Zeit und
ist verwurzelt im religiös-kultischen Brauchtum der germanischen
Stämme; sie handelt von sozialen und kriegerischen Sitten. In
der Hauptsache sind dies Gebet, Zaubersprüche und Beschwörungen.
Die
Bibelübersetzung des westgotischen Missionsbischofs Wulfila ist
das älteste erhaltene Sprachdenkmal der germanischen Literatur
und zugleich eine der wichtigsten Übersetzungen der Weltliteratur.
Wulfila prägt neue Worte und Begriffe nach griechischem und lateinischem
Vorbild, damit er die christliche Gedankenwelt dem Volk verständlich
machen konnte. Er
hat die gotische Schrift (Runen) erst geschaffen.Leider
ist sein Werk heute nicht mehr vollständig erhalten.
Die beiden „Merseburger
Zaubersprüche“ sind germanisch-heidnischen Ursprungs,
wurden jedoch vermutlich erst im 10. Jh. aufgeschrieben. Diese
Form wird später von christliche Segen übernommen, in denen
Christus, Maria, die Apostel und Heiligen angesprochen werden.
Beispiele
für Mischungen
zwischen heidnisch-magischen Sprüchen und christlichem Gedankengut
sind u.a.:
Segen gegen den Wolfsschaden (=Wiener Hundesegen)
Straßburger Blutsegen (zur Stillung des Blutes)
Lorscher Bienensegen (sollte die Rückkehr des Bienenschwarms
bewirken)
Weingartener Reisesegen (für den Reisenden wird um Gottes
Geleit gebeten).
Als Folge von Kriegen entstand die älteste Poesie der Germanen,
nämlich das Heldenlied und der Schlachtengesang. Die germanische
Heldensage beruht auf Geschehnissen der Völkerwanderungszeit,
wie z.B. die Nibelungensage, ~ 450
entstanden, Sie
ist eines
der frühesten Textzeugnisse in deutscher Sprache. Das Thema
entstammt dem rheinischen Raum, nahe der niederländischen
Grenze und bezieht auch Ereignisse um den Hunnenkönig Attila
mit ein. Die verschiedenen Handschriften (ca. 35) stammen erst
aus dem 13.Jhd. Als diese Sagen literarische Form bekamen, lag
das geschichtliche Ereignis schon so weit zurück, daß die
tatsächlichen Ereignisse in den Hintergrund traten. Der Mensch
stand im Vordergrund; Hauptsache war die Persönlichkeit.
Das „Hildebrandlied“ wurde ~ 820
nach einer Vorlage von zwei Fuldaer Mönchen
geschrieben. Der Inhalt des Liedes gehört dem ostgotischen
Sagenkreis an und schildert den Kampf zwischen Hildebrand und seinem
Sohn Hadubrand. (es geht um die Gestalt des Ostgotenkönigs
Theoderich von Ravenna, volktümlich übersetzt als Dietrich
von Bern. Leider ist das Hildebrandlied nicht vollständig
erhalten. Es ist ein Sprachdenkmal und poetisches Kunstwerk, das
den Geist der germanischen Helden während der Völkerwanderung
beschreibt.
Glossarien und andere Übersetzungen
Vermutlich hat im 6. Jh. (510) die glossographische Tätigkeit
schon begonnen, denn aus dieser Zeit stammen die altniederfränkischen
Glossen zur „Lex Salica“ (= Malbergische Glossen).
Dem Volksrecht der Salier geht ein Prolog in lateinischer Sprache
voraus. Er wurde von einem Franken verfasst und ist das älteste
vorhandene Denkmal einheimischer Poesie der Franken, ein Loblied
auf die Tüchtigkeit der Franken, die sich vom römischen
Joch befreit hatten. Beispiele sind:
Abrogans (von Arbeo, Lexikon
des Althochdeutschen 8. Jhd.) und
Hermeneumata: Älteste Glossensammlung, nicht nur für
Lehrzwecke sondern auch für den praktischen Gebrauch.
Die karolingische Literatur 770-910
770-790: Vor und frühkarlsche Literatur
790-820: Blüte der karlschen Kirchenprosa
820-840: Hrabanische Periode (Hrabanus Maurus - Lehrer in Fulda,
Abt 822-42)
840-860: Stumme Periode --getrenntes Reich
860-880: Die neue Dichtung -- Otfried --Ludwigslied
880-900: Ausbreitung der Reimversdichtung: Galluslied, Georgslied
usw.
900-910: Karolingischer Ausklang
Anfänge deutscher Literatur in Gebrauchstexten des 8. und
9. Jahrhunderts
Dichtung aus christlichem Glauben, religiöser Stoff übersetzt
in die Vorstellungswelt der Germanen
~ 700 St. Galler Handschrift (Glossenliteratur, Rechtswörter)
~ 790 Wessobrunner Gebet, eine Mischung aus Vers und Prosa, vermutlich
Anfang eines Gedichts
über die Weltschöpfung.
~ 802 Übersetzung des salischen Rechts (Lex Salica) im Auftrag
Karl d. Gr. , ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der deutschen
Literatur des Rechts.
~ 802 Fränkisches Taufgelöbnis
~ 810 Sächsische Beichte und kirchl. Hymnen (bekannt als Murbacher
Hymnen)
822/840 Ludwig der Fromme ließ das Alte und Neue Testament übersetzen.
Das Neue Testament ist fast vollständig vorhanden. Es wurde
in die sächsische Sprache übersetzt und ist bekannt unter
dem Namen „Heliand“. Der Name des Übersetzers
ist nicht bekannt. Grundlage des Werkes ist das Neue Testament
nach dem Syrer Tatian. Nach altgermanischer Auffassung erscheint
Christus als Volkskönig, die Apostel als Gefolgsmannen, israelitische
Städte werden als sächsische Burgen dargestellt. Epische
Formeln, schmückende Beiwörter und stabreimende Langzeilen
sind Erinnerungen an die alte Heldenpoesie. Was dem germanischen
Empfinden noch fremd war (z.B. Feindesliebe) wurde „mundgerecht“ für
das Volk aufbereitet.
830 - 840 „Muspilli“ (Weltbrand). Das Gedicht schildert
das Schicksal der Seele des Menschen nach dem Tode und ist Ludwig
dem Deutschen gewidmet. Es erzählt vom Kampf der Engel und
Teufel um die Seele nach dem Tode und vor dem Letzten Gericht.
Der Streit zwischen Elias und dem Antichrist entbrennt und der
erste Weltbandes wird entfacht..
842 - 849 Der Abt Walafried Strabo, Gelehrter, Dichter und bester
Lateiner seiner Zeit. Er schrieb u.a. "De cultura hortorum" (Hortulus),
indem Pflanzen des Klostergartens beschrieben werden (Latein).
Es handelt sich um die erste schriftliche Quelle des Gartenbaus.
~
841 Straßburger Eide
Nach einem Sieg über den Bruder Lothar I. (ältester Sohn
Ludwigs des Frommen) - bekräftigten der Karl II. (der Kahle),
König der Westfranken, und Ludwig der Deutsche (König
der Ostfranken), ihr Bündnis: Am 14.2.841 schwören beide
in der Nähe von Straßburg mit ihren beiden Heeren den
Eid in der jeweiligen Sprache des Bündnispartners, auf rheinfränkisch
und auf romanisch. Überliefert sind die Texte in der lateinisch
geschriebenen Historiae des Nithardus (Nithard, ein Enkel von Karl
d. Gr.)
~ 850 Weißenburger Katechismus, Bruchstücke eines aus
dem lateinischen übersetzten Matthäus-Evangeliums (790 überliefert
als „Isidor“). Sammlung liturgischer und katechetischer
Texte, meist althochdeutsche Sprache,
~ 865 Eines der bedeutendsten
Kunstwerke der karolingischen Literatur ist das „Liber evangeliorum“ (Evangelien Harmonie)
des Weißenburger Mönchs Otfrid, in vier Handschriften überliefert.
Er war nicht nur Gelehrter sondern auch Dichter und Lyriker und
ist der namentlich zuerst erwähnte Dichter der deutschen Literatur.
Seine Dichtung ist ein gereimtes Evangelienbuch, das 830 begonnen
und 868 vollendet war und u.a. König Ludwig d. Deutschen gewidmet
ist. Es beinhaltet das Leben Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt.
Eingeflochten sind religiöse Belehrung und Erbauung. Christus
wird wieder als Germanenkönig, Pilatus als fränkischer
Herzog dargestellt. Dieses Werk wurde Grundlage der späteren
deutschen Metrik.
~ 880 ist das Ludwigslied entstanden. Es behandelt
den Einfall der Normannen ins Frankenland und den Sieg Ludwigs
III. Die Franken
erscheinen als Gottes auserwähltes Volk, Gott befindet sich
immer im Hintergrund. Gott beauftragt Ludwig seinem Volk zu helfen.
Schließlich siegt Ludwig als tapferer und vorbildlicher Herrscher
in einer kurz geschilderten Schlacht und besteht somit somit seine
Prüfung. Das Lied endet mit dem Segenswunsch für den
jungen König. Das Bemühen des Verfassers besteht darin,
heidnische und christliche Vorstellungen zu vereinen. Die Dichtung
wird einem flandrischen Mönch zugeschrieben.
880 - 890: Galluslied, Georgslied
Altklassische Klosterkultur und lateinische Dichtung der Mönche
~ 900
Reformen innerhalb der Kirche und Klöster bewirkten eine straffe
Machtkonzentration der Kirche. Sie stellt die weltliche Herrschaft
der Ottonen (auch Ludolfinger genannt) in Frage. Der tiefe Zwiespalt
der christlichen Menschen kommt in der Spruchdichtung Walther von
der Vogelweide über diese Zeit zum Ausdruck.
Die Mönche vertieften sich eifrig in die Übersetzung
der griechischen und römischen Antike. Besonders in lateinischer
Sprache fand die Antike Eingang in den Literaturbereich.
910- 980: Ottonenzeit (Ottonische Renaissance)
Um 920 entstand das „Walthari-Lied“. Es brachte die
Walter-Sage mit christlichen Motiven in ein lateinisches Hexameter-Epos.
Der Klosterschüler Ekkehard von St. Gallen hat es begonnen.
100 Jahre später wurde es von Ekkehard IV. vollendet. Stilvorbild
war Virgil.
Inhalt: Die Geiseln Walther und Hildegard fliehen von Attilas Hof
bis zum Rhein. Eine dritte Geisel, Hagen, war entkommen. Dessen
Herr Gunther möchte den Schatz Walthers besitzen. Im Kampf
werden Gunther, Hagen und Walther verwundet und versöhnen
sich. Hildegard verbindet die Wunden. Sie ist nicht mehr die Wallküre
der Sage sondern nähert sich dem christlichen Frauenbild des
Mittelalters.
Hroswith von Gandersheim, eine Nonne (um 930 geboren) schuf die
ersten Dramen.in lateinischer Sprache, zwar ohne äußere
Einteilung aber bereits in gutem Dialog mit Heiligen- und Märtyrerstoffen
(z.B. „Dullicitius“. Außerdem schrieb sie Legenden
mit antiken Versmaßen, die älteste Fassung des Faustmotivs „Theophlus“ sowie
zwei historische Epen, welche die Taten Ottos I. und die Klostergeschichte
von Gandersheim beschreiben.
980-1020: Die Zeit Notkers des Deutschen
Vor allem bekannt als Übersetzer vom Lateinischen ins Althochdeutsche,
besonders Psalmenübersetzung.
1020-1060: Neue Weltfreude, Zeit der ersten Salier
Um 1030 entstand Ruodlieb, ein romanhaftes Epos in lateinischen,
gereimten Hexametern. Die Motive der alten Sage werden mit fremden
Novellenstoffen und kulturhistorischen Details vermischt. Ruodlieb
war der Vorläufer der höfischen Ritterepen und enthielt
bereits Ansätze der Minnelyrik.
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