Anmerkungen
zur Philosophiegeschichte
Die Farben des Regenbogens
Als kleiner Junge, wurde mir ein Regenbogen gezeigt. "Er hat
sieben Farben" wurde mir erklärt."Rot, orange, gelb,
grün, blau, dunkelblau und violett". Ich fand die Farben,
von denen mir erzählt wurde.
Etwas älter und kritischer geworden stellte ich fest, dass
da noch manche Zwischentöne waren, die man ebenso zur Erklärung
benutzen könnte. In Wahrheit geht die Anzahl seiner Farben
gegen unendlich.
Später lernte ich im Physikunterricht etwas über Lichtbrechung
und elektromagnetische Schwingungen. Obwohl die elektromagnetischen
Schwingungen sich nur ähnlich sind, sieht jeder Regenbogen
für unser Auge gleich aus.
Damit ist noch nicht beantwortet, warum das Licht sich in eben diese
Spektralfarben teilt, wenn es eine entsprechende Brechung erfährt.
Heute lehrt uns die Quantenphysik näheres.
Die Entwicklung meiner Beobachtung des Regenbogens verlief von der
naiven Sicht des Kindes zur differenzierend-kritischen Denkweise
des Erwachsenen. Ähnliche Entwicklungen hat die Philosophie
hinter sich gebracht - vom naiv-religiösen Denken bis zur Interpretation
der Ergebnisse moderner Physik. Diese Entwicklungen sollen anhand
kurzer Texte und ausführlicher Beispiele der Denkgewohnheiten
verschiedener Zeitabschnitte als Aufriss vermittelt werden. Dabei
gibt es Probleme.
Einteilung in Epochen
Wir sind gewohnt, in Ordnungsschemata zu denken, z.B. Zeit oder
Kategorien. Zeitaufteilungen sind vergleichsweise willkürlich
(Alle 100 Jahre?, Alle 50 Jahre? Jedes Jahrtausend?). Denkkategorien
überlappen und sind daher ungenau. Sollen die Neomarxisten
des 20. Jahrhunderts mit den Marxisten des 19. Jahrhunderts in einem
Atemzug genannt werden? Sollen die griechischen Naturphilosophen
mit den Sophisten, Platon und Aristoteles als "griechische
Schule" zusammengefasst sein? Schauen Sie selbst wie ich -
teilweise aus Raumgründen - gegliedert habe. Auch die Farben
des philosophischen Regenbogens die weggelassen sind (nicht "in"
zum jetzigen Zeitpunkt), wären wohl der Betrachtung wert.
Geschichte wird teilweise zyklisch-wiederholend gesehen(Buddhusmus),
teilweise als Abstiegsprozess vom Paradies oder dem goldenen Zeitalter
zur bitteren Gegenwart (Christentum), teilweise auch als Aufstiegsprozeß
aus dem Elend in eine goldene Zukunft (Kommunismus). Die jeweilige
Sichtweise beinflusst auch die Art der Darstellung der Geschichte.
Eschatologische (endzeitbezogene) Betrachtungsweisen sehen einen
Anfang und ein Ziel (Endzweck) in der menschlichen Geschichte.
Geschichte ist auch Rekonstruktion von Einzelereignissen. Schon
die Rekonstruktion eines Sachverhaltes im Gerichtsverfahrens kann
große Schwierigkeiten bereiten. Umso mehr wird die Geschichtsschreibung,
die so lange Zeiträume nur aufgrund von Indizien rekonstruieren
kann, ihre Probleme haben.
Frühzeit des Denkens
Für uns ist ein geschichtlicher Zeitraum von 3000 bis 4000
Jahren überschaubar. Wie wir aus der Archäologie wissen,
haben die Menschen schon lange vorher Kultur entwickelt, haben sie
eine "philosophische Weltsicht" zur Daseinsbewältigung
schon früher, vor der geschichtlichen Zeit eingerichtet. Das
ursprüngliche Nachdenken diente zunächst der Beschäftigung
mit der Natur, um die Überlebenschanchen zu erhöhen (z.B.
Jagdzauber, Fruchbarkeitsgötter), aber auch der Bewältigung
beeindruckender Ereignisse (Weltentstehung, Geburt, Tod). Ärzte,
Astrologen, Magier, Priester, kurz: Leute die hinter den Erscheinungen
die Zusammenhänge und Gesetze zu suchen gewöhnt waren,
kommen in dieser Zeit als "Philosophen", als Interpreten
der Welt in Frage (griechische Orphik). Es bestehen nur dürftige
Überlieferungen, da das Schreiben anfänglich noch unmöglich
(kein Schriftsystem) oder schwierig war (kein Druck sondern Gravur
in Steine, Beschiften von Tierfellen, Papyrus). Die Gedanken konnten
nur mündlich oder in Zeichnungen weitergegeben werden. Der
grössere Teil der Menschheit musste durch Jagd und wenig ergiebige
Ackerbaumethoden sein Dasein fristen. Wer nur arbeitet hat keine
Zeit zum Denken! Immerhin hat der Bauer, der vor dem Feld sitzt,
der Schafhirte der seine Tiere auf der Weide beaufsichtigt schon
erhebliche Vorteile vor dem ewig betriebsamen Jäger.
Auch bevor die Menschen schreiben und lesen konnten, haben sie über
Gott und die Welt nachgedacht, denn die Fähigkeit zum Denken
hängt mit der Fähigkeit zu Sprechen und Begriffe zu bilden
eng zusammen. Sprachlogik ist auch deshalb ein wichtiges Teilgebiet
der Philosophie. Erste Differenzierungen des Denkens traten ein,
als der Beruf des Schamanen (Arzt-Priesters) aufgeteilt wurde in
Arzt- und Priesterstand. Während Priester und Dichter sich
mehr mit der Religionsphilosophie (Begründung für die
Existenz von Götternund deren Taten) abgaben, scheinen die
Ärzte eher die naturwissenschftliche Seite gesehen zu haben.
Mit fortschreitender Differenzierung der Berufe wurden auch die
Philosophien - und damit die Weltinterpretationen - differenzierter.
Theoretiker und Praktiker begannen sich zu unterscheiden. Einen
amüsanten und kenntnisreichen Überblick über die
Entwicklung des Verhältnisses von Theorie und Praxis in der
Philosophie gibt Blumenberg, "Das Lachen der Thrakerin".
Wenn wir Texte anderer Kulturen lesen stellen wir fest, dass Fremdsprachen
und -Kulturen zum Teil zu verlustreichen Übersetzungen (z.B.
indische oder chinesische Texte) verursachen.
In der vorliegenden, fürs Internet erstellten Darstellung entsteht
eine besondere Schwierigkeit. Knappe Worte müssen für
ganze Bibliotheken stehen. Der Leser erwartet einen Extrakt von
Platon in einem Satz. Ist das möglich? Nein! Natürlich
kommen aus diesem Grund nur die wesentlichsten Schreiber zu Wort.
Gegenstände des Nachdenkens
Während in der Antike die Weltordnung und -entstehung, sowie
die persönliche Lebenshaltung Gegenstand der Überlegungen
waren, beherrschte im beginnenden Christentum die Religionsphilosophie
das Feld. Im ausgehenden Mittelalter, der Zeit der Städte und
der Reformation, begann die abendländische Philosophie sich
stärker mit dem Wesen sozialer Gemeinschaften (Politik, Rhetorik,
Staatsverfassung) zu beschäftigen. Während der Periode
der Frühindustrialisierung rücken Probleme der Arbeitswelt
in den Vordergrund (z.B. Marxistische Philosophen). In der jüngsten
Zeit spielen - im Zusammenhang mit der sprunghaften Entwicklung
der Naturwissenschaften - Logik , Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie
eine grosse Rolle. Spezialisierung und Umfang des Wissens entwickelten
sich in der Neuzeit so, dass der Philosoph und Mathematiker Leibnitz
(1646 - 1716) als der letzte Universalgelehrte gilt, der das Wissen
seiner Zeit noch in einem Kopf vereinigte.
Der "Normalverbraucher" der Philosophie
Wie wurde Philosophie dem Normalverbraucher vermittelt und wer war
dieser Normalverbraucher?
Wir wissen nicht genau, wie weit die Fähigkeit des Lesens (ganz
zu schweigen vom ausformulierten Schreiben) in der Bevölkerung des
16. und 17. Jahrhunderts verbreitet war. Für das elisabethanische
England lauten Schätzungen auf ein Drittel bis eine Hälfte Lesekundiger,
in Deutschland war ihr Anteil aber sicher kleiner, da das Schulsystem
weniger ausgebaut war. Ich neige vor allem vor dem Hintergrund der
anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen dazu, für Deutschland
in dieser Epoche den durchschnittlichen Alphabetisierungsgrad nicht
höher als 10 bis 20 Prozent anzunehmen. Entsprechend dieser Entwicklung
waren auch wissenschaftliche und philosophische Lektüre weniger
verbreitet. Sie blieben auf höhere, gelehrte Schichten beschränkt,
ebenso wie die philosophische Bearbeitung sozialer Probleme.
Über die Auswahl von Texten
Aus räumlichen Gründen mußte eine Auswahl aus den vorliegenden
Schriften getroffen werden. Dadurch entsteht die Gefahr, daß nur
noch Gedanken dargestellt werden, die aus unserer heutigen Weltsicht
von Interesse sind oder noch Gültigkeit haben. Extremstandpunkte,
die in alten Zeiten durchaus als allgemein gültig betrachtet wurden,
werden dadurch natürlich vernachlässigt. Dies gilt umso
mehr, je älter und bruchstückhafter die Texte vorliegen (z.B. Vorsokratiker)
und je umfangreicher das Gesamtwerk des Denkers ist (z.B. Schopenhauer,
Kant).
Alle ausgewählten
Texte müssen unter dieser einschränkenden Bedingung gelesen werden.
Wer mehr wissen will, muß sich selbst aus umfangreichen Werken
das
für ihn Brauchbare ausfiltern.
Einzeldarstellungen, Materialien, Quellen
Einführung in
die Philosopie, Leittabelle Philosophiegeschichte,
Zeittafel Geschichte
Griechenlands,
Philosophenliste nach Epoche
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