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Realismus
1. Wissenschaft
Philosophie (theoretischer Realismus): die Lehre, daß das begriffliche
Allgemeine (die Universalien) unabhängig vom menschlichen Erkennen entweder
getrennt von den konkreten Einzeldingen (Platonismus) oder in diesen existiere
und als solches durch Abstraktion erkannt werden könne. Im Mittelalter
war der Realismus anläßlich des Universalienstreits die Gegenposition
zum Nominalismus. Nach Auffassung des kritischen Realismus ist
über die genaue Entsprechung von Gegenständen und Vorstellungen nichts
auszumachen, da die Gegenstände immer nur über ihre vorstellungsmäßigen
Abbilder gegeben sind. In der Gegenwart wird der Realismus unter anderem
vom dialektischen Materialismus und vom Neuthomismus vertreten
2. Kunst
Realismus ist in der bildenden Kunst eine Begriff, der keine Stilbezeichnung
umfaßt, sondern allgemein eine geistige Einstellung zur Wirklichkeit,
die sich gegen ungeprüfte ästhetische Normativität wie gegen idealististische
Kunstauffassung richtet, wiedergibt. Realismus in diesem Sinne gab es
schon vor G.Courbets programmatischer Ausstellung ›Le réalisme‹ (1855)
seit der Antike (röm. Porträtmalerei, Giotto, J.van Eyck, A.Dürer, J.Callot,
D.Velazquez, W.Hogarth, F.de Goya). Erst im 19.Jh. trat Realismus als
materialistische Antithese zu Romantik und Idealismus auf (H.Daumier,
G.Courbet, A.Menzel, W.Leibl, die Peredwischniki), im 20.Jh. fortgesetzt
als soziale Anklage (H.Zille, K.Kollwitz, O.Dix, G.Grosz) oder direkt
politische und gesellschaftskritische Aussage (Picasso, J.Genovés, R.
Guttuso, J. Heartfield, K.Staeck und andere Vertreter des Neuen Realismus).
Der Begriff Naturalismus dagegen bezeichnet in der bildenden Kunst
ein stilist. Phänomen: die bis ins Detail getreue illusionist. Abbildung
der Wahrnehmungswelt, z.B. in der Malerei des niederl. bürgerl. Realismus
des 17.Jh.; naturalist. Darstellungen können sich sowohl mit antiidealistischen
(W.Uhde, M.Liebermann) wie idealistischen Auffassungen (z.)B. sozialistischer
Realismus) verbinden.
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