geschichte pinselpark    


Geschichte
  Home
Sitemap/Inhalt
GeschichteStartseite
Zeittafeln
Einzeldarstellungen
Geschichte-Links

Service und Kontakt
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Biedermeier  (1815 - 1848 )

Formen der Literatur im Biedermeier

Kleine Formen reflektierender Beschreibung
Da die Veränderungen, die sich vollziehen oder ankündigen, noch nicht überschaubar sind, hält man sich biedermeierlich an den überschaubaren Ausschnitt, in dem die alte Ordnung noch herrscht, vormärzlich an den Ausschnitt, den man aufgrund eigener Zeugenschaft beschreiben kann. Daher die Vorliebe für kleine Formen der Beschreibung und Reflexion wie Skizzen und Stimmungsbilder. Dem größeren Zusammen-hang nähert man sich dann an, indem man die kleineren Formen reiht, etwa in Reisebildern oder in einer Reihe von Briefen.

Dorfgeschichte
Während man sich durch Reiseberichte aus der Enge selbstständigen Lebens hinausführen lässt, sucht man sich zugleich vor der Ungewissheit des Kommenden in einen noch engeren, aber auch sichereren Raum zurückzuziehen, in Dorf. Die Dorfgeschichte, in Roman- oder Novellenform geschrieben, kann unterschiedliche Tendenzen aufnehmen. Auf der einen Seite steht Auerbach, der das Landleben zwar sentimental und idyllisierend beschreibt, als Liberaler aber zugleich hofft, die Spannungen zwischen Stadt und Land ließen sich durch allmählichen Bildungsfortschritt überwinden. Auf der anderen Seite steht Gotthelf, der in erzieherischen Romanen für die Bauern die alte sittliche Ordnung und den Glauben gegen liberale und städtisch - kapitalistische Einflüsse zu bewahren sucht.

Novelle und Märchen
Das Märchen muss den romantischen Anspruch aufgeben, die tatsächliche Verwandlung der Wirklichkeit durch die Phantasie darzustellen. Es wird anspruchsloser: unterhaltend, belehrend; oder es erinnert wehmütig an verlorenes Glück. Während die Märchentradition allmählich absinkt, gewinnt die Novelle zunehmend an Bedeutung. Hier verlagert sich das Interesse vom zentralen Konflikt selbst hin zu seinen psychischen und ethischen Folgen im Inneren des Helden und in dessen Verhältnis zur Umwelt. Das verlangt eine umfangreichere Beschreibung, nicht zuletzt eine getreue Schilderung der Umwelt; reflektierende und belehrende Kommentare werden eingeschoben. Daher schwellen manche dieser Werke bis zur Romangröße an.

Zeitroman
Die Romane bilden unterschiedliche Formen aus, sind aber vor allem im Hinblick auf die aktuellen Probleme der zeit geschrieben. Das ist am deutlichsten beim Frauenroman, der die jungdeutsche Emanzipationsthematik behandelt und auch teils von Frauen verfasst wird. Es gilt aber auch für den historischen Roman, der geschichtliche Ereignisse beschreibt, aber mit bewusst aktueller Wertung, sei sie konservativ wie bei Stifter oder liberal wie bei Alexis. Schließlich trifft es auch zu für den Dorfroman, der aus dem Gegensatz zwischen Stadt und Land lebt, wie für sein Gegenstück, den Abenteuerroman, der die Demokratie oder das Pionierleben in Amerika als Erholung für die "Europamüdeden" verschreibt. Der Künstlerroman, sofern er noch weitergeführt wird, lehrt nun biedermeierlich die Notwendigkeit, sich der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung anzupassen.

Historisches Drama
Das Drama stellt Vergangenes dar, vor allem Epochenübergänge, um so in einem Gegenbild die verwirrende Gegenwart zu erhellen. Die strenge, aber verlässliche alte Ordnung schient unterzugehen, ohne die neue Epoche dem Einzelnen dafür mehr Freiheit gewährt.
Franz Grillparzer: König Ottokars Glück und Ende (1825)
Christian Dietrich Grabbe: Napoleon oder Die hundert Tage (1831)
Georg Büchner: Dantons Tod (1835)
Friedrich Hebbel: Agnes Bernauer (1852)

Volksstück
Sehr beliebt waren die unterhaltenden, oft mit improvisierten Einlagen versehenen komischen Volksstük-ke, die in Vorstadttheatern und Gasthäusern aufgeführt wurden. Von einigen Berliner Revolutionskomödien abgesehen, die nur kurze Zeit gespielt werden konnten, war die Gattung biedermeierlich. Ihre Blüte erlebte sie in Wien. Hier sollte sie die unteren Schichten eine fromme, staatstreue Moral lehren und ihnen eine heitere, verzauberte Illusionswelt vorspiegeln. Raimund fügt realistische Elemente ein und vertieft die Gattung, indem er die Zufriedenheitsmoral durch eine untergründige Schwermut Lügen straft. Nestroy, dessen Stücke in einem realistisch gesehenen Kleinbürgermilieu spielen, wandelt das Volksstück in eine allseitige, melancholische Satire um, in welcher der virtuose, alles zerstörende Sprachwitz dazu tendiert, sich selber zu genügen.

Lyrik
Die liedhafte Lyrik entwickelt sehr unterschiedliche Formen: politisch - satirische Gedichte und revolutionäre Kampflieder bei den Autoren des Vormärz (Grün, Fallerleben, Herwegh, Freiligrath), Gedichte, in denen das Gefühl romantischer All - Einheit durch schwermütige Selbstreflexion gebrochen ( Droste, Mörike, Lenau) oder sogar systematisch zerstört wird (Heine), weiterhin Gedichte, deren virtuose Formenstrenge jenen halt vermitteln sollten, die die Dichter in den alten Wertordnungen nicht mehr finden (Platen, Rückert), schließlich Gedichte, welche die exotische, abenteuerliche ferne berufen (Freiligrath). Im Versepos ruft man eine verlorene Idylle zurück, auch dort noch, wo diese Form parodiert wird wie in Heines "Wintermärchen". Die Ballade wird breiter erzählend, eher bürgerlich und gegenwartsnah als heroisch und vorzeitlich.

Aus: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart (Klett 1991),