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Wissenschaft in der Aufklärung

1.1. Naturwissenschaften (Physik, Technik, Entdeckungen)

1.2. Geisteswissenschaften
großbürgerl.- philosoph. Flügel (Voltaire ...) kleinbürgerlich-romantischer  Flügel (Rousseau...)
Das deutsche Bürgertum war im Gegensatz zum übrigen Westeuropa wirtschaftlich schwach, der Kleinstaatenabsolutismus noch stabil, die Zerstörung der Städte im 30jährigen Krieg hatte das Bügertum auch politisch in Rückstand geraten lassen. Deshalb kompensierten die deutschen "Stürmer und Dränger" ihre politisch-ökonomische Machtlosigkeit durch die Berufung auf das künstlerische Genie, das keinerlei Regeln unterworfen ist und das allein der Stimme seines eigenen Ich gehorcht.
Der philosophische Mentor des Sturm und Drang, J.G. Herder, kritisiert nicht die Inhalte der aufklärerischen Philosophie (Licht, Verstand, Zweifel, Gedankenfreiheit, Fortschritt...), als vielmehr die "mechanische, kalte Welt" des Verstandes, die voller Haß gegen alles "Wunderbare und Verborgene" ist, in deren "Papierkultur Herz und Kopf" getrennt seien. Das Herz (Leidenschaften, Phantasie ...) wird als das den Menschen bestimmende Element anerkannt. Es geht darum, die Trennung zwischen "Intellektuellen" und "gemeinem Volk" aufzulösen; dies hinwiederum impliziert die Forderung, die gesellschaftlichen Verhältnisse umzugestalten oder zumindest grundlegend zu reformieren. Der Geniekult ist deshalb als Teil der Formierung einer bürgerlichen Opposition in Deutschland zu verstehen.
Der Sturm und Drang teilt aber auch die Kritik Rousseaus am Bürgertum: Privateigentum, Technik und gesellschaftlicher Fortschritt verurteilen die Menschen dazu, sich unweigerlich von einem als ideal angesehenen "Naturzustand" zu entfernen. Der modernen Entfremdung entgegengestellt wird "die organische Gemeinschaft der frühen Kulturen, in der die Menschen noch nicht durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit und durch Klassen von Herrschern und Beherrschten" einander feindlich gegenüberstanden. Außerdem widerspricht in den Augen der Dichter die bürgerliche Lebensweise (Arbeit, Familienleben, bescheidene geistige Ansprü-che) dem Genie genauso wie die adelige Denaturiertheit. In seiner Jugend fühlte sich Goethe dem Sturm und Drang sehr nahe.

Die Philosophie richtet ihr Interesse v. a. auf die Erkenntnistheorie, die hier erstmals zur Erkenntniskritik wird und sich so von der klassische Metaphysik abwendet. Die philosophische Diskussion ist geprägt von der Auseinandersetzung zwischen Empirismus (v. a. in England) und Rationalismus (v. a. in Frankreich), d. h. um den Zusammenhang von Erfahrung und Vernunft.
Hauptvertreter des Empirismus sind F. Bacon, T. Hobbes, J. Locke, D. Hume,
des Rationalismus R. Descartes, N. Malebranche, P. Bayle, Voltaire und die Enzyklopädisten.
In Deutschland gewinnt die Aufklärung ihr Profil durch Kant, dessen kritische Philosophie nicht nur zum Höhepunkt der Epoche wurde, sondern zu den großen Werken der Philosophiegeschichte überhaupt zählt. -
In der Theologie beginnt die noch heute weitergeführte Auseinandersetzung zw. Vernunft und Offenbarung.
In der Geschichts - Wissenschaft wird die Universalgeschichte zum Programm erhoben, um den durch die menschliche Vernunft bewirkten Fortschritt zu erfassen.
Rechts - Wissenschaft und Rechtsphilosophie begründen ein modernes Völkerrecht, in dem sie das individuelle Glücksstreben des Menschen zur Grundlage eines harmonischen Zusammenlebens der Völker machen. In der Pädagogik kommt es zu einer Revolutionierung des Erziehungswesens mit hohem ethischem Anspruch im Sinne einer humanen Erziehung bzw. einer natürlichen Entwicklung von Gefühl und Vernunft in einem geordneten Freiheitsraum. Bed. Vertreter der Literatur: u. a. J. Milton, J. Gay, D. Defoe, J. Swift, H. Fielding, L. Sterne (in England); A. R. Lesage, D. Diderot, Voltaire (in Frankreich); C. M Wieland, Gottsched und v. a. Lessing (in Deutschland).

Die Philosophie der Aufklärung entwickelte sich zuerst im 17. Jh. in England (Hobbes, Locke, Newton; später Hume), erhielt in Frankreich ihre radikalste Ausprägung (Voltaire, La Mettrie, Diderot, Condillac, Helvétius, d'Alembert, d'Holbach, Condorcet) und breitete sich dann nach Deutschland aus (Wolff, Lessing und zum Teil Kant).
Entscheidende Voraussetzung war der Aufschwung der Naturwissenschaften im 17. Jh. Die engl.-franz. A. denkt in der Erkenntnistheorie vor allem empiristisch, in der Metaphysik materialistisch, in der Moral- und Gesellschaftsphilosophie naturalistisch; die deutsche Aufklärung ist dagegen rationalistisch D. Hume eingestellt.

In der Theologie und Religionsphilosophie herrscht eine deistische Gottesauffassung vor. Die A. wendet sich gegen jede Form von Autoritätsgläubigkeit und Traditionsgebundenheit. Der Mensch kann die Natur, deren Teil er ist, voll und ganz erkennen; doch muss er lernen, seine Vorurteile abzulegen und Vernunft und Sinne auf methodische Weise zu gebrauchen. Die Religion und der Glaube an Übernatürliches insgesamt stehen dem Erwerb von Erfahrungswissen über Natur, Mensch und Gesellschaft im Wege. Dieses Wissen ist aber die notwendige Voraussetzung, um den eigentlichen Menschheitszweck zu erreichen, das Glück des Individuums und seine persönliche Selbstentfaltung.

Politisch tritt die engl.-franz. A. für die grundlegenden Institutionen der bürgerlichen Demokratie ein, u. a. für Gewaltenteilung, Meinungs- und Pressefreiheit und Anerkennung naturgegebener Menschenrechte sowie für eine vernünftige, wissenschaftliche Steuerung der gesellschaftlichen Entwicklung zum größtmöglichen Wohl aller. (Die dt. A. unterstützt dagegen weitgehend den sog. aufgeklärten Absolutismus.) Mittel des Fortschritts ist die Aufklärung: sie will die natürliche menschliche Fähigkeit stärken, selber zu denken, und damit von den Vorurteilen befreien, die durch die traditionellen Autoritäten, d. h. zuallererst durch Kirche und Adel, verbreitet und aufrechterhalten werden. "Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung" (Kant).
So wird die A. von einem starken Fortschrittsglauben getragen: Je mehr die Vernunft die Oberhand gewinnt und Irrtümer, Aberglaube und Vorurteile als solche entlarvt, desto näher kommt der Mensch einem Goldenen Zeitalter, in dem Toleranz, Frieden und Harmonie herrschen. - Die Betonung der Vernunft und des Intellekts auf Kosten von Phantasie und Gefühl schlug allerdings bald ins Gegenteil um und führte zur Epoche der europäischen Romantik. Diese Reaktion auf die A. kündigt sich bereits bei Rousseau an mit seiner Kritik am verderblichen Einfluss der Zivilisation auf den von Natur aus guten Menschen.