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1500 – 1600 Religion und Wissenschaftlerschicksale

Eine kleine Auswahl von wissenschaftlichen Fortschritten und von katholisch unterschiedlich manipulierten Wissenschaftlerschicksalen in einem (in chronologischer Reihenfolge):

Nikolaus Kopernikus (1473 -1543) aus Torun in Polen studierte in Krakau, Bologna, Padua und Ferrara und arbeitete vor allem als Astronom. Er entdeckte mehrere Fehler im Aufbau des ptolemäischen astronomischen Systems und stellte diesem sein eigenes heliozentrisches in einer bereits derart ausgearbeiteten Version gegenüber, das sogar die scheinbare Rückwärtsbewegung des Mars erklären konnte (nämlich durch die längere Umlaufzeit um die Sonne).

Kopernikus, der selbst eine kirchliche Position innehatte, kannte Auffassungen und Macht Roms und war deshalb verängstigt und publizierte seine Erkenntnisse durch längere Zeit hindurch handschriftlich im engsten Freundeskreis. Erst knapp vor seinem Tod konnten ihn die Freunde zum Druck seiner Thesen bewegen.

Der neapolitanische Dominikanermönch Giordano Bruno (1548 - 1600) propagierte in humanistischer und kopernikanischer Tradition die Ungebundenheit des Intellekts, die Unendlichkeit des Universums und naturreligiöse Ansätze: Er schrieb ein überzeugendes Pamphlet gegen Calvin und hielt beeindruckende Vorlesungen an der Sorbonne und in Oxford, wurde  schließlich in Venedig - von einem sogenannten Freund denunziert - von der Inquisition ergriffen und 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Johannes Kepler (1571 - 1630), aus Württemberg gebürtig, arbeitete als Mathematiker, Physiker und Astronom ab 1593 in Graz, nahm jedoch beim Beginn der religiösen Verfolgungen in der Steiermark als Protestant dankend eine Einladung Tycho Brahes nach Prag an. Er entdeckte die nach ihm benannten Planetengesetze, die Grundlage moderner Astronomie.

Galileo Galilei (1564 - 1642), Sohn eines Pisaner Patriziers, versuchte gegen Aristoteles neue Fallgesetze zu entwickeln, sympathisierte mit den Lehren Kopernikus’ und Keplers und entwickelte das leistungsfähigste Teleskop seiner Zeit, mit dem er die Saturnringe und die Venusphasen entdeckte.

1615 nahm Galilei öffentlich für Kopernikus Partei, mußte auf Druck der Kirche zurückziehen, durfte aber unter dem scheinbar liberalen Papst Urban VIII sogar einen Vergleich beider Systeme publizieren. 1632 wurde er dennoch vor die Inquisition in Rom zitiert:

Er wurde gezwungen, seine Auffassungen zu widerrufen, und wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die bald in Hausarrest umgewandelt wurde. Selbst als der Wissenschaftler 1638 erblindete, verweigerte ihm der Papst die Erlaubnis, den Hausarrest zur Konsultation von Ärzten in Florenz zu verlassen.

René Descartes (1596 - 1650), französischer Philosoph und Mathematiker aus wohlhabender Familie gilt als Begründer der modernen, rational ausgerichteten, “voraussetzungslosen” Systemphilosophie (methodischer Skeptizismus). Er besuchte eine Jesuitenschule bei Le Mans, studierte und graduierte in Jus an der Universität Poitiers, entwickelte in den Folgejahren seine Philosophie während dauernder Kontakte mit hohen Repräsentanten der katholischen Kirche in Frankreich, ging aber dann dennoch in die Niederlande und trat den Truppen von Moritz von Nassau bei.
In den Niederlanden veröffentlichte er auch 1637 seinen Discours de la méthode, und von dort ging er 1649 ins gleichfalls protestantische Stockholm, wo er im Folgejahr starb.

Die Beschwörung der äußeren Bedrohung durch die Türken (“Untergang des Abendlandes”) konnte von den Herrschenden nicht wirklich für eine innere Stabilisierung lukriert werden; auf der anderen Seite zeigte sich damit die christlich-abendländische Ordnung nicht mehr nur von Innen aufgeweicht (wie z.B. durch das große abendländische Schisma mit seinen Päpsten und Gegenpäpsten vor dem Konstanzer Konzil), sondern auch von Außen anfällig.

 “Europa” hatte, auch aus europäischer Sicht, aufgehört, gleichbedeutend mit “Welt” zu sein: 1492 hatte Christoph Kolumbus Amerika entdeckt

Wie ernst die Tragweite dieses Ereignisses eingeschätzt wurde, zeigt sich darin, daß Papst Alexander VI bereits am 4. Mai 1493 mit der Bulle INTER CAETERA die zu erobernden Länder zwischen Spanien und Portugal aufteilte. Ein Jahr später wurde diese Nord-Süd-Linie im Vertrag von Tordesillas zugunsten der Portugiesen in den Bereich zwischen den 48 und 49 westlichen Längengrad verschoben und bildete so die Rechtsbasis für die Eroberung Brasiliens.

1529 wurde dreißig Jahre später im Vertrag von Saragossa eine analoge Grenzlinie im Osten definiert, die man sich etwa mitten durch Australien gelegt vorstellen muß.

Schon nach Tordesillas jedoch ging es Schlag auf Schlag: 1498 umschiffte Vasco da Gama das Kap der guten Hoffnung und erreichte bei Kalkutta Indien, zwischen 1500 und 1502 erreichten die Expeditionen Francisco Cabrals und Amerigo Vespuccis die Ostküsten Südamerikas, und1519 bis 1522 umsegelte Fernando Magellan die Erde, die damit endgültig von der Scheibe zur Kugel geworden war, der Globus war in groben, aber deutlichen Konturen erkennbar geworden.

Im ökonomischen und religiösen Imperialismus zeigten die Päpste in Rom - natürlich immer ad maiorem gloriam dei - ebenso wenige Hemmungen wie die Monarchen von Spanien und Portugal, und wie zu erwarten versuchte kein Gerichtshof der Inquisition Fernando Magellan zur Rechenschaft zu ziehen, weil er durch seine Weltumsegelung bewiesen hatte, daß die Erde eine Kugel ist.

Das koloniale Zeitalter hatte eingesetzt: Deutlich hatten die europäischen Staaten die Nase vorn, in deren Auftrag die Entdecker aufgebrochen waren und die sich daraufhin blitzartig beim Papst eine rechtliche Basis dafür gesichert hatten.

Die Niederlande folgten als Kolonialmacht in wesentlich kleinerer Dimension mit zeitlichem Abstand, die großen britischen und französischen Kolonialisierungen liegen in der Mehrheit nach dem 17. Jahrhundert.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war Brasilien unter portugiesische Herrschaft geraten, die Spanier hatten so gut wie das ganze übrige Mittel- und Südamerika erobert und begonnen, die Verwaltung in Form von Vizekönigreichen zu organisieren.

Zudem hatten die Portugiesen auch in Afrika und Fernost (Ceylon, Indonesien) Kolonien erobert. Im Vorgehen, afrikanische Schwarze zuerst (häufig brutal) zu Christen zu missionieren und sie anschließend als Sklaven auf den amerikanischen Kontinent zu verschiffen (oder umgekehrt), erblickte die katholische Kirche ebensowenig einen Widerspruch wie in der Füsilierung der Indianer unter dem Zeichen des Kreuzes.

Wer die europäischen Entwicklung verfolgt hat, den wird es wenig verwundern, daß im europäischen Vergleich die kulturellen Leistungen in Deutschland des 16. Jahrhunderts, zumal an dessen Beginn, nicht gerade als hervorragend einzustufen sind.

Zwar erhielt die deutsche Sprache durch die stark verbreitete Bibelübersetzung Martin Luthers und durch überregionale Verwaltungssprachen einen starken Schub in Richtung Vereinheitlichung. Von einer einheitlichen Rechtschreibung in der Form des 20. Jahrhunderts konnte freilich dennoch keine Rede sein, und Experten können nach einem etwas gründlicheren Blick auf einen Druck des 17. Jahrhunderts den Druckort diagnostizieren.

Die andauernde, immer wieder sehr heftig, ja kriegerisch geführte Auseinandersetzung zwischen den Religion begünstigte verständlicherweise Propagandaliteratur, wie z.B. die Predigt. Aber das katholische, vor allem jesuitische Ordensdrama war ebenso Bestandteil einer internationalen mittellateinischen Literatur wie die meisten Schriften der Humanisten.

Auch wenn es zu sagen ein wenig schmerzt: In den Ländern, in denen die Reformation erst gar nicht entscheidend antrat oder in denen sie niedergeknüppelt wurde oder in denen sie sich rasch durchsetzte: Dort entstanden vielleicht nicht die interessanteren, aber sicherlich die schöneren kulturellen Produkte als in den Zonen mit anhaltenden Konflikten zwischen Katholizismus und Reformation.

Vor allem in Italien waren ganz Dinge vor sich gegangen und gingen vor sich: Aus der sowohl in der römischen als auch in der christlichen Tradition der Wiedergeburt hatte sich die Vision einer Wiedergeburt des goldenen Zeitalters in Bezug auf Vergils 4. Ekloge (“Iam redit et Virgo, redeunt Saturnia regna.”) entwickelt und in gewaltigen künstlerischen Leistungen in Architektur, Malerei und Literatur sublimiert, in denen die Epochen Antike, Mittelalter und Neuzeit zu verschmelzen schienen.

Petrarcas Freund Giovanni Boccaccio veröffentlichte sein berühmtes Decamerone 1353, Byzanz-Flüchtlinge bereicherten die kulturelle Szene, auch wenn nach dem Fall von Konstantinopel die Orientierung auf die römisch-lateinische Literatur jene auf die antik-griechische zu überwiegen begann.

Dieses Land beherbergte zwar zum einen museal auch die Überreste der versunkenen antiken römischen Kultur, aber genuin italienisch entstanden etwa die commedia dell’arte - die dann das  Wiener Volkstheater maßgeblich beeinflußte - und die Oper, die erst langsam den Weg über die Alpen fand.

In Florenz kamen 1434 die Medici an die Macht, und Cosimo de Medici begann eine Tradition des Mäzenatentums für Kunst und Literatur, die von seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Ludovico Ariosto (1474 - 1533) und Torquato Tasso (1544 - 1595) schrieben ihre Meisterwerke nicht in Latein, sondern in der Landessprache und damit in der Tradition Petrarcas und Boccaccios.

Die italienische Renaissance brachte Genies hervor: einen Michelangelo. einen Raphael, einen Andrea del Sarto und einen Leonardo da Vinci (1452 - 1519), von denen manche bis heute in der Union als Wissenschaftler und Künstler -zu Recht- im Ruf des Universalgenies stehen. Vor allem das quattrocento und die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts brachten die Künstler und Werke hervor, deretwegen Italien bis heute einen weltweiten Ruf als Kulturland besitzt.