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Schriftentwicklung und Mathematik -
Rechnungslegung im geschichtlichen Wandel

Aus einem Vortrag, den ich 1997 gehalten habe, Anpassungen 2001

1.1 Voraussetzungen und Geschichte

Napoleon rief angesichts der Pyramiden seinen Truppen zu: “Soldaten, 40 Jahrhunderte blicken auf euch herab”. Wenn man eine Zeitreise in Sachen Rechnungslegung macht, kann das Gleiche gesagt werden. Auf eine solche Zeitreise möchte ich Sie jetzt mitnehmen.
Techniken der Rechnungslegung haben die ganze Entwicklungsgeschichte der Menschheit mitgemacht. Die historischen Aufzeichnungen vermitteln uns heute ein Bild von Aufblühen, Wachstum, Lebenshaltung, Handeln, Steuern, Kriegen und Aussterben ganzer Kulturen. Will Durant kommentiert dies so: “Im letzten Grunde besteht Zivilisation auf dem Nahrungsvorrat. Kathedrale und Capitol, Museum und Konzerthaus, Bibliothek und Universität sind die Fassade; im Hintergrund ist das Schlachthaus".

1.2 Voraussetzungen

Voraussetzungen für die Rechnungslegungstechnik waren:
Schreibfläche, Schreibgerät, Schrift, Rechentechniken, Notwendigkeit.
Im einzelnen:

Schreibfläche:

Schreibgeräte

Steintafeln (Zehn Gebote)

Meisel

Tontafeln (Antikes Rom)

Schreibstift, Spatel

Tierhäute (Indianer)

Farbige Minerale

Pflanzenfasern (Ägyptischer Papyrus)

Pflanzensäfte

Tonzylinder (Mesopotamien)

Stichel

Papier (Neuzeit)

Bleistift, Kugelschreiber, Füllfederhalter

Datenträger (Gegenwart)

Magnetkopf, Laserstrahl


Aus der Tabelle ist zu erkennen, daß die grundlegende Kulturtechnik  “Schrift” eine Entwicklung durchmachte, Geschichte hatte: was uns heute selbstverständlich ist, war nicht immer so. Der heute allgegenwärtige Gebrauch der Schrift macht uns das Verstehen von Gesellschaften schwer, die auf mündlicher Überlieferung basieren. Dazu gehören einige afrikanische Stämme und die Inkas in Mittelamerika. Diese Kulturen haben andere, offenbar sehr wirksame Systeme (in nicht schriftbasierten Gesellschaften dominieren die Geschichtenerzähler) entwickelt, mit denen sie ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Kultur tradieren.
Schrift  wurde unabhängig an mindestens 3 Orten der Welt entwickelt: In Mittelamerika, China und Mesopatmien. Dies spricht für ein allgemeines Bedürfniss nach einem zeitunabhängigen Speichermedium für Wissen und/oder einem Medium das ortsunabhängige Kommunikation ermöglicht. Räumlich wie zeitlich weit entfernte Personen  können im Wege des Geschriebenen mitander kommunizieren und das Geschriebene bewahrt werden. Dies führt auch zu der Aussage Goethes:
Es erben sich Gesetz und Rechte
wie eine ewge Krankheit fort;
Sie scleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte,
Un rücken sacht von Ort zu Ort.
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;
weh Dir, daß Du ein Enkel bist!
Vom Rechte das mit uns geboren ist,
von dem ist leider nie die Frage.
Gesetz und Rechte, das bedeutet auch daß schriftliche Kommunikation personenunabhängig ist.
Im alten Mesopatamien, dessen Schriftgeschichte uns wegen der vielen erschlossenen archäologischen Zeugnisse besonders zugänglich ist, existierten zwei unabhängige Systeme der Aufzeichnung:
Numerisches System (Quantifizierung) war der Zählstein (ähnlich den Aufzeichnungen auf einem Bierdeckel) der vor allem für das Erfassen von Tempelabgaben eingesetzt wurde: Eine Frühform der Buchhaltung!
Daneben wurden bildhafte Ritzzeichnungen auf Tontafeln (Qualifizierung) erstellt: Sie waren Vorläufer der eigentlichen Schrift.
In den Ritzzeichnungen bestand eine Einheit von Zeichen, Laut und Bedeutung. Durch das abstrakter werden eines Zeichens zerbricht die Einheit: Die beiden Schenkel des “V” erinnern noch entfernt an die Flügel des Vogels, aber es stellt nicht mehr den Vogel dar, wie das sie ursprüngliche Zeichnung tat. Deshalb kann es jetzt auch in einem anderen Zusammenhang eingesetzt/zusammengesetzt werden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Piktogramm für Frau, dem seine Entstehungsgeschichte deutlich unzusehen ist. Bis zu unserem Alphabet haben sich einige Reste des piktographischen, bedeutungsübertragenden Ursprungs erhalten.



Mit fortschreitender Schriftentwicklung ergibt sich auch ein Unterschied zwischen Bedeutungsschrift und  Lautschrift.
Die ägyptischen Hieroglyphen ebenso wie die chinesischen und japanischen Zeichen tragen Merkmale der Bedeutungsschrift: Das Bild entspricht dem Wort - zumindestens überwiegend. Bedeutungsschriften können unabhängig von der Aussprache verstanden werden. So haben Japaner und Han-Chinesen die gleichen Schriftzeichen. Dasselbe gilt übrigens auch für die aus Indien stammenden “arabischen” Ziffern. Sie haben weltweit die gleiche Bedeutung.
Das hebräische und das griechische Alphabet, beide herstammend aus phönizischen und damit aus sumerischen Quellen, entspringt der Lautschrift: Der Buchstabe entspricht einem Laut . Verschiedene Lautzusammensetzungen ergeben verschiedene Wörter und diese wiederum einen völlig anderen Sinn, je nachdem in welcher Sprache sie geschrieben sind.
In der sumerischen Keilschrift der alten Epoche (Bilderkeilschrift) wird dieser Prozess der Abstraktion vom Bild in Gang gesetzt als mit der Eroberung durch die Akkader mit den alten Schriftzeichen in einer neuen Sprache geschrieben werden mußte. Langfristig bleibt dann nur noch das Zeichen und ein oder mehrere damit verbundene Laute übrig, die dann erst zusammengesetzt ein Wort bilden, also eine Bedeutung ausdrücken.

Gleichgültig ob Laut- oder Bedeutungsschrift: Sprache wie Schrift sind bis heute Mittel der sozialen Differenzierung geblieben. Nicht nur in China beherrscht der Absolvent der Universität einen höheren Wortschatz als der Industriearbeiter! Nicht nur in Ägypten verfügt die Priesterkaste über andere Worte, als der Fellache am Nilufer! Und außer den negativ tabuisierten Worten unserer Sprache (“Man sagt sowas nicht mein Kind!”) gibt es Sprachtabus in der jüdischen Religion: Der Name Gottes darf nicht genannt werden. Selbst Mose, der Gott frägt welchen Namen Gottes er dem Volk nennen soll, erhält nur zur Antwort: Sage dem Volk: Ich werde sein! Der Name Gottes darf, gemäß dem 2. Gebot, nicht missbraucht, ja er darf nicht einmal gebraucht werden!
Aber darüber spricht man lieber nicht!

Schriftzeichen

 Wortschrift, Bedeutungsschrift (weniger geeignet für unsere Rechnungslegungsmethoden) z.B.
 - Ägypt.Hieroglyphen
 - Chinesische Schriftzeichen
 Buchstabenschrift, Lautschrift (geeignet für unser Rechnungswesen) z.B.

 - Germanische Runenschrift (nicht erlaubt wegen der schlechteren Überprüfbarkeit durch die Finanzämter)
 - Babylonische Keilschrift (auch auf modernen PCs nur selten verfügbar)
 - Buchstabenschriften (Von diesen wiederum nur die lateinische Schrift, da auch für Betriebsprüfer lesbar)
 - Zahlzeichen (römische, arabische Ziffern)

Nicht alle Ziffern sind für unsere Berechnungsmethoden geeignet. Probieren Sie beispielsweise mal, römische Ziffern mit unseren Methoden zu addieren oder gar Multiplikationen und Divisionen durchzuführen.
Neben der Schrift mußten auch Vereinbarungen über Begriffe vorliegen (Maß, Gewicht, Fläche, Wert).

Rechentechniken
 Wir haben ein Dezimalsystem. Warum? Weil unsere Hände 10 Finger haben. Man konnte mit seinen Fingern darstellen, wieviel Geld man besaß, wieviel Familienmitglieder vorhanden waren. Wenn die Finger nicht mehr ausreichten, wurde zwischendurch der Arm gehoben. Dies löste beim Betrachter die nächste Stelle (100er Stelle) aus. So konnte der Kriegsherr seinem Fürsten mitteilen, wieviel Krieger in den Kampf zogen (z.B. die Truppe hat dreimal zehn und zwei Mitstreiter). Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie ein duodezimales System (Zwölfersystem) zustande käme, welche Auswirkungen dies hätte und warum binäre Zahlensysteme verwendet werden. Unser Hirn kann am besten plus/minus (gut/böse, schwarz/weiss) als Schaltzustände abbilden; es funktioniert überwiegend elektrisch (Hirnströme).
 Beginn aller Rechentechnik war die Abstraktion. Die Finger und Arme sind nicht die Krieger, sondern bloß ein Modell der Armee. Ein Schafhirte, der seine Schafe morgens aus dem Pferch ließ, warf für jedes Schaf einen Stein auf einen Haufen. Wurden die Schafe abends wieder zurückgetrieben, wurde wieder ein Stein entfernt. Der Steinhaufen war das mathematische Modell der Schafherde. Der Hirte mußte nicht rechnen können, wenn der Steinhaufen leer war, waren alle Schafe wieder im Pferch. Mit der Zeit lösten sich die Modelle von der Praxis. Eine theoretische Mathematik setzte ein. Führend waren hier die Griechen mit ihrer von Platon induzierten Fähigkeit, sich abstrakte Vorstellungen zu machen (Der ideale Kreis, den es in Wirklichkeit nirgends gibt). So wurde für praktische Zwecke der Landvermessung eine brauchbare, mathematisch fundierte Trigonometrie der Ebene geschaffen. Man konnte auch Dinge zählen bzw berechnen, die man nicht körperlich sah. Mit der Zeit wurden sehr abstrakte Rechnungen durchgeführt. Additions- und Subtraktionsverfahren ohne physikalische Bindung an das Objekt wurden entwickelt. Gauss bemerkte hierzu in einem Brief vom 1.9.1850 an Schumacher:
 " Es ist der Charakter der Mathematik der neueren Zeit ...., daß durch unseres Zeichensprache und Namengebung wir einen Hebel besitzen, wodurch die verwickeltsten Argumentationen auf einen gewissen Mechanismus reduziert werden..... Wie oft wird jener Hebel eben nur mechanisch angewandt, obgleich die Befugnis dazu in den meisten Fällen gewisse stillschweigende Voraussetzungen impliziert. Ich fordere, man soll bei allem Gebrauch des Kalküls, bei allen Begriffsverwendungen sich immer der ursprünglichen Bedingungen bewußt bleiben, und alle Produkte des Mechanismus niemals über die klare Befugnis hinaus als Eigentum betrachten....."
 Damit weist Gauss in besonderem Maße auf die Gefahren der Abstraktion hin, die in einer unzulässigen Vereinfachung und Verallgemeinerung liegen.

Von den Babyloniern ist bekannt, daß sie bereits mit Zahlen im Millionenbereich rechnen konnten. Dies ist wohl auch im unmittelbaren Zusammenhang mit der Entwicklung der Astronomie und des Kalenders zu sehen. Ein weiterer Fortschritt der Mathematik war die Erfindung der Null in Indien (ca. 1000 nach Chr.). Über die Araber  kam die Mathematik nach Europa (Spanien zur Maurenzeit, Isabella von Kastilien, Ferdinand von Aragon). Das Wort Algebra u.a. ist arabischen Ursprungs.
1550 n. Chr. gab Adam Riese sein berühmtes Rechenbuch heraus. Titelseite siehe nebenstehende Abbildung.

In der Neuzeit hat die Rechnungslegung als Zahlensammlung ihre Bedeutung nicht verloren. Jedoch werden relativ komplexe mathematische Verfahren zur betriebswirtschaftlichen Auswertung an die reine Zahlenerfassung angeschlossen.


 






1.3 Notwendigkeiten

Eine Technik wird auch erfunden, weiterentwickelt und über Jahrtausende beibehalten, wenn dafür Notwendigkeiten bestehen.
Notwendigkeiten waren:
 - große Werte. Der altgermanische Lederhosenschneider führte wegen eines eingesetzten Flickens an der Hose des Nachbarn keine Buchhaltung auf poliertem Granit. Vermögenskumulation und die damit verbundene Verwaltung (anfangs nur in Königshäusern von Bedeutung) verlangte dagegen eine vernünftige Übersicht.
 -große Mengen Waren. Unsere Erinnerung speichert drei oder vier Artikelangaben mit Menge. Was darüber hinausgeht, wird vom Gedächtnis nicht mehr korrekt erfaßt, muß also aufgeschrieben werden.
 - Austausch durch Handel. Wenn man Karawanen über weite Strecken in Bewegung setzt, ist schriftlicher Austausch von Rechnungen und Schuldanerkenntnissen notwendig. Nur gegen solche Dokumente kann zwischen entfernten Handelsherren ein gegenseitiger Abgleich der jeweiligen Forderungen und Verbindlichkeiten erfolgen, der von beiden Seiten akzeptiert wird.
 - arbeitsteilige Wirtschaft. Solange jeder alles für sich machen kann, ist wenig Tauschhandel nötig. Wenn aber Korn gegen Töpfe, diese gegen Früchte, diese gegen Fleisch, dieses gegen Ziegelsteine, dieses gegen Holz und dieses gegen Kleidung umgetauscht werden (Hans im Glück-Spiel) ist neben einer Prüfung der angebotenen Qualität, eine Bewertung der Gesamtlieferung und eine ausgleichende Gegenlieferung notwendig.
 - Ersatz des Tauschhandels durch vergleichbare Währung. Wo viel Tausch erfolgt, ist zur Verrechnung ein gemeinsamer Wertmaßstab notwendig. Daher hat sich das Geldwesen relativ schnell durchgesetzt. Der Gegenwert wurde anfänglich in Gold und Silber angegeben und bezahlt.  Die persische Dareike und das phönizische Elektrum sind früheste Beispiele für Münzmaße). Als die Vorräte hierfür nicht mehr ausreichten, wurden Warenwechsel (Schriftstücke, auf Vertrauen basierendes “Papiergeld”) mit einem Anspruch auf Gold oder entsprechenden Ausgleich gegeben. Das Geldwesen nahm seinen Aufschwung. Schuldanerkenntnisse (Shakespeares Schein in der “Kaufmann von Venedig”) führten zu den ersten "Erhöhungen der Geldmenge M1".
- viele Kunden /Lieferanten. Es gilt das über große Mengen Waren gesagte. Viele Forderungen /Verbindlichkeiten haben, heißt aufschreiben müssen.
 - Entpersönlichung des Geschäfts. Das große Volumen mancher Handelsherren machte eine Übertragung von Teilaufgaben auf deren Angestellte nötig. Damit war die Persönlichkeit des Handelsherrn in den Hintergrund getreten, jedoch bestand das Bedürfnis dennoch Übersicht über das Geschäft zu behalten.

 Alle diese Entwicklungen führten dazu, daß man, modern ausgedrückt, vernünftig organisierte Datenbanken zu entwickeln versuchte.

1.4 Geschichte
 Durch die vielen Ablagerungen im Hügel der Geschichte wollen wir einige Querschnitte machen, die die oben aufgeführten Thesen erhärten sollen.
 - ca. 5000 v.Chr.: Solange ein Handel nicht ausgeglichen ist, mußte ein äquivalenter Wert aufgeschrieben werden. Dieser wurde z.B. in ein Holzstück eingekerbt. "Etwas auf dem Kerbholz haben" bedeutete, noch Schulden zu haben. Übergang von Jäger-/Sammlerkulturen zur Bildung dörflicher Siedlungen (Ackerbauerkulturen). Danach einsetzende Spezialisierung und Tauschhandel.
 - ca. 3000 v.Chr. Entwicklung erster Alphabete und Zahlzeichen: Ideenaustausch ohne gesprochenes Wort oder Handsignale erstmals möglich.
 - ca. 2000 v.Chr. Mesopotamien Tonzylinder, Königtum des Hammurapi (1792-1750 v.Chr.) erste tradierte Sammlung geschriebener Gesetze (Strafrecht, bürgerliches Recht, Vorschriften für die Rechnungslegung). Beispiele aus dem Codex Hammurapi:
   § 196: Wenn einer das Auge des Sohnes ausgeschlagen hat, werden sie sein Auge ausschlagen.
   § 200: Wenn einer den Zahn eines ihm Gleichgestellten ausgeschlagen hat, werden sie seinen Zahn
             ausschlagen.
   § 201: Wenn er den Zahn eines Fremden ausschlägt, wird er eine Drittel Mine Silber darwägen.
   § 221: Wenn ein Arzt den zerbrochenen Knochen eines Kranken geheilt oder die kranke Sehne wieder gesund
             gemacht hat, wird der Herr der Wunde dem Arzt 5 Sekel Silber geben.
“..... Das sind die Sätze der Gerechtigkeit, die Hammurapi, der mächtige König, festgesetzt hat und mit deren Hilfe er dem Land rechte Leitung und gute Führung hat zukommen lassen.
Auf Geheiß Marduks, meines Herrn, mögen meine Aufzeichnungen keinen finden, der sie verunglimpft.”

Sie sehen meine Damen und Herren, daß auch das Gesetz Auge um Auge - Zahn um Zahn, auch aus der Bibel so überliefert, Rechenkünste verlangte. Mindestens musste man für die Augen bis 2 und für die Zähne sogar auf - soviel ich weiß - 32 zählen können!

 Seit Menschen schreiben können schreiben sie auch Dummheiten!  So auch Hammurapi: Er schrieb Steuergesetze!

Die Sumerer teilten, wie wir, den Tag in 24 Stunden. Für die Monate (Monde) allerdings war unser Erdtrabant zuständig. Jedenfalls war die Entstehung eines ersten Kalenders Voraussetzung für die Zinsrechnung. So waren die Möglichkeiten für gewinnbringenden Kapitalverleih geschaffen. Sie kamen aber erst viel später zum Einsatz. Zur Verwaltung der königlichen Kornspeicher (Korruption gabs auch in Babylon, Ninive und Ur, das wurde dann auf die Mäuse geschoben!) war jetzt mindestens ein Bestandsvergleich möglich (Bestand + Zugang - Abgang = neuer Bestand). Die Bestände existierten nun virtuell nochmal auf der Tontafel des Königs und man darf annehmen, daß der Mäusefraß dadurch auf Normalmaß zurückging.

Zum Umfang der Buchführungen ist zu sagen: Die ca. 600 v.Chr. von König Assurbanipal (668 - 626 v.Chr.) gegründete Bibliothek umfasste 30.000 Bände Tontafeln/ Tonzylinder, enthaltend Abrechnungen der Steuereinnehmer, episch-mythische Dichtung (Gilgamesch-Epos), Medizin, Astronomie, Mathematik, Hymnen, Omen- (Numerologie, Kabbala) und Ritualwissen. Sicherlich war - wie dies auch bei unseren Politikern üblich ist - die Entstehung der Kabbala auch mit der Fähigkeit des Vorausberechnens von Steuereinnahmen verknüpft! Zu etwa 90 % besteht diese Bibliothek aus Steuergesetzen und Steuerabrechnungen.

Nun fehlte noch die Verrechnungseinheit, sofern es sich nicht um die bereits erfundenen Volumen- und Gewichtsangaben handelte. Lydier/ Phönizier (Verlagerung der Kulturträger zum Mittelmeerraum) erfanden die Währung (Gold-/Silberlegierung "Elektrum" mit amtlichem Prüfstempel, Münzwesen). Damit war eine Norm für Sachwerte, das Geld, geschaffen.
300 v.Chr. begründete Ptolomäus I. die große Bibliothek von Alexandria (ca. 70.000 Bände Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften, Wissenschaft der Griechen) die 391 n.Chr. von religiösen Fanatikern
zerstört wurde. Dort waren Ideen für Wertabschöpfung (z.b. Platons Politeia) ebenso gespeichert, wie die Methoden der analytischen Geometrie. Alles was logisch war, versuchte man in Zahlen und Worte zu fassen.
Die Phönizier bauten in der gleichen Zeit Handelskolonien im Mittelmeerraum auf. Die erste Börse in Karthago (Warenbörse) wurde eröffnet.
Um 1000 - 1200 n.Chr. beschleunigte sich das Städtewachstum (e-Funktion). Eine Verdoppelung der Einwohnerzahl erfolgte in jeweils 25 Jahren, sofern keine Kriege oder Seuchen dies verhinderten. Die größten europäischen Städte- dazu zählten z.B. Köln und Straßburg - hatten ”schon” 20.000 Bürger (dies stammt vom Wort Burg ab). Der Markt der paotentiellen Kunden und Lieferanten wuchs also ständig und damit die Notwendigkeit von Aufschreibungen.
Um 1500 n.Chr. beherrschten die Handelsgeschlechter der Fugger und Welser den Handel mit Italien und damit den Gewürzhandel mit Indien (Pfeffersäcke). Ohne Buchführung konnte man nicht mehr auskommen und die soeben in der Lombardei (Lombardsatz) entwickelte italienische Form der Buchführung etablierte sich mit Erfolg in Deutschland. Übrigens war  damals Oberitalien (Mailand, Florenz, Venedig) Zentrum des Europa-Levante-Handels (das bedeutete auch Handel mit Afrika, Ägypten, dem nahen und dem fernen Osten).

Nachdem durch die Buchhaltung Zahlen vorlagen, konnte das Haus Fugger auch betriebswirtschaftliche Auswertungen erstellen.

2.  Begriffe, Methodik

2.1 Begriffe

Bezeichnungen aus der Zeit der Entstehung der doppelten Buchführung:
- Kontokorrent = Laufende Rechnung, d.s. Aufschreibungen von Schuldenentstehung und
  Ausgleich (corrente = Durchzug).
- Debitoren: Vater unser (nostri debitori = unsere Schuldner)
- Kreditoren: creditori = Kreditgeber Lieferanten
- Bank, bankrott (Banca), bancarotta (rotta = zerstört, defekt).

Das Florentiner Haus Medici hat sich zusammen mit anderen reichen Familien "auf eine gemeinsame Bank gesetzt" , d.h. Gelder in einen gemeinsamen Finanzpool einbezahlt, mit dem große Handelskarawanen ausgestattet und Gewinne und Verluste anteilig verteilt wurden. Daraus entstanden die späteren Kreditbanken.

- Saldo: Differenz (zwischen Soll und Haben).
- Bilanz (Balance = Waage). Als Gleichung aufgefaßte Darstellung der Geldein- und -Ausgänge.
  An die Waage-Form erinnern heute noch die sogenannten T-Konten.

2.2  Methodik

2.2.1 Einfache Staffelrechnung, Vermögensvergleich
Als einfachste buchhalterische Aufschreibung dient die sogenannte Staffelrechnung. In dieser Rechnung werden - von einem Eröffnungsbestand (EB) ausgehend - die Zu- und Abgänge berücksichtigt und der Kapitalstand am Ende der Abrechnungsperiode ausgewiesen.

EB-Kasse

 

5.000,00

EB-Bank

 

3.000,00

EB-Forderungen

4.000,00

EB-PKW

 

7.000,00

Zwischensumme

19.000,00

EB-Verbindlichkeiten

-1.000,00

Kapital am 1. d. Monats

18.000,00

     

Gehalt

 

3000

Haushaltsgeld

-2000

Miete

 

-600

Kapital am 31.d.Monats

18.400,00


Für den nicht selbständig tätigen Einzelmenschen heißt dies zum Beispiel: Ausgehend von seinen Barbeständen, Forderungen und Sachwerten (Vermögenswerte) und seinen Verpflichtungen (Verbindlichkeiten) am Monatsanfang, wird durch Zugang des Monatsgehaltes und Abgang von Ausgabenposten (Haushaltsgeld, Miete etc.) der neue Kapitalwert, sein "Vermögen" am Ende des Monats berechnet.

Nicht berücksichtigt ist der Wertverlust. Ist z.B. eine Position "Auto" vorhanden, so wird trotz ständigen Wertverlustes das Auto erst bei Verkauf oder Verschrottung abgeschrieben - ein sehr grobes Verfahren. Nebenstehend eine Staffelrechnung.

2.2.2 Verfeinertes Verfahren, Einnahmeüberschußrechnung

Vermögensgegenstände und Schulden werden in getrennten Rechnungen dargestellt. Man kann Vermögen und Schulden als Seiten einer Gleichung (Bilanz-Balance-Waage) ansehen:

Barvermögen + Sachvermögen = Verbindlichkeiten + x
Wobei x für den Kapitalbetrag steht
oder vereinfacht
Vermögen (brutto) = Schulden und Kapital

(Tucholsky nannte diese Methode: “Wir vertrinken unsrer Oma ihr klein Häuschen oder Wir leben von der Differenz”)

Warum steht das Kapital auf der "Schulden"-Seite einer Bilanz? Es ist die Schuld des Unternehmens an den Unternehmer.
Von der richtigen Bewertung von Vermögen und Schulden hängt der richrig ermittelte Kapitalbetrag ab. Hier handelt es sich ebenfalls nur um ein Instrument der Kapitalermittlung. Die Vermögensseite wird mit "Aktiva" (Soll), die Schuldenseite mit "Passiva" (Haben) bezeichnet.
Im Beispiel unseres “privaten Einzelmenschen”: Das Gehalt wird bei Eingang dem Posten "Bankguthaben" zugeschrieben. Das verausgabte Haushaltsgeld wird einfach von den Barmitteln abgezogen. Damit stimmt die Kapitalrechnung, aber der monatliche Überschuß wird in einem solchen Falle nicht ersichtlich. Nachstehend

Bilanz (Waage) = Gleichung als Instrument der Kapitalermittlung

oder: Wir leben von der Differenz ( Einnahmenüberschussrechnung)

 
             

Vermögen

         

Schulden

Soll

 

 

     

Haben

EB-Kasse

 

5.000,00

 

EB-Verbindlichkeiten

-1.000,00

 - Haushaltsgeld

-2.000,00

 

Kapital

 

-18.000,00

EB-Bank

 

3.000,00

       

 + Gehalt

 

3.000,00

       

 - Miete

 

-600,00

 

Abgleich am 1. d.Monats

-19.000,00

EB-Forderungen

4.000,00

       

EB-Auto

 

7.000,00

       

Abgleich am 1.d.M

19.400,00

       

Gehalt

 

3.000,00

       

Kapital am 31.d.Monats

         
   

22.400,00

       
       

Kapitalzuwachs

-22.400,00

             

Abgleich zum 31. des Monats

22.400,00

 

Abgleich zum 31. des Monats

-22.400,00


Ein wichtiger Schritt der Weiterentwicklung der Buchführungsmethoden lag darin, daß man die Bilanz in Vermögens- und Ergebnisrechnung trennte. Es entstand die

2.2.3 Doppelte Buchführung

Die Doppelte Buchführung heißt so, weil ein Posten nicht nur einfach (in der Kapitalrechnung) sondern doppelt (auch in der Ergebnisrechnung oder Gewinn- und Verlustrechnung) berücksichtigt wird.

Am Beispiel des Einzelmenschen ergibt sich folgende Trennung von Kapital- und Ergebnisermittlung.

Trennung von Kapitalermittlung und Kostenermittlung

                 

Bilanz

       

Gewinn-Verlustrechnung

(Vermögensrechnung)

     

(Kosten-Nutzenrechnung)

Vermögen

  Schulden

 

 

Aufwand

 

Ertrag

 

Soll

 

 

Haben

         

EB-Kasse

5.000,00

EB-Verbindlichk.

-1.000,00

 

Haushaltgeld

-2.000,00

Gehalt

3.000,00

EB-Bank

3.000,00

Kapital

-18.000,00

 

Miete

-600,00

   

EB-Forderungen

4.000,00

     

Wertverlust Auto

-1.400,00

   

EB-Auto

7.000,00

             
                 

Abgleich am 1.d.M

19.000,00

Abgleich a.1.d.M.

-19.000,00

         
                 

Kasse: Haushaltsgeld

-2.000,00

Kapitalzuwachs

1.000,00

         

Kasse: Miete

-600,00

       

-4.000,00

 

3.000,00

Bank: Gehalt

3.000,00

             

Wertverlust Auto

-1400

     

Überschuss

1.000,00

   
 

18.000,00

             
         

Abgleich

-3.000,00

Abgleich

3.000,00

                 

Abgleich

18.000,00

Abgleich

-18.000,00

         


Die Trennung von Kapitalermittlung und Kostenermittlung hat zur Folge, daß man Kapitaländerung und  Überschuß pro Rechnungsperiode (in der Regel 1 Jahr) direkt ermitteln und abgleichen kann. Die Quellen werden deutlicher. Es müssen dann noch Wertverluste gebucht werden. Überwiegend handelt es sich um sogenannte Abschreibungen. Gutes Beispiel hierfür ist wieder das Auto. Setzt man dessen Wiederverkaufswert in 5 Jahren mit "0" an, so muß der Gewinn- und Verlustrechnung jeden Jahres ein entsprechender anteiliger Betrag (1/5 oder 20 %) zugeschrieben werden.
Die Differenz der Gewinn- und Verlustrechnung, das Jahresergebnis (Gewin oder Verlust), wird als Kapitalzuwachs bzw. -Minderung der Bilanz am Ende des Geschäftsjahres zugerechnet. Gewinne können entweder ausgeschüttet (d.h. an die Kapitalseigner ausbezahlt) oder zur Verstärkung des Eigenkapitals verwendet (thessauriert) werden.

Da es sehr mühevoll ist direkt aus einer Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechnung die Entwicklung einzelner Bestände, Kosten oder Erlöse herauszufiltern, teilt man diese einfach in die gewünschten Einzelkonten auf. Jeder Vermögens- oder Schuldposten, jeder Kosten- oder Erlöstyp bekommt ein eigenes "Konto". Die summierten Werte jedes Einzelkontos werden am Jahresende wieder in der Bilanz bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung zusammengeführt. Damit ist auf einen Blick die Übersicht über ein Rechnungsjahr vorhanden.
Bleibt noch zu bemerken, daß es den Buchhalter alter Prägung als "Schreiberling" längst nicht mehr gibt. Aus ihm ist ein Steuerfachmann, Wirtschaftsfachmann und Betriebswirtschaftler geworden, der über erhebliche rechtliche und mathematische Kenntnisse verfügen und auch in der modernen Informatik (Computer) zu Hause sein sollte.

Ich hoffe unser kleiner Streifzug hat Ihnen Freude und neue Erkenntnisse gebracht und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.