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Ein Geschäftsgespräch im Hause Fugger, Theaterstück 1971

Personen:
Fugger (58), Kaufmann in Augsburg
Schwarz (20), sein Buchhalter
Albrecht von Brandenburg (27), Erzbischof von Magdeburg
Jahr der Handlung 1514
Ort: Die Buchhaltung der Fugger
 

Fugger kniet in einem Betstuhl, einen Rosenkranz in den gefalteten Händen. Schwarz an einem Stehpult, darauf ein umfangreiches Buch.

Fugger: Der Anfang!
Schwarz:  Gesamtkapital der Firma Jakob Fugger 19 679 100.
Fugger: (bekreuzigt sich): Gelobt sei Jesus Christus.
Schwarz: in Ewigkeit, Amen - Wenn ich mir als Ihr Buchhalter die Bemerkung erlauben darf, Sie sind der reichste Mann Europas.
Fugger: Die Geschäfte?
Schwarz: Albrecht von Brandenburg
     (Albrecht tritt ein und wartet)
Fugger (im Gebet versunken): Warum Mainz?
Albrecht: Ich möchts halt haben, und es ist grad frei!
Fugger: Das größte und reichste Bistum Deutschlands!
Albrecht: Das würd ich in Kauf nehmen
Fugger: Sie sind zu jung für das Amt eines Bischofs
Albrecht: Ich bin Erzbischof von Magdeburg
Fugger: Und dazu noch Erzbischof von Mainz?
Albrecht: Ich denke, es ist eine Geldfrage
Fugger: Haben Sie Geld?
Albrecht: Wenn ich hätte, wär ich sonst hier?
Fugger: Schwarz!
Schwarz: Das Erzbistum Mainz kostet an regulären Gebühren 1 400 000.
  Hinzu kommt ein Bestechungsgeld für den Heiligen Vater.
Albrecht: Bestechungsgeld? Ich bitte Sie.
Fugger (zu Schwarz): Eine Handsalbe!’
Schwarz: Der Heilige Vater denkt an eine Handsalbe von 1 200 000.
Albrecht: Das ist keine Nächstenliebe!
Schwarz: Der Heilige Vater dachte dabei an die zwölf Apostel. Pro Kopf 100 000.
Albrecht: Waren das wirklich zwölf? Irrt sich der Papst da nicht?
Fugger: In Geldangelegenheiten ist der Papst unfehlbar.
Albrecht: Sagen wir 700 000 nach den sieben Todsünden.
Fugger: Sagen wir eine Million, nach den zehn Geboten, und sie sind gut bedient.
Albrecht: Das wären 2 400 000.
Fugger:  3 Millionen.
Albrecht: Zehn und vierzehn sind vierundzwanzig.
Fugger: Kaiser Maximilian will auch etwas haben. Das ist so üblich. Und das Haus Fugger kann leider nicht umsonst arbeiten.
Albrecht: 3 Millionen?
Fugger: Wie wollen Sie zurückzahlen?
     (Albrecht zuckt die Schultern)
Schwarz: Mainz ist eine reiche Stadt!
Albrecht: Der nacheinander drei Erzbischöfe verstorben sind.
Fugger: Also veramt. -
 Da der Heilige Vater in seiner Weisheit das vorausgesehen hat, erlaubt er in seiner übergroßen Güte, daß wir eine neue Anleihe auflegen, den Petersdomablaß, und Sie als Ablaßkommissar einsetzen.
Albrecht: Sag ich doch, eine Geldfrage.
Fugger: Schwarz!
Schwarz: Laufzeit acht Jahre. 50 % der Einnahmen an den Heiligen Vater, 50 % für den Ablaßkommissar.
Albrecht: Das läßt sich hören.
Fugger: Allerdings werden die 50 % für den Heiligen Vater nicht mit den Mainzer Gebühren verrechnet.
Albrecht: Nicht?
Fugger: (Er erhebt sich aus dem Betstuhl):
 Wenn ich Ihnen raten darf, nehmen Sie den Tetzel. Ein erstklassiger Mann. Sehr viel Erfahrung. Und noch etwas. Die Marktlage ist momentan schlecht. Preisverfall. Machen Sie die Sache also attraktiv. Sie müssen dynamisch anbieten. Mit dem üblichen Seelenheil ist nichts mehr zu verdienen. Vekaufen Sie den Ablaß auch für Tote.
Albrecht:  Geht das?
Fugger: Das geht nicht, aber man kanns machen. Und verkaufen Sie auch an die, die nicht bereuen.
Albrecht: Kann man das?
Fugger: Man kanns nicht, aber es geht. Vor allem bringt es Umsatz.
Albrecht: Ich verstehe von theologischen Dingen nichts.
Fugger: Eine gute Bankverbindung genügt.


Anmerkung des Verfassers:
Der Text ist nicht dokumentarisch, folgt aber zum größten Teil Originaltexten. Zahlen und Fakten stimmen. Alle Währungen sind in DM umgerechnet, Stand 1970.

Aus: Dieter Forte, Martin Luther & Thomas Müntzer oder Die Einführung der Buchhaltung.
Fischer, Frankfurt 1981, S. 8-10