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  Geschichte
Wissenschaft im ausgehenden Mittelalter


12. Jahrhundert
Zahlreiche wissenschaftliche Werke, besonders auch mathematische, werden aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt

13. Jahrhundert
Seit ~ 1200 werden die antiken naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles, Ptolemäus und anderer sowie arabische und jüdische Kommentare dazu bekannt und nicht ohne kirchlichen Widerstand (Gregor IX.) mit der christlichen Theologie verbunden. Trotzdem wird die Entwicklung kritisch-wissenschaftlichen Denkens u.a. durch die Autorität ihrer Verfasser eher gehemmt als gefördert
Einteilung der "freien Künste" in das Trivium: Grammatik, Rhetorik, Dialektik und das Quadrivium: Musik, Astronomie, Arithmetik und Geometrie.

Universitas
Schulen, die man als erste Universitäten bezeichnen kann, entstehen in Salerno (12. Jh., Verleihung von Statuten durch Friedrich II. 1231), Bologna (Ende 12. Jh.) und Paris (Anfang 13. Jh.) aus Zusammenschlüssen privater Gelehrten- wie Kloster- und Domschulen, denen kaiserliche und päpstliche Privilegien wie Satzungsautonomie, Lehrfreiheit und eigene Gerichtsbarkeit verliehen wurden auch durch die arabische Vermittlung der griechischen Klassiker nach Europa. In Salerno werden vorrangig medizinische, in Bologna rechtliche und in Paris theologisch-philosophische und soziale Fragen behandelt.
Weitere Universitäten bis 1347, die heute noch bestehen, waren: Oxford (Anfang 13. Jh.), Cambridge (1209 - von Oxford aus; älteste Stiftungsurkunde von 1225), Montpellier (Anfang 13. Jh.), Salamanca (1218-19), Padua (1222), Neapel (1224), Toulouse (1229), Orléans (um 1235), Siena (1240), Angers (um 1250), Valladolid (Ende 13. Jh.), Lissabon (1290), Lérida (1300), Avignon (1303), Rom (1303), Perugia (1308), Cahors (1332) und Pisa (1343). Eine eigene Schule stellte die Übersetzerschule in Toledo dar. Die erste deutsche Universität, in Prag, wurde erst 1347 durch Karl IV. gegründet.

Studenten
Studenten, die sich in der fremden Stadt verlassen und gelegentlich auch verfolgt fühlten, schlossen sich auf Grund gemeinsamer sprachlicher Herkunft und Kultur in Gruppen zusammen, um so besser die Bedürfnisse befriedigen zu können, die sich aus ihrem mehrjährigen Auslandsaufenthalt ergaben. Sie mieteten gemeinsam Häuser, feierten ihre nationalen Feste in der Kirche oder im Wirtshaus und organisierten den Botendienst zwischen der Universitätsstadt und ihrem Herkunftsgebiet, um mit ihren Eltern in Verbindung zu bleiben und Geld, Briefe und Pakete zu erhalten.
Die studentischen Zusammenschlüsse wurden rasch zu öffentlich anerkannten Korporationen. Unter dem Begriff der nationes bildeten sie den wesentlichen Rahmen der ältesten Universitäten und damit die Grundlage der mittelalterlichen Universitätsstrukturen.

Universitäten

Bologna
studiert das römische Recht und verhilft ihm, dem italienischen Kirchenrecht, dem Zivil- und Strafrecht der italienischen Städte und dem lombardischen Lehnsrecht zur Verbreitung in ganz Europa (Vorherrschaft bis ~ 1500). Neben der Rechtsschule entwickelte sich seit 1213 auch eine medizinische Fakultät und eine der freien Künste. Um 1215 schlossen sich die Studenten aller drei Schulen in zwei Gemeinschaften zusammen, eine für die Studenten diesseits und eine für die jenseits der Alpen. Diese Gemeinschaften hießen universitas.
Man lehrt und studiert vor allem das römische Recht, d.h. diejenigen Gesetze, die auf den Kaiser Justinian (482/83-565) zurückgehen und im "Codex Justinianus" gesammelt sind. 1155 erhalten die Scholaren (Studierenden) der Universität einen besonderen Schutz durch Friedrich I. Barbarossa: Ein Scholar darf nicht für die Schulden eines anderen verantwortlich gemacht oder vor ein fremdes Gericht gezogen werden.

Paris
Für Jahrhunderte die berühmteste Universität des MA. Nahezu alle noch heute bekannten Namen aus Theologie und Philosophie studierten hier und lehrten auch teilweise. Hier trafen sich die verschiedensten Geistesrichtungen, hier diskutierte der Dominikaner mit dem Franziskaner, der Averroist mit dem Weltkirchenmann, hier wurde der Universalienstreit am heftigsten ausgefochten; hier fanden die absonderlichsten Theorien ihre lautstarken Verkünder. Und nicht zuletzt war es das geistig aufregende Klima, die weltläufige Athmosphäre, die anzog.
Um 1250 haben sich vier Nationalkollegien gebildet (gallisch, englisch, picardisch und normannisch), deren Prokuratoren (Vorsteher) den Rektor wählen.
Jacques de Vitry (1160/701240), ehemaliger Theologiestudent und berühmter Prediger, unterschied zwölf nationes, die in Charakter, Sitten und vor allem ihren Lastern sehr verschieden seien:
Die Engländer sind Trunkenbolde und Feiglinge, die Franzosen stolz, weich und weibisch, die Deutschen jähzornig und zu Obszönitäten aufgelegt, die Studenten aus der Normandie eitel und aufgeblasen, diejenigen aus der Gegend von Poitiers heimtückisch und habgierig, die Burgunder brutal und dumm, die Bretonen leichtsinnig und wankelhaft, die Lombarden habgierig, bösartig und feige, die Römer aufrührerisch und gewalttätig, die Sizilianer tyrannisch und grausam, die Brabanten Diebe, die Flamen Wüstlinge.

Salerno
Die berühmte medizinische Schule (Blütezeit 11.-13. Jh.; 1812 aufgehoben) übte auf alle anderen medizinischen Fakultäten in Europa einen bedeutenden Einfluß aus.
Der Höhepunkt dieser Schule fällt in die Zeit von ca. 1100 bis etwa 1225. Etwa 20 Ärzte bildeten die "Civitas Hippocratica", darunter der Magister Urso (~ 1163), der auch Philosoph (Neuplatoniker) und Theologe war.

Toledo
Erst in maurischer, dann 1085 wieder in christlicher Hand, kann trotz des Machtwechsels die berühmte Übersetzerschule fortbestehen. Hier wird beinahe die gesamte griechisch-antike Philosophie und Wissenschaft aufbewahrt. Die platonische und aristotelische Philosophie beeinflußt die Vordenker des Islam. Der überragendste Aristoteles-Kenner und Übersetzer ist der islamische Philosoph Ibn Rushd (1126-98), genannt Averroës. Er lehrt in Saragossa und begründet die islamische Scholastik, die eine Verbindung von Religion und Philosophie anstrebt. Dieser neue Ansatz ist der Anstoß für die abendländische Scholastik des Thomas von Aquin.

Begriffe

Alfonsinische Tafeln
Auf Anordnung Alfons X. von Kastilien und León unter Leitung der jüdischen Gelehrten Jehuda Ben Mose und Isaak Ben Sid in Toledo zusammengestelltes astronomisches Werk mit Tabellen zur Berechnung der Örter von Sonne, Mond und den 5 klassischen Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Apotheke
als behördlich überwachte und an amtliche Vorschriften gebundene Herstellungs- und Abgabestätten für Arzneimittel entstanden in Europa spätestens im 12. Jh. im Rahmen des aufblühenden spätmittelalterlichen Städtewesens. Einen nicht unerheblichen Anteil an deren Verbreitung dürfte auch Friedrich II. gehabt haben, da er den Ärzten die bisherige Praxis verbot, Medikamente selbst zu verkaufen.
Der Apotheker verfügte über ein Magazin für pflanzliche und tierische Drogen, Mineralien und Salze. Er stellte seine Arzneien zunächst auf der Grundlage praktischer Kenntnisse und Erfahrungen her und schuf hierbei neues Wissen im Bereich zwischen Chemie und Medizin. Er legte damit den Grund für das neue Fachgebiet Pharmazie.

Namen

Leonardo Fibonacci(um 1170 - nach 1240)
(Leonardo Pisano, * Pisa) lernt als Kaufmann auf seinen ausgedehnten Reisen, die ihn bis nach Ägypten und Syrien führen, auch die Mathematik der Griechen, Araber und Inder kennen. Dieses Wissen verarbeitet er in seinem Lehrbuch der Arithmetik "Liber Abaci" (mittellat. "Buch des Abakus"). Neben der in Europa üblichen Finger- und Abakus-Rechentechnik erläutert er die vier Grundrechenarten, die Bruchrechnung und das kaufmännische Rechnen, wie es bis in unsere Zeit gültig ist. Darüber hinaus befaßt er sich mit arabischer Algebra.

Autor: Eckhart Triebel