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Gesellschaft

Im betrachteten Zeitraum des Früh- bis Spätmittelalters wächst die Bevölkerung in Mitteleuropa, das in etwa die Britannischen Inseln, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien mit Sizilien umfaßt, von geschätzten 30 - 40 Mio. Menschen um die Jahrtausendwende auf etwa 60 - 70 Mio. bis zum Schwarzen Tod 1348/49.

Als Europas Völker nach langen Wanderungen und erbitterten Kämpfen wieder seßhaft wurden, bildeten sie freie Bauernschaften aus - die letzte bestand im Land Hadeln bis 1937. Daraus entwickelte sich das auf dem Lehnswesen beruhende "weltliche" Feudalsystem: der ursprüngliche Leitsatz, daß Grund und Boden niemandem zu eigen sei, führte in der Praxis zur Herrschaft einer dünnen Adelsschicht.

Ein sehr großer Teil der Länder ist noch mit Wald bedeckt, der zunehmend gerodet wird durch die sich - von Frankreich ausgehend - verbreitende Dreifelderwirtschaft, die bessere Erträge bringt (unterstützt durch den Eisenpflug) und damit die Bevölkerung ansteigen läßt, was wiederum zu vermehrter Siedlungsgründung führt.

Verkehrswege gibt es nur wenige, wobei die wichtigste Nord-Süd-Verbindung von Köln über Basel und Mailand nach Genua führt und die wichtigste West-Ost-Verbindung von Paris über Frankfurt, Nürnberg und Regensburg noch Wien. Direkte Verbindungen bestehen von Köln zu den Niederlanden und Lübeck, von Paris nach Flandern und Mailand, von dort nach Rom und Venedig, und von dort nach Wien. Damit ist das mittelalterliche Wegenetz im Prinzip auch schon geknüpft. Natürlich sind die "Straßen" nicht befestigt und wenn sich ein deutscher König auf die Rundreise macht, Hof zu halten und Recht zu sprechen, kann er schon ein paar Jahre unterwegs sein. Ebenso rüstet sich ein Kaufmann, der an einer Messe in Paris oder Brügge teilnehmen will, rechtzeitig. Ebenso sollte er sich nicht unbewaffnet auf den Weg machen, wenn er seine Waren auch noch verkaufen will. Aus Oberitalien kommen Luxuswaren, aus Flandern Tuch, aus Böhmen Silber und aus Deutschland Rohstoffe wie Eisen und Kupfer.
In dieser Zeit steigt die Zahl der Städte von ca. 40 im 9. Jh. auf ca. 3000 im 14. Jh. und es entstehen etwa 50 Universitäten. Ab dem 11./ 12. Jh. befinden sich die berühmtesten in Salerno, Bologna und Paris.
Der große Aufschwung kommt im 13. Jh. Die Kreuzzüge bewegen nicht nur hunderttausende von Menschen (und machen ebensoviele Frauen zu Witwen und Waisen), sondern ebenso den Waren- und Wissensaustausch zwischen Orient und Okzident. Staunend stehen die Hinterwäldler aus Wimpfen, Bagnorea oder Valenciennes vor der überwältigenden Pracht Byzanz' und haben vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben die dunkle Ahnung, das ihnen irgend etwas fehlt. Überall finden Veränderungen mit einer Geschwindigkeit statt, die noch vor zwei, drei Generationen unvorstellbar gewesen wären. Auf einmal wird ihnen aus der Bibel in einer Sprache gepredigt, die später deutsch, italienisch, französisch oder englisch genannt werden wird und auf den Straßen ist der Teufel los. Umherziehendes Volks, Vaganten genannt, Gaukler und Spielleute mischen sich mit Studenten und Handwerkern, die von einer Baustelle zur anderen wandern, und treffen unterwegs Pfaffen, Kaufleute und Diebsgesindel. Musik liegt in der Luft. Statt der dumpfen romanischen Höhlenkirchen wird in den Himmel gebaut mit einem irrwitzigen Strebewerk, das die Kirchen höher und höher treibt. Ganz Mitteleuropa ist eine einzige Baustelle. Das Leben wird bunt; farbige, kunstvoll angeordnete Gläser bilden die Fenster der majestätischen Kathedralen. Dazu singen die Troubadoure mit ihrer Laute Minnelieder und preisen die höfischen Rittersitten. Ein deutscher Kaiser, der sich intelligenterweise überwiegend in sonnigeren Gefilden aufhält, zeigt dem deutschen Muff die ganze Pracht arabischer Kultur, überrascht sie mit einem Zoo von Affen, Leoparden, Elefanten und Giraffen und veranstaltet in Mainz ein Turnier, das die Welt noch nicht gesehen hat. Zumindest die in Mainz.

Der Mann des Volkes trägt Hemd, darüber einen kurzen Rock mit weiten Ärmeln, darunter eine kurze Hose, an der Tuchstrümpfe mit Beinlingen befestigt sind und, wenns kühler ist oder er es sich leisten kann, einen Mantel auf beiden Schultern, der auf der Brust schließbar ist, dazu Knöchelschuhe und eine phrygische resp. byzantinisch platte Mütze. Andere lassen sich in gebauscht gegürteter Tunika mit Schultermantel sehen.
Frau in Deutschland trägt ein Hemd und ein Unterkleid, darüber ein oben enges und unten lang und faltiges Oberkleid, teilweise mit weiten Hängeärmeln. Dazu einen Mantel und Fäustlinge (ab dem 13. Jh. gibts dann endlich Fingerhandschuhe). Die französischen Mademoiselles et Madames tragen ein langes Hemd und einen langen, gegürteten Rock (und ein kurzes Überkleid, wenn es die gesellschaftliche Stellung erlaubt), dazu ein Kopftuch, Schleier oder die byzantinische Mütze mit Kinnband.

Autor: Eckhart Triebel